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Hildesheim – Stadtwanderung:

Obwohl es genug Vorschläge für einen Stadtrundgang in Hildesheim gibt, konnte ich es mir selbstverständlich nicht verkneifen, meine Version einzustellen. Hildesheim hat viele Sehenswürdigkeiten, aber für mich waren die teils begrünten, teils anders veränderten, teils erhaltenen, mittelalterlichen Wallanlagen, immer das größte Potential der Stadt. Nicht nur grüne Lunge, nicht nur Verkehrshindernis, sondern ein verbliebener Rest der „Seele“ der Stadt. Darum konzentriere ich mich auch auf diese Anlagen und nehme die Innenstadt nur nebenbei mit. Diese kann man optional dann auch ganz weglassen und sich auf einer Extratour in den „Trubel“ stürzen…

So oft wie möglich immer wieder…

Hildesheim ist zwar auf (mehr als?) sieben Hügeln erbaut, aber auf den knapp 10 Kilometern, muss man keine nennenswerten Steigungen auf sich nehmen. Es sei denn, man gönnt sich den Aufstieg zur Spitze des visuellen Wahrzeichens der Stadt, der St. Andreaskirche („Andi“)

Einige Kilometer begrünte, mittelalterliche Wallanlagen, die Innerste und andere Gewässer, „unzählige“ mittelalterliche Kirchen und Klöster, ein wunderschöner Marktplatz, einige historische Straßenzüge der Altstadt/Neustadt, viele, viele „Kleinigkeiten“ am Wegesrande…

Unzählige Möglichkeiten, hier nur einige Vorschläge…

Wie in allen Großstädten schwierig…

Kostenlos parken und starten kann man z.B. vom Ostbahnhof. Weitere kostenfreie Parkplätze/buchten, habe ich in der „Renatastraße“ und am „Weinberg“ eingezeichnet. Wie man dort zu welcher Zeit einen bekommt, kann ich allerdings nicht sagen. Möglich wäre auch noch ein Start vom Hohnsen…

Vom HBF etwas knifflig, da empfehle ich eine Weiterfahrt, einen früheren Ausstieg am Ostbahnhof. Von dort aus sind es nur ein paar Schritte zum Goschentor und zum Kehrwiederwall…

Teil 1: Kehrwiederwall – Ernst-Ehrlicher-Park – Kalenberger Graben

Vor einigen hundert Jahren, wäre eine Stadt wie Rothenburg ob der Tauber, man möge mir verzeihen, in Deutschland vielleicht nichts wirklich Besonderes gewesen. Aber als die städtischen Befestigungsmaßnahmen des Mittelalters, ihre schützende Funktion verloren, wurden diese meistenorts nach und nach entfernt, in manchen Siedlungen sogar vollständig. Das geschah unter anderem, um sich aus der Enge und dem „Mief“ des Mittelalters zu befreien und später auch wegen der veränderten „Verkehrslage“. Vielerorts wurden diese Anlagen auch in „befestigte“ Grünanlagen umgewandelt, wie z.B. ganz vorzüglich in Duderstadt oder Mühlhausen. Dort besitzen sie auch einen sehr hohen Wert für den Tourismus und das „Stadtklima“. Dazu kam dann natürlich noch der verheerende Weltenbrand, der in vielen Städten, gerade in Norddeutschland, den oft von Fachwerk geprägten Innenstädten, den Garaus machte. In Hildesheim war es der 22. März 1945, als der verheerendste Luftangriff, die „Seele“ der Stadt in Rauch und Asche verwandelte. Aber immer noch findet man im „Nürnberg/Ravenna des Nordens“, das auf etlichen Hügeln erbaut wurde, ein hervorragendes Beispiel für eine sehr schöne, immer noch 2/3 der Alt- und Neustadt umfassende Wallanlage, und etliche Flecken, an denen herausragende Beispiele früherer Baukunst stehen. Im Fall der noch vorhandenen Wallanlagen, darf man ruhig vorangegangenen Bürgern und Stadtoberhäuptern danken, die sich dafür einsetzten, das diese wertvollen Anlagen, halt nicht vollständig städteplanerischen Aspekten geopfert wurden. Da mögen fußlahme Eingeborene und Besucher, auch gerne über die Verkehrs- und Parksituation in der Innenstadt schimpfen. Es gilt wie immer: Nur wo du zu Fuß warst, bist du wirklich gewesen…

Wo könnte man einen Stadtrundgang in Hildesheim besser starten, als am Kehrwiederwall? Genau … nirgends! Vom Ostbahnhof sind es nur ein paar Schritte, bis wir am verschwundenen Goschentor, den Eingang des Walls finden. Wir nehmen den mittleren Weg, der uns auf die Höhe des Walls führt, an dem im Frühjahr zahlreiche Frühblüher erscheinen. Nur ein paar Schritte, schon taucht rechts das erste, sehenswerte Gebäudeensemble auf. Vorne, „ochsenblutrot“ befachwerkt, die ehemalige Großvogtei, deren wallseitige Fassade, auf einem der wenigen Reste der Neustadtmauer steht. Ein paar Schritte weiter die Dompropstei, die von der anderen Seite prächtiger ist. Da wir den beiden Gebäuden am Ende näher kommen, später mehr. Oben auf dem Wall geht es schnurgerade weiter, dafür mit herrlichem Blick in die Gärten der Häuser in der Keßlerstraße. Zwischendrin blitzen immer wieder die Spitzen von St. Lamberti und St. Andreas auf, die wir später noch genauer unter die Lupe nehmen werden. Hinter dem „Knick“ im Wall, erreichen wir fast die ehemalige Grenze zwischen der Altstadt Hildesheims und der Anfang des 13. Jahrhunderts gegründeten Neustadt. Wer sich ein wenig mit der Historie Hildesheims beschäftigt, wird erfahren, das es im Laufe der Zeit, immer mehr Schwierigkeiten gab, zwischen dem herrschenden Klerus in Form des Bischofs, und der immer mehr nach Freiheit drängenden Bürgerschaft der Stadt. Aus diesem schwelenden Konflikt, entstanden nicht nur Bauwerke wie die Burgen Steuerwald und Marienburg im Norden und Süden der Stadt, sondern auch planmäßige Ansiedlungen, wie die Dammstadt und die Neustadt. Am „Brennpunkt“ des ehemaligen Konflikts, steht eines der vielen „Wahrzeichen“ der Stadt, der Kehrwiederturm. Er ist durch glückliche Umstände und den wackeren Einsatz altvorderer Bürger, der einzige Turm der Stadtbefestigung, der allen Widrigkeiten zum Trotz noch steht. Gleichzeitig ist er auch das Symbol für eine der wohl bekanntesten und schönsten Sagen Hildesheims.

Hildesia - Die Sage der Hildesheimer Jungfrau

Die Hildesheimer Jungfrau war ein reiches, schönes Edelfräulein, das manch ein Wohlgeborener aus der Umgebung, wohl gerne zur Frau gehabt hätte. Sie hingegen zog es zu einem braven, jungen Ritter hin, mit dem sie sich heimlich verlobte. Da der Lehnsherr des Ritters, die holde Jungfrau selbst zu ehelichen gedachte, trafen sich die die Liebenden heimlich an einer Linde, im dunklen, weiten Wald vor den Toren der Stadt. Eines Tages zog ein schlimmes Gewitter auf, als die Jungfer zum geheimen Treffpunkt eilte. Zu Tode geängstigt und durchnässt, kam sie bei der Linde an, als ein Blitz den Platz erleuchtete. Siehe da, dort lag ihr Ritter, kalt und leblos unter dem Baume – getroffen vom Blitz! Wie irrsinnig lief sie davon, immer tiefer in den Wald. Als sie ermattet unter einer Wildrose darniedersank, einschlief und träumte, erschien ihr die Jungfrau Maria und tröstete sie. Derart gestärkt wollte sie sich auf den Heimweg machen, aber sie hatte sich verirrt. Keine Menschenseele war zu sehen und lediglich das Geheul von Bär und Wolf drang an ihr Ohr. „Verlass mich nicht, heilige Mutter Gottes, in der Not, ich will auch mein Leben Gott geloben!“ rief die Jungfer in die Nacht. Dann schwieg sie stille und auf einmal hörte sie in weiter Ferne eine Glocke, die ihr zurief: „Kehr wieder! Kehr wieder!“ So folgte sie dem Klang der süßen Glocke und fand wieder nach Hause zurück. Ihr Versprechen, das hielt sie, beschenkte die Kirche reichlich und stiftete den Bürgern der Stadt, den Hildesheimer Wald. Seitdem heißt der einzig verbliebene Turm der Stadtbefestigung also Kehrwiederturm … und die Jungfrau wacht ewiglich über die Geschicke der Stadt…
Diese Stelle an den Wällen, ist mein Lieblingsplatz in Hildesheim und ein „anständiges“ Plätzchen zum Chillen, wäre hier wirklich eine Bereicherung. Wunderbar schweift der Blick über die Dächer und Türme der Umgebung. Den Kehrwieder und den Rest vom Schützenfest, lassen wir erstmal links liegen, weil wir nachher sowieso wieder hier vorbeikommen. Einen beeindruckenden Blick hat man vom Wall auch auf die Basilika St. Godehard, ehemals Klosterkirche, im 12. Jahrhundert erbaut, im Jahr 1963 zur Basilica minor erhoben und für mich eine der schönsten Kirchen überhaupt. Wir überqueren jetzt das Neue Tor, das 1511 entstand, als das Godehardikloster in die Stadtbefestigung mit einbezogen wurde. Die vorgesetzte „Bastion“, entstand erst 1879 als Verschönerung der Anlage, als diese ihren Verteidigungszweck längst verloren hatte. In der Straße „Weinberg“, sehen wir links das auf dem Gelände des ehemaligen Städtischen Krankenhauses, neu entstandene Weinberg-Viertel. Der Campus der Fachhochschule HAWK, wird von Wohngebäuden umrahmt. Einige rote Backsteinbauten des Krankenhauses sind übrig geblieben, hinter Kastanien versteckt sich das schöne Verwaltungsgebäude von 1895. Vor dem „Fuba-Haus“ geht es eigentlich rechts runter, aber ein Abstecher zur Villa Dyes, einem prächtig-trutzig-burgähnlichen Anwesen, und zum daneben stehenden Schweizerhaus, lohnt sich allemal.

