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NSG „Mastberg und Innersteaue“:

Das NSG „Mastberg und Innersteaue“ ist zwar wie einige seiner „Kollegen“ im Naturerlebnisgebiet „Kleeblatt“ eher klein, bietet aber ebenso viel Abwechslung. Dazu gehören ein ehemaliger Hutewald mit einer großen Anzahl an Schneitel-Hainbuchen am Waldrand, ein Abschnitt der Innerste und jenseits des Flusses eine feuchte Niederung mit Altarmresten…

Mastberg mit hohem Eichenanteil und einem erstaunlichen Schneitelhainbuchen-Bestand, Innersteniederung mit Altarmen und Auenwaldresten… 

Parken kann man sehr gut an der ehemaligen Panzerwaschanlage in der Straße Mastberg…

Vom Hauptbahnhof fährt die Linie 1 nach Himmelsthür. Am „Linnenkamp“ oder am „Güldenen Winkel“ aussteigen und dann durch die Markgrafstraße. Hinter dem Pfad über den Acker, geht es rechts entlang ins Naturschutzgebiet…

Innerste am Mastberg

Innerste am Mastberg

Das Naturschutzgebiet „Mastberg und Innersteaue“ liegt am Rand der Giesener Berge,  die sich ja entgegen der landläufigen Meinung, bis hart an den Hildesheimer Wald erstrecken. Nimmt man es jetzt wie ich beispielsweise, mal nicht allzu genau mit den offiziellen naturräumlichen Einteilungen, gibt es insgesamt erstaunliche sechs Naturschutzgebiete auf dem Gebiet des Höhenzuges von Giesen bis zum Hildesheimer Ortsteil Hildesheimer Wald. Der verbleibende Rest steht ebenfalls unter Landschaftsschutz und/oder ist Bestandteil anderer Naturschutzverordnungen (FFH/Vogelschutz etc.). Die einzelnen Gebiete sind…

Das ist durchaus beeindruckend und es ist auf jeden Fall ein echtes Erlebnis. Denn alle sechs Schutzgebiete sind sehr unterschiedlich, wenngleich die meisten von ihnen mehr oder weniger im Zusammenhang mit einer ehemaligen Hutewirtschaft stehen. Der teils bewaldete Höhenzug des NSG „Mastberg und Innersteaue“, bietet neben Weide-Grünlandflächen und Hutewald, aber auch noch einen schönen Abschnitt an der Innerste. Alle vier Schutzgebiete nördlich der Bundesstraße 1 hat die Stadt Hildesheim so treffend als Naturerlebnisgebiet „Kleeblatt“ zusammengefasst. Für tiefergehende Informationen empfehle ich die umfangreiche und fast 40-seitige, online verfügbare Broschüre der Stadt Hildesheim. Mit etwas Glück bekommt man sie auch in gedruckter Form bei der Stadt Hildesheim, bei der Tourist-info oder am Info-Pavillon an der Innerste, am Übergang zwischen den NSG´s „Mastberg und Innersteaue“ und „Haseder Busch“.

Im NSG

Im NSG „Mastberg und Innersteaue“

Meine erste Begegnung mit dem Mastberg ereignete sich wohl während meiner Zeit bei Y-Tours, als wir aus dem Wald Verletzte bergen mussten, um sie dann auf der Wiese, die ja eigentlich schon zum nächsten Naturschutzgebiet gehört, in einen Hubschrauber zu verladen. Ich staunte nicht schlecht, als der Hauptfeld auf einmal „Alle Mann einsteigen“ rief und sich in den „Huey“ schwang. Da blieb keine Zeit, um dem direkten Vorgesetzten zu erklären, das man noch nie geflogen war und schon auf einem Küchenstuhl zu Schwindelattacken neigte. Letzten Endes machten wir einen tollen Ausritt nach Hannover und zurück und ich erinnere mich gerne an das Erlebnis. Ansonsten blieb der Mastberg für mich lange Jahre, so wie für viele andere auch, der Wald zwischen den beiden Radweg-Alternativen nach Giesen. Allzu viele Wege gibt es in dem recht überschaubaren Waldstück auch nicht. Die wenigen die es gibt, haben aber allesamt einen überaus wanderbaren Charakter. Für Interessierte ist auf der Karte weiter unten ein kleiner, nur 3km langer Rundweg durch das Naturschutzgebiet eingezeichnet und ein GPX-Track steht zum Download. Der auf einigen Karten noch verzeichnete Weg am Fuß des Mastberges, parallel zur Innerste, ist definitiv nicht mehr begehbar. Aber auch der Pfad, der sich durch den Wald zieht, ist an einigen Stellen nicht mehr leicht im Gelände erkennbar.

