Das Bild, das uns momentan übermittelt wird, ist hässlich, steht auf dem Kopf und gaukelt uns Realität vor. Schaut man sich wie ich mittlerweile die News nur noch im Netz an, sieht man sie überall: Reißerisch aufgemachte Nachrichten mit den entsprechenden Bildern. Auch die ehemals „renommierten“ Blätter gebärden sich weitestgehend wie die sogenannte „Boulevardpresse“. Das Bild, meistens zwischen der oft verlockenden, in die Irre oder ins Nichts führenden Schlagzeile und dem restlichen Text positioniert, spielt eine von vielen nicht bewusst wahrgenommene Hauptrolle. Denn Bilder transportieren bekanntermaßen eine Botschaft viel schneller, wirkungsvoller und nachhaltiger als ein langer Text. Das Bild ist mächtiger als das Wort. Bilder brennen sich ein. Mach dir ein Bild. Ist ja auch in Ordnung, solange Bild und Text sich ergänzen, in einem Verhältnis zueinander stehen, eine gemeinsame Botschaft transportieren. Will man hingegen Menschen beeinflussen oder in ihrer bereits vorhandenen Meinung bestärken, ist ein Leichtes, dieses mit der Schlagzeile und/oder eben dem eingefügten Bild zu tun. In der heutigen, schnelllebigen Zeit, sind es allzu viele, ich nehme mich da nicht aus, die nur schnell mal die Schlagzeile überfliegen und das Bild betrachten.

Ein Bild von vielen... (Quelle: Abendzeitung München)

Ein Bild von vielen… (Quelle: Abendzeitung München)

Nimmt man das von mir hier in den Text eingefügte Bild, sollte man als halbwegs vernunftbegabter, unbeeinflusster Zeitgenosse stutzig werden. Es geht um bayerische Polizisten, die auf einer Demo gegen die Corona-Maßnahmen in Berlin als Redner auftraten. Was sieht man aber auf dem Bild? Die Polizisten auf der Rednerbühne? Nein. Wenigstens ein Bild der Demo im Umfeld der Rednerbühne? Nein. Irgendein beliebiges Foto, das zu der Schlagzeile oder dem unterhalb angebrachten Text passt? Nein. Man sieht stattdessen ein Bild von dem kleinen bis minimalen Teil der „Demonstranten“, der vor dem von Polizei bewachten Reichstagsgebäude steht. Eine(r) von ihnen schwenkt dabei eine Reichsflagge. Diese ist wunderbar mittig im Bild positioniert und damit das zentrale Objekt der Fotografie.

Kennt jemand die Sendung „1000 Meisterwerke“ noch? Man könnte auch dieses, wenngleich künstlerisch nicht gerade wertvolle Bild, das nicht einmal ein Meisterwerk der Propaganda ist, weil die Demagogie für jeden offensichtlich sein sollte, jetzt analysieren und interpretieren und so weiter und so fort. Aber es sollte jedem auffallen, das hier eine aktive Beeinflussung des Betrachters und des potenziellen Lesers stattfindet. Dieses Bild ist beileibe nicht das einzige seiner Art. Immer wieder zeigen die Bilder der weitestgehend friedlich verlaufenen Demos die Leute mit Reichsflaggen oder Menschen, die beim Betrachter den Eindruck vermitteln sollen, die Demonstranten wären alle Spinner, Rechte, Idioten und allgemein seltsame Leute und es gibt viele andere Bilder, die eine bestimmte Meinung transportieren. Warum fallen so viele darauf herein oder bilden sich ein, das wäre in Ordnung? Das ist die Frage, deren mögliche Antworten mir Schauer über den Rücken jagen.

Diese Art der Berichterstattung ist definitiv kein Journalismus mehr, das ist reine Propaganda! Wer sich darin bestätigt sieht, sich daran ergötzt, das wohlwollend abnickt, der ist genau das, was er denen, die hier abgebildet sind, vorwirft. Ich kenne in Deutschland momentan keine einziges renommiertes Massenmedium, das nicht aktiv Meinung macht, Stimmung macht gegen alles, was anders denkt als die breite Masse. Das ist die wahre Pandemie, dass nahezu ein ganzes Volk wie von einem Virus angefressen maskiert durch die Gegend rennt und der Einfachheit halber, der Bequemlichkeit halber alles glauben will, was ihm vorgesetzt wird. Wird hinterfragt und genau hingeschaut? Nein. Gibt es eine Diskussion darüber? Nein. Gibt es Toleranz? Nein. Werden „Wortführer“ der Minderheit gehört? Nein. Kann man mit Verständnis rechnen, mit Verstehen? Nein? Ist das die moderne Form der Demokratie, die angeblich von den beeinflussten Gründervätern angestrebt wurde? Darauf gibt es drei Antworten: Nein, nein und nochmals nein. Dies scheint leider wieder einmal, von den meisten unbemerkt, das alte Denken und Handeln zu sein, das im letzten Jahrhundert mehrfach in „unserem“ Land herrschte. Demokratie kann man nicht einfach nur auf ein Stück Papier schreiben, Demokratie will und muss gelebt werden…

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