Zurück geht es zu dem schmalen Gang, der uns in den Ernst-Ehrlicher-Park bringt. Einst als Klostergarten für St. Godehard angelegt, wandelte die Familie Dyes das Gelände im 19. Jahrhundert, in einen Landschaftsgarten im englischen Stil um, dessen Gestaltung heute noch den Charakter der Anlage bestimmt. Rechts von uns der erste „feuchte“ Graben des Tages. Dieser wurde einst von den Mönchen des Godehardiklosters als Fischteich angelegt, und während der Ummauerung des Klosters, der Einfachheit halber in die Verteidigung der Stadt einbezogen. Hinter dem ehemaligen Gärtnerhäuschen der Dyes, geht es nach links und einmal durch den kleinen, aber freundlichen Park mit seinem teils alten Baumbestand. An der Brücke über den von der Innerste abzweigenden Mühlengraben, kann man einen kurzen Abstecher zur Freiflut machen, z.B. im Sommer seine Beine auf der kleinen Kiesinsel abkühlen oder eine Pause bei der sehenswerten Ahornblättrigen Platane an der Ecke machen. Wir folgen dem Mühlengraben im Park und gelangen an der Lucienvörder Straße, die auf ein wüst gefallenes Dorf Lucienvörde verweist, zum Ende des „Ersten Abschnitts“. Rechts von uns, manch einer wundert sich vielleicht über den Stacheldraht, noch eine zumindest für mich, immer kurios anmutende Eigenheit Hildesheims. Das ehemalige Godehardikloster mit seinen alten Gemäuern, beherbergt seit den 1970er Jahren nicht nur die Norddeutsche Fachhochschule der Rechtspflege, sondern auch eine Justizvollzugsanstalt für Frauen.

Teil 2: Kalenberger Graben – Jo-Wiese – Bischofsmühle – Seniorengraben – Liebesgrund

Auf der anderen Straßenseite steht das „Schwanenhäuschen“, im 19. Jahrhundert als Torwächterhaus erbaut. Links daneben, etwas versteckt, liegt das kleine Cafe „Viva“, mit Außenbereich am Kalenberger Graben. Wir „erklimmen“ jetzt den Langelinienwall, der als letzter Teil der Stadtbefestigung hinzugefügt wurde und seinem Namen zwar alle Ehre macht, aber dafür auch viele Ein- und Ausblicke in die Umgebung erlaubt. Wegen der sumpfigen Innersteniederung, die erst später trockengelegt wurde, waren hier keine aufwändigen Verteidigungsmaßnahmen notwendig, wie an anderen Stellen der Stadt. Auf der anderen Seite des Grabens, liegt fast wie eine Insel, das „Venedig-Viertel“, dessen prächtige Bauten auch vom Wall aus, manchmal durch das Grün zu sehen sind. Wen das mehr interessiert, der kann auch auf der anderen Seite des Grabens gehen. Rechts von uns das wunderbar gelegene Bernward-Krankenhaus, das aus einem Kartäuser-Kloster hervorgegangen ist und sich teilweise einen historischen Charme bewahrt hat. Wir steigen hinab zum Weg direkt am Graben. Hier ist angestammtes Revier der zumeist sehr zutraulichen „Stadtenten“. Eisvogel und Schwäne, haben wir hier schon länger nicht mehr gesehen, dafür tummeln sich ab und zu schon mal Reiherenten oder der ein oder andere Graureiher an den Gräben. Mit etwas Glück sieht man auch mal eine oder gleich mehrere Schildkröten im Wasser oder sich sonnend auf herabgefallenen Ästen. Wahrscheinlich handelt es sich aber um ausgesetzte Exemplare und nicht um die doch eher sehr seltene „Europäische Sumpfschildkröte„. Am Ende des Grabens wartet dann die Skulptur des Rainald von Dassel.

Rainald von Dassel - Kein Bischof von Hildesheim

Rainald wurde gegen 1120 in der Gegend von Dassel geboren, besuchte die Hildesheimer Domschule und später die Universität von Paris. 1146 war er noch Subdiakon und Cellarius in Hildesheim, bereits 1148 wurde er zum Dompropst ernannt. 1153 verzichtete er auf die Kandidatur zum Bischof von Hildesheim und wurde bis 1159 Propst mehrerer kirchlicher Einrichtungen in Hildesheim, Goslar, Münster, Maastricht und Xanten. Durch Kontakte zum Hof, wurde er 1156 in die Reichskanzlei Kaiser Friedrichs I. (Barbarossa) berufen und dessen engster Berater und Vertrauter. Er gestaltete die kaiserliche Politik entscheidend mit, bereitete den Italienzug 1158 vor und wurde auf Bestreben Friedrichs, 1159 zum Erzbischof von Köln gewählt und zum Erzkanzler Italiens ernannt. In den folgenden Jahren, kümmerte Rainald sich um verschiedenste Dinge, stärkte unter anderem die kaiserliche Macht gegen das Papsttum und baute seine eigene Macht im wachsenden Erzbistum Köln aus. Im Rahmen der kaiserlichen Italienpolitik, kehrte Rainald 1166 nach Italien zurück und schlug 1167, zusammen mit dem Erzbischof von Mainz, ein römisches Heer bei Tusculum. Kurz darauf brach im kaiserlichen Heer eine Seuche aus, der am 14. August 1167, schließlich auch Rainald von Dassel erlag. Bekannt blieb er unter anderem als Stifter der Gebeine der Heiligen Drei Könige, die heute noch im Kölner Dom liegen. In Hildesheim bleibt er in unter anderem in Erinnerung als erster Erbauer einer steinernen Brücke über die Innerste und als Stifter des Johannishospitals. Seine heute noch bestehende Johannishofstiftung von 1161, zählt zu den weltweit ältesten, bestehenden Stiftungen.
Vorbei am einst umtriebigen Rainald, erreichen wir das nur in meiner Phantasie existierende „Johannisviertel“. Die breite Johannisbrücke ist aus einer mittelalterlichen Befestigungsanlage, und einer später hier bestehenden Ziegelei, hervorgegangen. Wir machen aber zuerst einen Abstecher durch die „Innersteauen“ zur Jo-Wiese. Das „Venedig-Viertel“ hat jede Menge sehenswerten Baubestand und Interessantes zu bieten, wie z.B. mit der Gärtnerei Hennis, die seit 1891 bestehende, wohl älteste Orchideengärtnerei der Welt. Am Abzweig zum „Mini-Park“ an der Innerste, steht noch ein hübsches, kleines „Garten-Fachwerkhäuschen“, an der Ecke zur Humboldtstraße ein großes Anwesen mit mächtiger Blutbuche. Im „Park“ kann man nett rasten, um dann an der Luvienvörder Straße, die Innerste zu überqueren. Auf der anderen Seite, im ab 1974 entstandenen Naherholungsgebiet Hohnsensee, das schon 1922 eingerichtete Freibad Jo(hannis)-Wiese. Wir gehen jetzt zwischen der Innerste und dem Überlaufbecken, das hinter dem Hohnsen beginnt, und hinter der Bischofsmühle wieder in die Innerste mündet. Eine segensreiche Einrichtung, die Hildesheim immer wieder, trotz extremer Hochwasser, vor dem Schlimmsten bewahrt hat. Am Abzweig des Eselsgraben, an dem wir die kleine Brücke zum Johannis-Friedhof nehmen, steht ein modernes Wasserkraftwerk der EVI. Wir machen jetzt einen Gang über den kleinen Johannisfriedhof, vorbei an dem mittlerweile ausgebauten Gebäude an der Innerste, das aussieht wie eine ehemalige Mühle, aber wohl keine gewesen sein soll. Der aufgelassene Friedhof mit seinen schönen, alten Grabdenkmälern, war 1812 auf dem Gelände einer Schanze, als erster der Hildesheimer Friedhöfe, gezielt am Stadtrand eingerichtet worden. An der Johannisbrücke vorbei, die aus einer alten Stadtbefestigung „herausgearbeitet“ wurde, gelangen wir in die Johannisstraße, die erst seit 1871, in Anlehnung an das ehemalige Johannisstift, ihren Namen hat. Dieses wurde bereits 1547, während des Schmalkaldischen Krieges niedergelegt, als die Stadt ihre Befestigungen verstärkte. Über die Dammstraße, eine der alten Verkehrslebensadern der Stadt, erreichen wir das Gebiet der Bischofsmühle, das trotz vielfach moderner Bebauung, immer noch Geschichte atmet.