Das Naturschutzgebiet teilt sich grob in zwei Bereiche. Der westliche Teil ist der auf dem Mastberg befindliche Wald. Es handelt sich hierbei um einen Eichen-Hainbuchen-Mischwald, der aus einer ehemaligen Nutzung als Mittelwald und Hutewald hervorgegangen ist. Am westlichen Waldrand befindet sich eine große Anzahl an Schneitel-Hainbuchen, die noch davon zeugen. Am östlichen Waldrand, zur Innerste hin, steht ein recht naturnaher Auwald mit einem hohen Anteil an Totholz an. Der östliche Teil umfasst einen Abschnitt der Innerste und jenseits der Innerste eine Flussaue, deren Grünlandflächen seit jeher extensiv als Feuchtwiesen genutzt wurden. Dieser schmale Teil des Naturschutzgebietes, der geprägt wird durch Flutrasen-, Hochstauden-, Seggen,- und Röhricht-Gesellschaften und die Reste eines Altarms der Innerste, darf nicht betreten werden. Konzentrieren wir uns also auf den durchaus betretbaren Wald des gerade mal 25m über den Fluss aufragenden Mastberges. Als Mittelwald mit Eichen wurde er früher zur Gewinnung von Brenn- und Bauholz genutzt, aber auch als natürlicher „Maststall“ für das liebe Vieh, das sich an den leckeren Eicheln sattfressen konnte, um letztendlich dem Menschen als delikater Schinken zu dienen. Da ist der Name Mastberg wirklich Programm. Der Wald wird von Fledermäusen, Hornissen, Insekten aller Art und etlichen Vogelarten bewohnt. Mit Buntspecht, Schwarzspecht, Grünspecht, Grauspecht, Mittel- und Kleinspecht, konnten sechs Spechtarten nachgewiesen werden. Mit Uhu, Steinkauz, Waldkauz, Schleiereule, Waldohr- und Sumpfohreule, sind es auch sechs Eulenarten, die sich hier heimisch fühlen. Im Frühjahr ist der Waldboden von zahlreichen Frühblühern, wie dem Buschwindröschen, dem Lerchensporn und dem Gelben Windröschen überzogen. Die hier ebenfalls heimische und später blühende Türkenbundlilie konnten wir leider noch nicht entdecken.

Schneitel-Hainbuchen am Mastberg

Schneitel-Hainbuchen am Mastberg

Am westlichen Waldrand befindet sich das oberflächlich gesehen eindrucksvollste Relikt der ehemaligen Waldwirtschaft, der Schneitel-Hainbuchen-Bestand. Diese prächtigen Bäume wurden im Laufe der Jahre, Jahrzehnte und Jahrhunderte alle paar Jahre geschneitelt, damit sie immer wieder und immer reichlicher aus den Schnittstellen austrieben. Die entnommenen Zweige und Äste mitsamt ihren Blättern wurden dann vielfältig weiterverwertet. Die getrockneten Blätter des härtesten und schwersten einheimischen Baumes, dienten dem Vieh im Winter als Einstreu, die Zweige wurden nicht nur als Brennholz verwendet, sondern auch zur Herstellung der für die Seifenproduktion notwendigen Pottasche. Die Nutzung als Bauholz war und ist relativ gering, trotz und gerade wegen des harten Holzes, das sogar das der Eiche übertrifft. Gerne wurden Hainbuchen in früheren Zeiten für Heckenanlagen zur Verteidigung verwendet und ganze Landwehren bestanden aus dem zähen Holz. Da ist es wohl nicht verwunderlich, das der Baum auch heute noch in vielen Hecken, die teilweise ja auch „verteidigungstechnischen“ Zwecken dienen, eine moderne Verwendung findet.

Die in mehreren Reihen angeordneten Bäume sind zu jeder Jahreszeit und in jedem Zustand sehenswert. Vielleicht neben der historischen Lindenallee in Heinde das eindrucksvollste Kulturgut seiner Art im Kreis. Alles in allem ist also auch dieser Teil des Kleeblatts (nicht nur) bei näherer Betrachtung phantastisch. Hier liegt die Schönheit nicht so offen zu Tage, ist nicht so offensichtlich wie bei den „Großsehenswürdigkeiten“ unserer Heimat. Im Inneren, im Verborgenen, das sich erst offenbart, wenn man sich einen Blick auch auf die vielen kleinen Schönheiten der Schöpfung gestattet, offenbart sich dennoch eine endlose Fülle an Erlebnissen, die zumindest unserem Dasein immer wieder ein wenig mehr Sinn zu geben scheinen…

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Karte der Kostbarkeit

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NSG 'Mastberg und Innersteaue'

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NSG \'Mastberg und Innersteaue\': 52.176300, 9.920139
Parkplatz an der ehemaligen Waschanlage: 52.172208, 9.917682
Haus Jungborn der Diakonie Himmelsthür: 52.172823, 9.919694
Info-Pavillon Naturerlebnisgebiet \'Kleeblatt\': 52.180631, 9.918600
Holzbrücke über die Innerste: 52.180698, 9.919201
Die Schneitel-Hainbuchen am Mastberg: 52.176188, 9.917736
Radweg an der Panzerstraße: 52.175603, 9.915740
Radweg an der Innerste: 52.178425, 9.920171
Die Innerste: 52.175537, 9.921470
Altarm der Innerste: 52.180274, 9.922521
Ehem. Wasserburg Steuerwald: 52.169141, 9.927564

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2018-06-22T23:29:07+00:00