Seit Monaten, seit „The Big C“, eigentlich nicht viel mehr als nichts, anscheinend wirklich die ganze Welt verändert, überlege ich, ob ja oder nein und wenn ja, wie dann und wo und warum überhaupt eigentlich. Ich habe Abertausende von Gedanken gehabt, einige davon in die Tastatur gehackt, sie wieder verworfen und wieder aufgenommen, neue hinzugefügt. Ich wollte es freundlich schreiben, emotional, nüchtern sachlich, datenbasiert. Ich wollte es ironisch schreiben, sarkastisch, zynisch. Letztendlich ist es wohl die freundliche und für meine Verhältnisse fast schon demütig anmutende Bitte, die mir am sinnvollsten erscheint. Der Mensch will, der Mensch kann nicht überzeugt werden, er überzeugt sich nur selbst. Also bitte ich alle, die momentan die Situation einfach hinnehmen, sie befürworten, sie unterstützen, aber auch die, die sich zu sehr hineingesteigert haben in alle möglichen Theorien und Fantasien:

Höllisch paradiesisch...

Höllisch paradiesisch…

Überzeugt euch immer selbst. Versteckt euch nicht in der Masse. Geht allein hinaus in diese wunderbare Welt, geht weg von den ausgetretenen Pfaden, geht in die Wildnis des Lebens, geht zu den Quellen, hinterlasst keine Spur, bleibt mal stehen und schaut euch um, stellt euch der Herausforderung, opfert ein wenig oder ein wenig mehr eurer Zeit, hinterfragt, vor allem auch euch selbst, diskutiert, öffnet die Türen, schaut hinter die Vorhänge, hinter die Fassaden, in die Keller, unter die Teppiche, hinter die Masken, lest zwischen den Zeilen, checkt die angeblich korrekt dargestellten Zahlen und vermeintlichen Fakten, hört nicht auf die lieblich säuselnden Stimmen und hört das Nichtgesagte hinter dem Gesagten, macht nicht die Lüge zur Wahrheit, betrachtet jeden Menschen einzeln, befreit euch von der Schwarmdummheit, von den Klischees, bewahrt euch einen wachen, gesunden und vernünftigen Verstand und legt euch eine Art geistige Immunität zu gegenüber den Geistern der Zeit.

Klingt mächtig verschroben, idiotisch, esoterisch und/oder besserwisserisch? Vielleicht ist es das. Ich habe garantiert nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen. Die meiste „Weisheit“ hat mir in meinem Leben die Natur selbst, von der sich die meisten scheinbar zu weit entfernt haben, vermittelt. Wer weiß, warum ich tue, was ich hier tue? Ich weiß es nicht, so wie ich nichts weiß. Vielleicht gerade deshalb bin ich jemand, dessen Glas meistens voll ist, der immer erst einmal das Positive in allem sehen möchte und der sich von Menschen nicht das Leben vermiesen lassen will. Ich habe keine Kinder, wollte auch nie welche und wenn ich gehe, kann mir eigentlich alles schnurzpiepegal sein. Mit mir stirbt das Universum. Aber ich möchte eigentlich nicht, das es mir egal ist und ich möchte eigentlich, das es auch allen anderen nicht egal ist…

Ich sitze schon sehr lange zwischen den Stühlen, wenn ich mich überhaupt noch an irgendwelchen Diskussionen beteilige. Meistens bin ich dann gearscht, weil ich keiner Seite beitrete und somit keinem so richtig gefalle. Aber von der Mitte aus, weder von rechts noch links, weder von oben noch unten, weder von vorne noch hinten, ist das Blickfeld in alle Richtungen offen und die Entfernungen in alle Richtungen sind gleich groß oder zumindest erscheinen sie so. Ich will keiner Gruppe angehören, in der sich die Leute gegenseitig Honig ums Maul schmieren, sich gegenseitig auf die Schulter klopfen und sagen: „Hey, nur wir haben es wirklich kapiert“! Ich kenne keinen, der es kapiert hat, aber viele, die es glauben. Ich habe nie einer Partei angehört, einem Verein oder einer sonstigen Gruppierung, in der Menschen sich zusammenfinden, die glauben, gemeinsam wäre man stark oder die denken, viele Gleichdenkende wären automatisch im Recht. Jeder einzelne von uns ist vom ersten Moment seines Lebens bis zum vermeintlich letzten vollkommen allein, keiner von uns kommt lebend aus der Nummer raus und keiner von uns wird am Ende viel schlauer sein als am Anfang.

P.S.: Natürlich ist mir auch bewusst, das „The Big C in Germany“ im globalen und/oder zeitgeschichtlichen Rahmen wahrscheinlich so gut wie keine Rolle spielen wird. Es gibt wichtigere Probleme, die sich meiner Erfahrung nach aber wahrscheinlich eh „von selbst“ lösen bzw. vom Großen Geheimnis gelöst werden, weil wir Menschen dazu meistens sowieso nicht in der Lage sind. Aber „Global denken – lokal handeln“ ist gar kein so dummer Spruch, wenn man ihn mal genauer unter die Lupe nimmt. Willfährig hingenommen, sind in den letzten Jahrzehnten in diesem Land viel zu viele Rechte beschnitten, gedämpft, zurückgesetzt oder getilgt worden. In kleinen Häppchen, damit wir besser schlucken können. Manches davon mag unvermeidlich und vielleicht sogar relativ sinnvoll gewesen sein, aber ich denke, dass wir uns jetzt nicht auch noch unserer grundsätzlichen Bürgerrechte berauben lassen sollten…