Langer Rede kurzer Sinn, denn eigentlich sollte dieser erste, aber nicht letzte Beitrag über Hildesheim, nur einen ganz groben Überblick bieten. Gleich nach Überqueren der Straße, findet sich rechts ein kleiner Rest Mauerrest der Stadtmauer und des Johannishospitals, mit vorgelagerten Skulpturen. Dahinter beginnt die für das Laienauge vielleicht nicht besonders beeindruckend wirkende „Wildwassersportanlage Bischofsmühle“, die aber seit der Fertigstellung 1982, die einzige ihrer Art in Norddeutschland ist. Das vor uns liegende Gelände, wurde dereinst fast gänzlich von der mächtigen, 1289 erstmals erwähnten Bischofsmühle eingenommen, deren Gebäude sich auf beiden Seiten der Innerste erstreckten. Lediglich auf der kleinen Insel in der Innerste, auf der sich heute das Restaurant „Die Insel“ befindet, stand die am Ende kurios instabil aussehende Walkenmühle, die im 16. Jahrhundert errichtet wurde. Sie brach schließlich 1924 ganz von selbst zusammen. Die Überreste der Bischofsmühle, wurden 1945 abgebrochen. Auf dem Fundament eines der Mühlengebäude, wurde vor einigen Jahren ein moderner Bau aufgesetzt. Im historischen Untergeschoss, befindet sich seit 1971 der lange schon überregional bekannte Club des 1966 gegründeten Kulturvereins „Bischofsmühle Cyclus 66„, in dem Konzerte, Lesungen und Kleinkunstveranstaltungen stattfinden. Gehen wir weiter, sehen wir auf der anderen Seite der Innerste, die schönen Gebäude des ehemaligen Magdalenerinnenklosters, die wir später noch genauer in Augenschein nehmen werden. Das ist ein echt spannendes Gelände, das nicht nur uns, sondern viele Hildesheimer immer wieder anzieht. Im wahrsten Sinne des Wortes eine Hildesheimer Traditionsinsel.

Die verlassen wir auf der langen Brücke über die Innerste, von der aus wir noch einen hervorragenden Blick auf das ganze Ensemble haben, mitsamt der vom Wasser umgebenen Insel. Hinter der Brücke gibt es zwei Wege, zwei Möglichkeiten. Wer sich eh nicht in den Stadttrubel werfen will und nur eine kürzere, ruhigere Route nehmen will, der kann hier den rechten Weg nehmen und auf den nicht umsonst so genannten Hohen Wall steigen. Von dort hat man einen schönen Blick durch die Mauer des Magdalenengartens, in den Garten selbst und später einen auf den Moritzberg, von einer vermutlich alten Bastion. Aber auch vom unteren Weg über den Seniorengraben/Liebesgrund, führen später noch mehrere Wege hinauf zu St. Michael. Unten entlang, wird es wieder ruhiger am eigentlich idyllischen Seniorengraben, der seinen Namen, wenn ich mich recht entsinne, von den Rats-Senioren hat, den ältesten Mitgliedern des Stadtrats, die hier angeln/fischen durften. Nett und ruhig ist es hier und einige Bänke laden zum Verweilen ein. Beeindruckend ragt der von der Innerste „geschaffene“, natürliche Hohe Wall neben uns auf. Am schneidlerschen Reiher von 1959 vorbei, wenden wir uns in den Liebesgrund, und damit in den dritten Teil unseres grün angehauchten Stadtrundgangs.

Teil 3: Liebesgrund – Marktplatz – Andreasplatz – Alter Markt

Auch der Liebesgrund war einst wassergefüllter Teil der Stadtbefestigung und wurde später, liebevoll in einen Wandelgang (nicht nur) für Verliebte umgewandelt. Von der einstigen Pracht ist leider nicht mehr viel übrig und immer weniger Menschen „verirren“ sich hierher. Nur noch ein immer breiter und schlechter werdender Weg, führt durch den Graben, von dem aus der Verkehr auf der Schützenallee nicht zu überhören ist. Ehrlich gesagt, ist mir dieser „Wildwuchs“ eh viel lieber als eine Promenade und alles ist besser, als an einer Straße zu laufen. Einige schöne, alte Bäume säumen den Weg und klammern sich an den Wall, an dessen Ende uns drei weise Eulen, den Weg in den eher kulturell geprägten Teil des Rundgangs weisen. Es wird ein wenig kompliziert am Ende des Liebesgrundes, an dem uns eine der „stressigsten“ Kreuzungen der Stadt erwartet. Direkt gegenüber unseres Austritts aus dem Grund, befindet sich der diesseitige Eingang der vor kurzem errichteten Arneken-Galerie, durch die wir am günstigsten in die Innenstadt kommen. Im Vorfeld der Errichtung der Arnekengalerie, wurden 2010 archäologische Untersuchungen vorgenommen, da das Baugelände, auf Teilen der ehemaligen Stadtmauer und des Stadtgrabens liegt. Dabei konnten etliche Bestandteile der hier einstmals vorhandenen Befestigungsanlagen dokumentiert werden, unter anderem auch das Äußere Hagentor und die Hagentorbrücke. Gleich am Eingang erwartet uns ein Schaukasten mit Fundstücken, die auf den Handel der Stadt im Wandel der Zeiten verweisen. Im zentralen Gang der Galerie, sehen wir unter uns eine Ausstellungsfläche, die Fundstücke zur Stadtgeschichte präsentiert. Ein wahrscheinlich als Meldegang genutzter Gewölbegang wurde konserviert und ist durch eine Glasscheibe für den Besucher sichtbar.

Wir verlassen die Galerie und wenn wir am Ende des schmalen Durchgangs zur Almsstraße, eine unscheinbare Kirche sehen können, sind wir auf dem rechten Weg. So unscheinbar sie auch sein mag, so „unwegdenkbar“ ist St. Jakobi für die Innenstadt Hildesheims. An der Stelle einer Jakobuskapelle am Jakobusweg, wurde von 1503-1514 eine Pfarrkirche errichtet, die 1945 unterging und 1949 wieder ihre Tore öffnete. Von 2000-2012 war sie, initiiert von Pfarrer Heinke, die „Citykirche – Kirche am Wege“, und mit Ausstellungen, Konzerten, Gottesdiensten und mehr, ein kultureller Mittelpunkt der Stadt. Seit 2014 befindet sich das „Literaturhaus St. Jakobi“ in der Kirche, die ihre Pforten bald auch wieder täglich öffnen soll. In der kleinen Gasse neben der Kirche, befindet sich mein persönlicher Favorit für eine traditionelle Einkehr in Hildesheim. Das Pfannkuchenhaus „Antik-Cafe„, bietet eine reiche Auswahl (nicht nur) an Süßem, einen urigen Innenbereich und einen hüsch abgeschiedenen, kleinen Kaffeegarten. Das ist aber beileibe keine Herabsetzung anderer Lokalitäten, von denen es zumindest in der Innenstadt, reichlich gibt. Ein Durchgang am Ende der Kaneelstraße, bringt uns auf den Marktplatz, zu dem ich nicht viel zu sagen brauche und werde. Stolz wie Oskar sind die Hildesheimer zu Recht auf ihre „Gute Stube“ und wohl alle heilfroh, das die Nachkriegsbebauung größtenteils verschwunden ist. Das Ensemble aus Knochenhauer– und Bäckeramtshaus, Rathaus, Tempelhaus, Wedekindhaus, Stadtschänke, Wollenwebergilde, Rokkokohaus und Rolandbrunnen, ist einfach einzigartig in Deutschland. Täglich um 12, 13 und 17 Uhr, erklingt zusätzlich zum nicht sattsehen können an der (wiedererstandenen) städtebaulichen Pracht vergangener Jahrhunderte, das standesgemäße Glockenspiel am Rathaus mit wechselnden Melodien.

Eine Kleinigkeit, die wohl nicht nur mir im Sinn herumgeht, kann ich aber noch hinzufügen zu dem, worüber genug gesagt und geschrieben wurde. An der Ecke des Tempelhauses, in dem sich die Tourist-Info befindet, hängt in einigen Metern Höhe, sehr leicht übersehbar, eine Metalltafel, aus der das Sprichwort „Wenn der Wächter nicht wacht, wacht der Dieb“, herausgearbeitet wurde. Auf einem alten Foto, das kurz nach der Zerstörung Hildesheim 1945 gemacht wurde, ist diese Ecke mit dem Schild zu sehen, im Hintergrund der vollkommen zerstörte Marktplatz. Der Fotograf damals, hat sich wohl dasselbe gedacht wie ich, als er dieses Bild machte. Ironie des Schicksals! Sinngemäß bedeutet es doch nichts anderes als „Selbst schuld, wer nicht aufpasst…“. Sobald wir uns losreißen können vom selbst für mich immer noch überwältigend schönen Marktplatz, geht es über die Fußgängerzone, den „Bummel“, der hier Hoher Weg heißt, hinüber zum Andreasplatz. Am Eingang auf den Platz, steht der 2010 wiedererrichtete „Umgestülpte Zuckerhut„, der sich noch nicht so recht in die Umgebung einpassen will. Das liegt zum einen an seinem neuen Gebälk, andererseits an der mangelnden historischen Umgebung. Denn das prächtige „Mutterhaus“ des Zuckerhuts, das Pfeilerhaus, konnte wegen Denkmalschutz des Nachfolgerbaus, und des sich an den Zuckerhut anschließenden „Nierenpavillons“, bislang nicht rekonstruiert werden. Es mehren sich die Stimmen für eine Rekonstruktion und es scheiden sich wie immer die streitbaren Geister der Hildesheimer. Ich sage einfach mal: „Wenn schon, denn schon, bitte keine halben Sachen“…

Der Andreasplatz, der leider mittlerweile einer der letzten „Grünflächen“ der Innenstadt beraubt wurde, bietet aber noch wesentlich mehr und ein Rundgang um die Kirche, bietet sich an. Durch den engen Gang östlich der Kirche, kommen wir am Andreashaus vorbei zum Bugenhagen-Brunnen, der zu Ehren des Reformators errichtet wurde, der 1542 Hildesheim reformierte. Auf der Ecke an der Andreas-Passage, steht die um 1530 errichtete „Alte Münze„, in der bis 1772 die städtische Münzprägeanstalt untergebracht war. Vor dem Turm von St. Andreas, eigentlich immer von „hervorragenden“ Fallwinden heimgesucht, muss man versuchen, so lange wie möglich, den Kopf weit im Nacken, zur Turmspitze aufzusehen. Das geht ohne Abstützung nicht lange gut. Eine Besichtigung der Kirche und ein Aufstieg auf den mit 114,5m höchsten Kirchturm Norddeutschlands, lohnen sich immer. Vom Brocken haben wir die Kirchturmspitze schon sehen können. Ganz bis zum Brocken, reicht der Blick vom Kirchturm nicht, aber der Blick über die Stadt „im Potte“ ist herausragend. Ein Vorgängerkapelle existierte an dieser Stelle bereits im 11. Jahrhundert. Mit dem Bau der Kirche wurde gegen Ende des 14. Jahrhunderts begonnen, der Turm erreichte seine endgültige Höhe allerdings erst 1883. Im nach den Zerstörungen des Krieges rekonstruierten Turm des „Andi“, brütet seit einigen Jahren erfolgreich ein Paar der nicht mehr seltenen, aber auch immer noch lange nicht alltäglich gewordenen Wanderfalken.

Teil 4: Alter Markt – St. Michael – Magdalenengarten – Roemer-Pelizaeus-Museum…

Weiter geht es durch die Eckemeckerstraße, an deren Ecke wohl nicht mehr gemeckert wurde als anderswo. Die Erchmeker waren Weißgerber, die hier am Rande der einstigen Altstadt, wo heute unvorstellbar, einst die Treibe floss, ihrem „anrüchigen“ Gewerbe nachgingen. Auf der anderen Seite der Kardinal-Bertram-Straße, erwartet uns vor dem Bau des neuen „Kaiserhauses„, das Denkmal und der Brunnen zu Ehren des Hildesheimer Didrik Pinings, der Amerika eventuell vor Kolumbus (und vielleicht nach den Wikingern) entdeckte. Das Kaiserhaus, ursprünglich 1587 als erstes steinernes Haus der Stadt von Caspar Borcholt erbaut, beherbergt heute die „Landschaft des ehemaligen Fürstentums Hildesheim„, die Kaiserhaus-Stiftung und das Hornemann-Institut. Auf der Rückseite ist die teils original erhaltene Fassade des alten Kaiserhauses rekonstruiert worden, die ihresgleichen sucht. Gekrönt von Figuren, die die vier Weltepochen symbolisieren, sind die 46 Medaillons der römischen Kaiser. Der Erker zeigt die vier Jahreszeiten. An der danebenstehenden Schule, findet sich ein eingemauerter Renaissance-Erker und vor der Kaiserhausfassade, der nachgebildete Sockel des Schauteufelskreuzes, um das sich die gleichnamige Sage rankt. Erwähnenswert noch, das der Alte Markt seinen Namen nicht ohne Grund hat. Hier befand sich bereits im 8. Jahrhundert, eine der Keimzellen der späteren Stadt und bis Mitte des 12. Jahrhunderts, der erste Handelsplatz. Dieser zog dann aus der feuchten Niederung, auf den höher gelegenen Andreasplatz, bis er ab ca. 1250, an heutiger Stelle Platz fand.

Vom Kaiserhaus geht es durch die Straße „Alter Markt“ zur Burgstraße. Deren Name ist trotz fehlender, handelsüblicher Burganlage, nicht allzu abwegig, denn sie verbindet seit jeher die „Domburg“ mit der „Gottesburg“ St. Michael. Als es noch keine stark befestigte Ansiedlung, keine nennenswerte Stadt Hildesheim gab, war der Dom von einer der ältesten Befestigungen nördlich der Alpen geschützt, die Michaeliskirche von damals üblichen, wehrhaft gestalteten Hecken, den Hagen. Namen wie Kurzer und Langer Hagen oder Hagentor, legen darüber noch heute Zeugnis ab. Beeindruckend, majestätisch, einzigartig hebt sich die Silhouette der Michaeliskirche von hier aus gesehen, vom Hügel ab, auf dem einst, in stürmischen Nächten, Wotan und die Wilde Jagd geritten sein sollen. Architekturgeschichte, Kirchengeschichte etc. hin und her … St. Michael ist einfach eine beeindruckend wunderschöne Kirche. Zwischen 1010 und 1022 unter der Schirmherrschaft Bischof Bernwards entstanden, wurde sie 1033 von Bischof Godehard fertiggestellt. Inwieweit Bernward selbst an der Planung und Umsetzung des Bauwerks beteiligt war, ist nicht näher bekannt. Auf jeden Fall ist sie ein Paradebeispiel ottonischer, vorromanischer Baukunst, einzigartig ausgearbeitet und beherbergt nicht nur mit der bemalten Holzdecke aus dem 13. Jahrhundert, herausragende Zeugnisse mittelalterlicher Kunstfertigkeit. Aus diesem Grund wurde sie 1985, zusammen mit dem Mariendom, auf die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes gesetzt. Weiter will ich gar nicht eingehen auf dieses Bauwerk, an dem ich mich für meinen Teil, niemals sattsehen kann. Auch Bischof Bernward, kein Sohn, aber Vater seiner Wahlheimat, soll von mir unangetastet bleiben. Viel steht schon geschrieben, viel wurde gerätselt, wie und wann und warum und ob. Wer sich näher mit der Kirche des Heiligen Michael beschäftigen will, findet ausreichend Informationen.

Hildesheim - Die Rose im Innersten

„Rosenstädte“ gibt es wohl wie Sand am Meer, aber welche könnte schon behaupten, die nachweislich älteste Rose der Welt zu beheimaten? Vielleicht Hildesheim. Überhaupt ist Hildesheim eine Stadt, deren Einwohner sich im Schatten vermeintlich „schönerer“ Städte in Deutschland, lange in Understatement geübt haben. Aber Zurückhaltung und Demut, sind ja auch nicht gerade die schlechtesten Eigenschaften, die man sein Eigen nennen kann. Neben der mit geschätzten 400-700 Jahren Alter, nachweislich ältesten Hundsrose der Welt, besitzt Hildesheim z.B. mit der Hildesheimer Allgemeinen, die seit 1705 erscheinende, älteste Tageszeitung Deutschlands. Dem Wandel der Zeit, musste sich leider 2014, die seit 1318 privilegierte „Rats-Apotheke“ Hildesheim ergeben, die bis dahin älteste Deutschlands. In der versteckten „Bürgermeisterkapelle“, als Kemnate um 1500 von Bürgermeister Henning Brandis errichtet, befindet sich noch heute die älteste Weinstube Niedersachsens und mit dem 114,5m hohen Turm des „Andi“, der St. Andreaskirche, nennt Hildesheim den höchsten Kirchturm Norddeutschlands sein Eigen. Mit den beiden Wasserburgen Steuerwald/Marienburg und der Domburg, besitzt Hildesheim zudem (mindestens) drei „Burgen“ allein im Stadtgebiet. Mit St. Michael/Mariendom und dem Fagus-Werk in Alfeld, gibt es zwei Welterbestätten im Landkreis. Der gebürtige Hildesheimer Didrik Pining, könnte Amerika vor Kolumbus entdeckt haben und es gibt sogar, gar nicht mal so wenige (streitbare) Indizien dafür, das die Varus-Schlacht doch hier in unserer Gegend stattfand. Um dem Ganzen das Krönchen aufzusetzen, ist Hildesheim auch noch die kleinste und jüngste Großstadt unseres Landes. Ach, die Bernwardsmauer, die Holzdecke in St. Michael, die Bronzetüren im Dom, der Domschatz, das Knochenhauer Amtshaus, die Altägypten-Sammlung des Roemer- und Pelizaeus-Museums. Die Prahlerei muss hier endlich ein Ende haben, sonst werden mir noch die Bürgerrechte der Stadt entzogen, in der sogar die Welt, angeblich 25 Jahre später untergehen soll als anderswo…
Nach der nicht ganz ernst gemeinten Betrachtung hildesheimischer Superlativen, ziehen wir Pilger des Lebens erstmal weiter. Von der Klosterstraße aus, hat man noch einmal einen schönen Blick auf das Westwerk der Michaeliskirche. Von hier aus sieht man die „gutartige Andersartigkeit“ des Gebäudes, noch einmal sehr deutlich. Am Ende der Straße steht ein barockes Portal des ehemaligen Michaelisklosters, hinter dem sich heute die Gebäude des 1962 fertiggestellten, neuen Gymnasiums Andreanum befinden, das an anderer Stelle bereits 1225 entstand. Der Magdalenengarten, den wir nun betreten, ist eine weitere „Hildesheimer Erfolgsgeschichte“. Im 13. Jahrhundert als Obst- und Gemüsegarten des Nonnenklosters der Büßenden Schwestern angelegt, wurde er Anfang des 18. Jahrhunderts, in eine barocke Gartenanlage umgewandelt. Nach der Säkularisation des Klosters, wurde 1827 in den Gebäuden eine Heil- und Pflegeanstalt eingerichtet. Auf dem Hohen Wall wurde eine Mauer errichtet, um die Patienten den Blicken der Spaziergänger zu entziehen und/oder umgekehrt. Nach dem 2. WK wurde hier das noch heute bestehende Pflegeheim St. Magdalenen eingerichtet, dessen Bewohner den Garten nutzten. Von 2003-2004, wurde der Magdalenengarten rekonstruiert und für die Öffentlichkeit freigegeben. Wie vieles in Hildesheim, ist auch der Magdalenengarten klein und knuffig, aber fein. Trotz der „Enge“, finden ein Weinberg mit Pavillon und schöner Aussicht, ein Rosengarten, eine Streuobstwiese und ein Kräutergarten hier Platz. An der Stadt- und der Gartenmauer, verläuft ein schöner Rundweg, an dem man im Frühling, die seltenen und schönen Wildtulpen bestaunen kann. Unbestritten einer der schönsten und ruhigsten Plätze der Stadt und ein Muss für Besucher.

Wir verlassen den Garten durch den Innenhof des Pflegeheims und gehen durch den idyllisch wirkenden Wohl und die Süsternstraße, zur Kirche St. Magdalenen. Die unauffällig schöne Kirche des 1224 gegründeten, ehemaligen Magdalenerinnenklosters, beherbergt einige erstaunliche Kunstschätze, wie z.B. den Bernwardsschrein von 1751 und den „Elffenaltar“ von 1515. Durch die Mühlenstraße, knapp links an der schon besuchten Insel vorbei, sehenswert ist auf jeden Fall das Fachwerk des Wohngebäudes Ritterstraße 2, erreichen wir die Dammstraße, die Altstadt und Dammstadt miteinander verband. Wir gehen in die Straße „Kleine Venedig“, die trotz der verschwundenen Pracht vergangener Zeiten, immer noch ein gewisses Flair besitzt. Hier hat die Stadt, unbemerkt von mir, anscheinend einen verkrauteten Obstgarten am Mühlengraben, wieder hergerichtet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In der Rechtskurve der Venedig, geht es also links über den Hof/Parkplatz des Wohngebäudes, durch den Obstgarten auf den „Museumsplatz“. Hier erwartet uns als erstes das 1540 erbaute Fachwerkhaus, in dem sich die traditionsreichen „Schlegels Weinstuben“ befinden. Vor uns befindet sich jetzt der gewaltige Bau des Roemer-Pelizaeus-Museums, deutlich erkennbar sind der Alt- und der Neubau. Seit 1911, haben die der Stadt Hildesheim vermachten, umfangreichen Sammlungen von Senator Hermann Roemer, Konsul Wilhelm Pelizaeus, und später auch die des Zolldirektors Ernst Ohlmer, eine Heimat im Museum. Eine der weltweit wichtigsten, altägyptischen und altperuanischen Sammlungen, eine umfangreiche Sammlung chinesischen Porzellans und außergewöhnliche, internationale Ausstellungen, machen es zu einem der bedeutendsten Museen Norddeutschlands.

Teil 5: Roemer-Pelizaeus-Museum – Dom – Brühl – Godehardsplatz

Da stehen wir schon am Paulustor der Domburg und gehen nicht rein? Der Umweg über das St. Bernward-Krankenhaus lohnt sich. Der „Altbau“ des Museums ist, auf der Ostseite unverkennbar, ein ehemaliges Franziskanerkloster mit der ehemaligen Kirche St. Martini. Bevor der Museumsverein die schon lange säkularisierten Gebäude erwarb, war hier auch ein Waisenhaus untergebracht. Nach einem der Leiter, H.W. Palandt, ist wohl der kleine Gang benannt, den wir jetzt begehen. Er führt uns, vorbei an einigen „musealen Freiluftausstellungsstücken“, nicht nur auf den Parkplatz des Bernwardskrankenhauses, sondern auch zu einem der ältesten Teile der Domummauerung. Bereits bei der Gründung des Bistums Hildesheim im Jahr 815, soll es eine Ummauerung gegeben haben, die um das Jahr 1000, von Bischof Bernward erweitert wurde. Zwei Tore und 12 vorgesetzte Rundtürme, von denen Reste erkennbar sind, schützten damals das geistliche Zentrum des Bistums. Am Bernwards-Krankenhaus, basierend auf einem 1660 hier neu errichteten Kartäuser-Kloster, geht es jetzt vorbei zur Stinekenpforte. Das prächtige Portal am Eckgebäude, ist das einzig sichtbar gebliebene Zeugnis des Kartäuser-Klosters. Die schmale Gasse, durch die wir jetzt spürbar hinauf in die Domburg treten, ist immer noch, Jahrhunderte später, nach den einst hier herabfließenden Abwässern benannt. Treten wir auf den Domhof, sehen wir rechts von uns, den prachtvollen Eingang des in 1200-jähriger Tradition bestehenden Josephinums, in dem Persönlichkeiten wie Bischof Bernward, Rainald von Dassel oder der spätere Kaiser Heinrich II., die „Schulbank drückten“. Auf dem Innenhof der Domburg, gibt es trotz zahlreicher Veränderungen der letzten Jahrhunderte, etliche sehenswerte Gebäude, wie z.B. das Josephinum, das Kapitelhaus, die Wohnhäuser Domhof 16 und 17, die ehemalige Fürstbischöfliche Residenz oder das Bischofshaus. Im Grunde genommen ist hier alles sehens- und erlebenswert. Die beiden historischen Zufahrten, das Petrus und das Paulustor, durch die Hellweg die Domburg passierte, sind ebenfalls vorhanden bzw. erkennbar. Zweiteres ist heute die Tordurchfahrt des Regierungsgebäudes des ehemaligen Regierungsbezirks Hildesheim, der mit der Gebietsreform 1974-1978, aufgelöst wurde.

Beherrscht wird der Platz natürlich von „Hohen Domkirche St. Mariä Himmelfahrt„, kurz Mariendom, die nicht so gewaltig daherkommt, wie viele andere Kathedralen, dafür aber durch eine Harmonie aus äußerer und innerer Schönheit besticht. Zur rechten Zeit, kann man alleine hier einen halben oder ganzen Tag verbringen, um den Dom und das Dommuseum zu besuchen. Der Tausendjährige Rosenstock, Christussäule und Bernwardstür, der Kreuzgang, der Heziloleuchter, Reliquienschreine, das Marienreliquiar, Bernwardskreuz und Bernwardsevangelium, das Ringelheimer Kreuz, und vieles mehr gibt es zu entdecken und zu bestaunen. Mit etwas Glück kann man sogar die jungen „Dom-Uhus“, irgendwo herumstolzieren sehen. Vieles müsste Erwähnung finden, aber dies ist eine Runde durch die Stadt, die aufgrund der Länge und der Fülle an Erlebenswertem, nur ein erstes Rendezvous sein kann. Durch das ehemalige „Peterstor“ verlassen wir die Domburg, schleichen uns in der Kreuzstraße am Arbeitsgericht vorbei und erreichen die Heilig-Kreuz-Kirche und die Choralei. An Stelle der Heilig-Kreuz-Kirche stand zu Zeiten, als der Dombezirk noch nicht so stark befestigt war, nach einhelliger Meinung eine Toranlage, ein Vorwerk. Bischof Hezilo ließ diese Anlage im 11. Jahrhundert, nach Fertigstellung der Bernwardsmauer, in eine Kirche umbauen. Das große steinerne Gebäude rechts daneben, die Choralei, ist mit ihrem bis ins 11. Jahrhundert zurückreichenden Bestandteilen, der mit Abstand älteste Profanbau der Stadt. Ein schönes Ensemble, das uns den Weg in den Brühl, ehemals Vorderer und Mittlerer Brühl, weist. Diese Straßenzüge, die wir jetzt begehen, gehören zu den wenigen der Altstadt, die den Feuersturm des 22. März 1945, relativ unbeschadet überstanden.

Der ehemals Vordere Brühl, weist oberflächlich nur wenig historischen Baubestand auf. Einige Kleinigkeiten lassen sich mit etwas Gespür trotzdem entdecken, wie ein Hinweis auf den ersten Standort der vorhin erwähnten Rats-Apotheke oder ein Stück der Stadtmauer. An der Ecke zum ehemals Mittleren Brühl, wird es dann allerdings wieder hochspannend. Links vor uns die Seminarkirche, die mich daran erinnert, das eigentlich alle Kirchen Alt-Hildesheims, auf ihre Art wunderschön und irgendwie besonders sind. Ebenso fragt man sich, wie viele Klöster es einst in Hildesheim, viele davon in direkter Nähe zur Domburg, gegeben haben mag. Denn auch der Grund, auf dem früher das Priesterseminar seinen Platz hatte, von dem noch die Kirche zeugt, ist Klostergrund. Nicht durch den ehemals Mittleren Brühl zu gehen, ist eigentlich eine Schande, denn das ist einer der am schönsten erhaltene Straßenzüge Hildesheims und bietet ein hervorragendes Fotomotiv. Aber der Hintere Brühl steht dem eigentlich in nichts nach. Empfohlen sei für eine Einkehr, auf jeden Fall noch das wunderschöne „Gasthaus im Brühl„, mit seiner idyllischen Außenterasse. Wir wenden uns in die Neue Straße, die uns für Hildesheimer Verhältnisse, steil hinabführt. Rechts die gewaltige, um 1400 errichtete Pauluskirche des 1233 gegründeten Dominikanerklosters, in dem sich heute ein Altenpflegeheim der „Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Vinzenz von Paul in Hildesheim“ befindet. Die Kirche hatte nach der Säkularisation, eine „leidvolle“ Geschichte als Exerzierhaus, Kornspeicher, städtische Festhalle und 1945 als Außenlager des KZ Neuengamme, zur Beseitigung von Schäden durch Bombenangriffe.

Es geht links in den Hinteren Brühl, die (nicht nur) architektonisch vielleicht schönste, erhaltene Straße der Altstadt. Hier kann man wenigstens ansatzweise spüren, wie es gewesen sein muss, in einer noch mittelalterlich geprägten Stadt der Neuzeit, gelebt zu haben. Hier ist eigentlich alles sehenswert. Von den 22 Häusern der Straße, sind 14 Fachwerkhäuser, die „restlichen“ ebenso sehenswerte Steingebäude des 19. und 20. Jahrhunderts. Der Blick erweitert sich, wenn man weiter in die recht enge Straße hineingeht und am Ende des „Tunnels“, erscheint irgendwann St. Godehard. Aber bevor wir die Straße verlassen, bekommen wir letzten Endes, zwei außergewöhnliche Bauten zu sehen. Rechts endet der Hintere Brühl mit der ehemaligen Nikolaikapelle, die zusammen mit der Klosterkirche St. Godehard errichtet und 1146 geweiht wurde. Nach wechselvoller Geschichte, wurde die Pfarrkiche 1814 in ein Wohngebäude umgebaut. Nach der Zerstörung 1945, wurde dieses wieder aufgebaut und dient auch heute wieder als Wohnhaus. Auf der anderen Seite endet die Straße mit dem prächtig verzierten Wernerschen Haus, das bis zur Rekonstruktion des Knochenhauer Amtshauses 1989, den inoffiziellen Titel des schönsten, erhaltenen Fachwerkhauses Hildesheims trug. Es wurde 1606 vom bischöflichen Sekretär Philip Werner erbaut und besticht durch sein überaus reichhaltiges Schnitzwerk mit 29 Bildtafeln. Das in den 1970ern bereits umfangreich renovierte Haus, das damals eine der Umgebung angepasste, „helle“ Fassade hatte, wurde 2011 noch einmal renoviert, wobei die Fassade in den ürsprünglichen Zustand des 17. Jahrhunderts, zurückversetzt wurde.

Teil 6: Godehardsplatz – Kehrwieder – Neustädter Markt –  Keßlerstraße – Sedanallee

Wir treten hinaus auf den Godehardsplatz, der auch zu meinen (vielen) Lieblingsplätzen der Stadt gehört. Nahezu überwältigt wird er von der zwischen 1133 und 1172, zu Ehren des heilig gesprochenen Bischofs Godehard, erbauten und nahezu unveränderten und unzerstörten Basilika St. Godehard. Bis zur Säkularisation 1803, war sie Abteikirche eines Benediktinerklosters, entging danach dem Abriss nur knapp und wurde 1963, von Papst Paul VI., zur Basilica minor erhoben. Das sie diesen Titel zu Recht, als ein herausragendes Beispiel der Hochromanik trägt, beweist die Kirche im Äußeren wie im Inneren. Da sie abseits der „üblichen“ Touristenströme liegt, kann man hier normalerweise, die Ruhe und Abgeschiedenheit einer Klosterkirche in vollen Zügen genießen. Seit 2003 leben und wirken hier auch wieder einige Benediktinermönche der Jerusalemer Dormitio-Abtei. In den restlichen Gebäuden des ehemaligen Klosters, ist einerseits die „Norddeutsche Hochschule für Rechtspflege“ untergebracht, andererseits eine für den südöstlichen Teil Niedersachsens zuständige Abteilung der „Justizvollzugsanstalt für Frauen in Vechta“. Das empfand ich immer, wie schon erwähnt, etwas kurios. Aber es zeigt halt auch an, wie viele ehemalige Klosteranlagen es in der Stadt gibt. Erstaunlich, auch wie sehr diese phantastische Kirche ihr Antlitz wechselt, je nachdem, von welcher Seite man sie sieht. Vom „Schulhof“ der Rechtspfleger fast schlicht und gewöhnlich, von der Lucienvörder Straße aus, präsentiert sie ihre schlanken, hohen Türme. Aus dem Brühl zeigt sie ihre ganze „Breitseite“, aber erst vom Kehrwiederwall aus, erkennt man in vollem Maße, warum sie als Basilika bezeichnet wird.

In Richtung Krankenhaus, steht etwas versteckt unterhalb der ehemaligen Nikolaikapelle, das ehemalige Hospital Fünf Wunden. Noch darunter, am Mühlgraben, muss einst die Godehardi-Mühle gestanden haben. Im jetzt dort befindlichen Haus, ist ein Inschriftenstein der Mühle mit Hildesheimer Wappen eingefasst. Wir wenden uns zum Gelben Stern, Lappenberg und Keßlerstraße, am Ende der Wollenweberstraße. Erstere drei, allesamt weitegehend verschont von den Zerstörungen des Krieges und in der Neustadt gelegen, repräsentieren aufs Allerfeinste den Wandel der Zeit. Die Straße „Gelber Stern“ geht auf „Geiler Stert“ (Schwanz) zurück, was darauf schließen lässt, das hier „leichte Damen“ ihrem alten Gewerbe nachgingen. Am „Lappenberg“ war eine oder die Müllgrube der Stadt, die „Keßlerstraße“ hat den Namen von den Kesselflickern und die Wollenweberstraße, hieß im Mittelalter noch Bettlerstraße. Diese heute „Gute Stube“ am schönsten Rand der Stadt, war also dereinst ein eher ärmliches und verruchtes Viertel. Heute ist es aber eine Pracht und zahlreiche Bauwerke der Vergangenheit, schaffen ein besonderes Flair. Im Gelben Stern, der nichts mit dem Davidstern der Juden zu tun haben soll, steht auf der Ecke Brühl, der Nachbau des 1484 errichteten „Von Alten-Hospitals“. Im Innenhof des von der HAWK genutzten Komplexes, steht ein Fachwerkhaus aus dem 15. Jahrhundert. Schöne Häuschen prägen die Straße, unter anderem das Waffenschmiedehaus von 1548.

Ehre sei Gott in der Höhe - Die Religion ist das Opium des Volkes

Meine Altvorderen waren evangelisch und nicht sehr religiös, und so wurde auch ich nicht dazu „erzogen“. Als es mir möglich war, trat ich aus der Kirche aus und fand erst viel später, beim Wandern durch die Welt, zu meinem eigenen Verständnis einer eventuell existierenden, übergeordneten Macht. Egal woran man glaubt, denn glauben muss man, man sollte wohl eher nicht zum Fanatismus tendieren, weder in die eine, noch die andere Richtung. Das richtige Maß muss von jedem selbst gefunden werden. Den Mut, die Dinge zu ändern, die nicht zu ertragen sind, die Gelassenheit, die Dinge zu ertragen, die nicht zu ändern sind und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Was wären unsere Städte, Dörfer und Landschaften, ohne Kirchen, Klöster, Kapellen, Bildstöcke, Wegekreuze und vieles mehr? Wäre die Welt ohne Religion wirklich eine bessere oder eine schlechtere Welt? Haben wir vielleicht viel weniger Einfluss auf alles, was um uns herum und in uns geschieht, als wir es GLAUBEN oder glauben zu WISSEN? Aber was wäre unsere Gesellschaft, ohne die auch gerade in Hildesheim sehr rege wohltätigen Einrichtungen beider Konfessionen? Ich breche mal eine Lanze, keine Heilige, z.B. für den Guten Hirten in der Fahrenheit, die Bahnhofsmission am Hauptbahnhof, die Vinzenzpforte in der Neuen Straße, die vielfältig tätige Caritas am Pfaffenstieg, die Einrichtungen für Behinderte der Diakonie Himmelsthür und viele andere, die sich dafür engagieren, ihren Mitmenschen zu helfen, unabhängig einer konfessionellen Zugehörigkeit. Natürlich ist auch in diesen Einrichtungen nicht alles Gold, was glänzt. Aber der Mensch ist und bleibt halt immer „nur“ ein Mensch, sei er nun Bettler oder Bischof…

Rechts herum geht es auf den Platz der 1849 errichteten Synagoge am Lappenberg, der jüdischen Gemeinde Hildesheims, die während der Novemberprogrome 1938 zerstört wurde. Heute erinnert ein Mahnmal an diese Nacht und viele schreckliche Tage und Nächte, die ihr noch folgen sollten … für Hildesheim, aber vor allem für seine jüdischen „Nachbarn und Mitbürger“. Ein bitterer Nachgeschmack an einem der schönsten Plätze der Stadt, von dem aus man die schönen Straßenzüge überblicken kann. Am „Kehr in der Wehr“ lugt auch schon der Kehrwiederturm durch die niedrigen Häuser inmitten derer er steht. Der letzte erhaltene Turm der Stadtbefestigung ist natürlich, auch wegen seiner phantastischen Lage, eines der Wahrzeichen der Stadt. Diesen Ort kann und muss man genießen, im kleinen „Kafenion“ an der Ecke, kann man gemütlich einkehren. Für einen kurzen Abstecher zum Marktplatz der Neustadt, gehen wir ein paar Schritte durch die Wollenweberstraße, dann rechts in die Enge Straße, die uns zum Neustädter Markt führt. Hier stand einst mit der Neustädter Schenke, wohl eines der imposantesten Fachwerkhäuser Hildesheims. Heute erinnert auf dem Platz selbst, lediglich der seit 1913 hier „ansässige“ Katzenbrunnen, der Legende von den „Katzen als Hexen“ nachempfunden, an alte Zeiten. Im Krieg eingeschmolzen, wurde er 1976 vom Rotary-Club Hildesheim, neu errichtet.

Natürlich ist es die Lambertikirche, die das Ensemble um den Markt beherrscht. An Stelle einer wohl spätestens Anfang des 13. Jahrhunderts errichteten Kirche, wurde von 1474-ca.1500, ein Neubau fertiggestellt, der heute noch das schöne Bild der Neustadt prägt. Im Jahr 2007, bekam die einzige Hallenkirche Hildesheims, deren Südflügel zur Mahnung immer noch in Ruinen liegt, endlich eine neue Haube „aufs Dach“. Durch die wunderbar erhaltene Knollenstraße, geht es jetzt in die Keßlerstraße, den letzten weitestgehend historisch erhaltenen Straßenzug des Tages. Herrliche Häuser verschiedener Epochen, die Geschichten erzählen können, Geschichte schrieben, liebevoll restauriert wurden, gepflegt werden. Im Mittelalter eher eine ärmliche Gegend am Rande der Stadt, wird es heute nicht preiswert und leicht sein, eines der Häuser zu erwerben. Harausragend präsentieren sich die beiden Bauwerke, deren Rückseite wir am Anfang sahen. Zuerst die wunderschöne, auf einem ummauerten Hof „verborgene“, ehemalige Dompropstei, die seit 1947 der Sitz einer Freimaurerloge ist, dann die ebenso prächtige, ehemalige Großvogtei. Damit verlassen wir die „alte“ Neustadt und gehen durch die Annen- und Goschenstraße, in die „zweispurige“ Sedanstraße, in deren Mitte die Sedanallee verläuft. Ein parkähnliches Gelände, mit zahlreichen alten Ahornblättrigen Platanen, dort wo früher der östliche Mauergraben der Neustadt verlief. Ein paar Meter noch auf dem Weg durch einen der beliebten „Tummelplätze“ der Hildesheimer und eine zentrale Radroute der Stadt, dann schleppen wir uns durch die Boysenstraße, zurück zum Ostbahnhof Hildesheim…

The End: My Hildesheim is my castle…

Geboren im Bernwards-Krankenhaus in Hildesheim, verbrachte ich meine Kindheit und Jugend und mehr, im „weit entfernten“ Giesen am Kalimandscharo. Hildesheim war die „Große Stadt“, das große Einkaufszentrum, war helle Lichter zu Weihnachten, war die Kepa, die Kaufhalle und Woolworth, war die Hähnchenbräterei und das Fischbecken im Kellergeschoss von Horten. Später ging ich hier zur Friedrich-List, machte am Kehrwiederturm meine Ausbildung, arbeitete auf der Höhe, lernte dort das Licht meines Lebens kennen, arbeitete unterhalb des Andi und … interessierte mich kaum bis gar nicht für Hildesheim und seine Historie. Eines Tages ging ich an einem warmen Sommertag, mitten über den recht leeren Marktplatz und … ich habe mit Esoterik nur sehr wenig am Hut … es kam ein leichter Wind auf, der sanft über mich hinwegstrich. Was jetzt Dichtung, Wahrheit oder Phantasie ist, mag ich nicht sagen … ich verliebte mich in diese Stadt … ich SAH auf einmal den Marktplatz, sah ihn mit anderen Augen, setzte mich auf die Bank vorm Rathaus, saß dort lange Minuten, betrachtete die Schönheit … und bin seitdem Hildesheimer, wohin es mich im Leben auch noch treiben wird. Meiner Freundin habe ich damals wider besserer Erklärung erzählt, das ich das Gefühl hatte, etwas wie das „Wesen“ der Stadt habe mich berührt. Ein Wesen, das heute vielleicht nicht mehr überall ist in einer Stadt, deren Bürger sich nicht mehr so als Hildesheimer fühlen, wie es dereinst war. Aber es ist noch da, streift durch die Gassen und Straßen, auf der Suche nach Menschen, die sich interessieren sollen, die sich verpflichtet fühlen sollen, die lieben sollen…

Boah! Diesen Beitrag könnte man fast als Stress bezeichnen. Als vor Jahren das Wandern zum Zentrum unserer „Freizeitgestaltung“ wurde, mehr zur „Lebensaufgabe“, ließ ich schweren Herzens, die Beschäftigung mit meiner Geburtsstadt und Wahlheimat Hildesheim, sehr schleifen. Zahlreiche Bücher, Postkarten und vieles mehr, wurde von mir kurzerhand in der e-Bucht versetzt. Ich dachte mir, das die Sachen, bevor sie in meinem Regal verstauben, in anderen Händen sinnvoller aufgehoben wären. Jetzt wollte ich auf der durch Dummheit erzwungenen, „neuen“ Site, als ersten Beitrag der Kategorie KOSTBAR, natürlich einen über Hildesheim machen. Ich stellte fest, das ich kaum noch verwertbare Fotos der Stadt hatte. Zu wenig Megapixel, noch weniger Ahnung vom Fotografieren als heute, überhaupt kein Auge, keine Geduld … und Schludrigkeit beim Archivieren. Also „musste“ ich los, die Stadt erkunden, der ich so schmählich den Rücken zugekehrt hatte. Was soll ich sagen? Sie empfing mich, nahm mich auf, war gastfreundlich, strahlte mich herzlich an, und ich verliebte mich aufs Neue in die Schönheit an der Innerste. Eine Tour, die mit 5-6 Kilometern begann, wurde mehrfach verändert und erweiterte sich auf 12 Kilometer … und trotzdem blieb noch vieles außen vor, das Hildesheim so lebens- und liebenswert macht. Das neue „Jahrhundert-Hochwasser“ kam nicht nur mir dazwischen … aber jetzt ist es geschafft … und auch wieder nicht. Zu wenige Fotos, zu vieles niemals gewusst, vergessen oder nur halbwahr wiedergegeben. Dieser Beitrag ist nur ein persönlicher und naturgemäß unvollständiger Vorschlag, für einen langen Gang durch Vergangenheit und Gegenwart, durch „das Innerste“ der 1200-jährigen Bischofsstadt…

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Hildesheim - Stadtwanderung

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Start/Ziel Ostbahnhof: 52.146038, 9.962829
P&R am Ostbahnhof: 52.146345, 9.963425
Parkbuchten in der Renatastraße: 52.144962, 9.957283
Parkplätze am Weinberg: 52.144524, 9.951527
Parkplatz am Hohnsensee: 52.137716, 9.954118
Ahornblättrige Platanen in der Sedanallee: 52.146506, 9.959707
Die Großvogtei (1662): 52.145844, 9.956639
Der Dompropsteihof / Die Loge (1543-1663): 52.145890, 9.955764
Der Kehrwiederturm (spätestens 1456): 52.146150, 9.952299
Mahnmal \'Hildesheimer Synagoge\': 52.145999, 9.951628
HAWK-Campus Weinberg (ehem. Städt. Krankenhaus): 52.144458, 9.954622
Die Villa Dyes (1881) und das \'Schweizerhaus\': 52.142977, 9.951457
Das Gärtnerhaus (vor 1850): 52.143747, 9.950137
Der Ernst-Ehrlicher-Park: 52.143026, 9.949767
Die Freiflut: 52.141137, 9.950894
Schattige Bänke: 52.141308, 9.950556
Basilika St. Godehard (1133-72), Basilica minor seit 1963 : 52.145288, 9.949971
JVA Frauen Hildesheim (ehem. Godehardikloster): 52.144659, 9.948745
Das Wernersche Haus (1606): 52.146088, 9.949354
Das Gasthaus im Brühl: 52.146894, 9.950110
Die Seminarkirche im Priesterseminar (1772), ehem. Kapuzinerkloster: 52.147082, 9.950598
St. Paulus Pflegeheim (ca. 1400), ehem. Dominikanerkloster : 52.147619, 9.949617
St. Bernwards-Krankenhaus (Gelände der ehem. Kartause von 1659): 52.147052, 9.947487
Der Hildesheimer Dom (UNESCO-Welterbe 1985): 52.148975, 9.946983
Hildesheimer \'Regierung\' (1887-89): 52.149715, 9.948040
Schlegels Weinstuben (1540): 52.148978, 9.943689
Das Paulustor : 52.149528, 9.945288
Die Stinekenpforte: 52.147977, 9.947659
Die Bernwardsmauer (ca. 1000): 52.148106, 9.946237
Das Roemer- und Pelizaeus-Museum: 52.149297, 9.944150
Das \'Schwanenhäuschen\': 52.144360, 9.947809
Cafe \'Viva\': 52.144162, 9.947643
Die Johannisbrücke : 52.148517, 9.941018
Der Johannisfriedhof: 52.148027, 9.939816
Hildesheimer Kanustrecke: 52.149765, 9.940846
Restaurant \'Die Insel\': 52.150120, 9.940825
Kulturverein \'Bischofsmühle\': 52.150018, 9.940326
St. Magdalenen (1294), ehem. Magdalenerinnenkloster: 52.150759, 9.941388
Der Kalenberger Graben: 52.146858, 9.944569
Der Seniorengraben / Schneidlerscher Graben: 52.153385, 9.939505
Aussichtspunkt \'Alte Bastion\': 52.153879, 9.940288
Alter Baumbestand: 52.154083, 9.939009
Der Magdalenengarten: 52.152586, 9.941184
St. Michael (1022), ehem. Benediktinerkloster, UNESCO-Welterbe 1985 : 52.152836, 9.943335
Weinberg im Magdalenengarten: 52.153431, 9.940878
Mittelalterliche Stadtmauer: 52.152796, 9.940540
Das \'Schwungseil\': 52.154327, 9.944966
Der Liebesgrund: 52.154518, 9.940674
Die drei Eulen (1973): 52.154467, 9.947104
Denkmal \'Rainald von Dassel\': 52.148552, 9.941377
Der schneidlersche Reiher: 52.153840, 9.939443
St. Jakobi (1503-14): 52.153573, 9.951189
Stadtcafe \'Beste\': 52.154564, 9.951639
Antik-Cafe \'Beste\': 52.153372, 9.951130
Hildesheimer Rathaus : 52.152724, 9.952283
Knochenhauer Amtshaus (1529/1989) und Bäckeramtshaus: 52.152819, 9.951194
Das Tempelhaus (1350/1952): 52.152487, 9.951800
Wedekindhaus (1598/1986), Lüntzelhaus (1755/1986) und Rolandstift: 52.152542, 9.951430
Der \'Umgestülpte Zuckerhut\' (1510/2010): 52.152217, 9.949944
St. Andreas (ab 1389): 52.151573, 9.949982
Der Hildesheimer Huckup: 52.150999, 9.950818
Fassade des \'Kaiserhauses\' : 52.151461, 9.946988
Didrik-Pining-Denkmal: 52.151401, 9.947600
Haus in der Mühlenstraße: 52.150013, 9.942378
St. Martini (ab 13. Jht.), ehemaliges Franziskanerkloster: 52.148998, 9.944655
Cafe \'Kafenion\': 52.146489, 9.952358
Straßenzug \'Keßlerstraße/Knollenstraße\': 52.146414, 9.953892
Viertel \'Gelber Stern/Lappenberg\': 52.146325, 9.951795
St. Lamberti (1488): 52.147411, 9.954681
Das Neue Tor (\'Nadelöhr\') von 1511: 52.145118, 9.951449
Kleiner Park an der Venedig: 52.145364, 9.942418
Freibad Jo(hannis)-Wiese: 52.142345, 9.945416
Bänke: 52.145245, 9.942230
Bänke: 52.146019, 9.940900
Johanniswehr und Kraftwerk: 52.147161, 9.939993
Der Katzenbrunnen: 52.148076, 9.954461

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Juli 21st, 2017|0 Comments

Von | 2017-08-14T17:20:40+00:00 Juli 21st, 2017|Kategorien: Kostbar, Sonderbar|Tags: |0 Kommentare