„Er erreichte die Steckdose mit Mühe und Not … in seinen Händen das Smartphone war tot“ – Erlkönig reloaded

Das hätte ich mir vor 10 Jahren nicht träumen lassen, das ein Handy/Smartphone (fast) das Telefon, (fast) den Briefverkehr, den MP3-Player, die Wanderkarte, ein GPS-Gerät und das Navi für´s Auto ersetzen würde. Vor 2 Monaten noch hätte ich laut gelacht, wenn mir jemand erzählt hätte, das so ein Teil meine Digitalkamera ersetzen könnte. Jetzt ist es wohl geschehen.

Meine Maus und ich hatten uns lange vor den Smartphones gesträubt. Vor 8 Jahren gab es das erste, das aus heutiger Sicht gar kein richtiges war und trotzdem damals schon über 100€ kostete. Es ersetzte den MP3-Player. Vor knapp 3 Jahren stiegen wir dann von diesem Gerät mit 2,8 Zoll Display um auf „Chinahandys“ mit 5-6 Zoll. Doogee/HomTom, Leagoo und Blackview hießen die exotischen Hersteller aus China und wir kamen dank Pre-Sales immer zwischen 40-65€ Kaufpreis davon. Sie ersetzten nach und nach die Wanderkarten und ein GPS-Gerät. Ein solches hatten wir uns allerdings wegen des Geizes und wegen der altbackenen Optik nie gekauft. Die Smarties waren für den niedrigen Preis wirklich nette Geräte mit einer Hardware, für die man hierzulande und/oder bei namhaften Herstellern durchschnittlich das Doppelte bezahlt hätte. Funktioniert haben sie alle gut und haben auch beim Wandern zufriedenstellende Dienste geleistet.

Jetzt war der Karpatenporsche bestellt, nach 4 Monaten war er dann auch endlich da und das Kfz-Navi von Navigon war tot. Also musste ein Smartphone als Kfz-Navi her. Nach langer Recherche entschieden wir uns für das Doogee Y8, von dem ich dann zwei Geräte für 130€ günstig beim Chinesen des gesunden Misstrauens abgraben konnte. 6,1 Zoll mit Waterdrop Notch, 3GB RAM und Android 9 … ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Mit dem Thema Smartphone-Kamera habe ich mich dann auch ein wenig beschäftigt. Die Meinung der Nutzer von Digitalkameras war, das wenn überhaupt, nur die Flagships der namhaften Hersteller Kameras haben, die gerade mal eben an eine kompakte Digitalkamera heranreichen. Angefixt durch einen Kollegen, der ein Xiaomi Redmi 5 Pro hat, habe ich mir mal ein paar Tests der für unsere bisherigen Verhältnisse eigentlich zu „teuren“ Smarties von Xiaomi angesehen. Der Test zum aktuellen Redmi 7 … mittlerweile wohl aus mehr oder weniger nachvollziehbaren, verkaufstechnischen Gründen eine abgesplittete Tochter von Xiaomi … hat mich dann neugierig werden lassen.

Auf Chinahandys.net war dann im Fazit zum Redmi 7 zu lesen, das die große Schwester, der große Bruder, das Redmi Note 7, für ein wenig mehr noch wesentlich mehr zu bieten hat. Vom „König der Mittelklasse“ war die Rede und auch andere Tester, deren Reviews ich danach sah/las, waren rundweg begeistert vom Smartphone mit dem bislang besten Preis-Leistung-Verhältnis. Als ich die Testbilder sah, konnte ich nicht glauben, das man mit einem Smartie dieser Preisklasse, das man eher noch der unteren Mittelklasse zuordnen kann, wirklich solche Bilder erzeugen kann. Die Neugier überstimmte den schwer erarbeiteten Geiz der letzten Jahre und da ich das Doogee ja noch ganz günstig in der Bucht verticken konnte, war die Entscheidung zum ultimativen Test gefallen. 149€ im Pre-Sale beim für mich mittlerweile zum „Lieblings-Chinesen“ erkorenen Banggood … zack. Jetzt habe ich das Teil ca. 4 Wochen in Gebrauch und muss sagen, das ich abgesehen von der auf Android aufgesetzten Benutzeroberfläche MIUI uneingeschränkt begeistert bin. MIUI hat allerdings trotz der Gewöhnungsbedürftigkeit und einiger kleiner Macken den Vorteil, das man noch eine ganze Weile System-Updates erhält und das es in vielen Punkten auch besser bzw. komfortabler als das reine Android ist. Updates für Android sind in der Preisklasse dann auch eher selten zu finden. Die Eckdaten selbst der günstigsten Global Version des Redmi (inkl. deutsche Sprache und Google Play Store), die ich mir geholt habe, sind für den Preis schon beeindruckend:

  • Corning Gorilla Glass 5 auf Vorder- und Rückseite
  • 6,3 Zoll IPS FHD+ Display (Verhältnis 19,5 :9) mit 2340 x 1080 Pixel (409ppi) und Waterdrop Notch
  • 3 GB RAM und 32 GB ROM und 4000 mAh Akku
  • Snapdragon 660 CPU mit bis zu 2,2 GHz und Adreno 512 GPU
  • MIUI 10+ auf Android 9 aufgesetzt
  • Fingerabdruck-Sensor, Gesichtserkennung, USB-C Anschluss und 3,5mm Klinke, Widefine L1, alle in Europa nötigen Bänder, Quick Charge 4, Bluetooth 5, GPS (GPS, A-GPS, GLONASS, Beidou), Benachrichtigungs-LED, Gyroskop, Kompass, Infrarot, FM Radio

Nicht übel, Herr Dübel. Aber der Kauf erfolgte wegen der Kameras und die können sich auf dem Papier mehr als nur sehen lassen…

  • Back-Cam 1: 48MP Samsung Isocell S5GM1 mit f/1.8
  • Back-Cam 2: 5MP Samsung S5k5e8 mit f/2.4
  • Front-Cam: 13MP Omnivision OV 13855 mit f/2.0

Bislang habe ich von Kompaktkameras bis Spiegelreflex alles durch, aktuell eine Systemkamera von Samsung, die damals original knapp 500€ kosten sollte und die wir mit Rabatten für 350€ erstanden haben. Da wir beide immer zu faul waren, uns mit der Technik der Kamera und den Techniken des Fotografierens zu beschäftigen, haben wir weitestgehend im Automatik- oder im P-Modus geknipst. Da waren die teils teuren Kameras, mal ganz nüchtern und selbst-bewusst betrachtet, eigentlich nicht viel mehr als Perlen vor die Säue. Denn hauptsächlich nutze ich die Fotos für die Website und sehe sie mir am PC-Monitor und selten am TV an. Da braucht man keine Bilder, die man als Wandbehang ausdrucken kann.

Der 48MP-Modus des Redmi Note 7 ist eher ein Gimmick und die Front-Cam brauche ich eigentlich nicht und habe sie nicht mal getestet. Was die Hauptkameras allerdings mit dem auch im Test bei Chinahandys erwähnten Google Camera Mod (GCam) zu leisten im Stande sind, ist beeindruckend für ein Gerät, das man in der günstigsten Variante neu ab ca. 150€ bekommt … und das „nebenbei“ noch telefonieren und mehr kann. An Mods gibt es eine recht große Auswahl, googelt mal z.B. nach „Redmi Note 7 GCam“. Ich habe jede Menge, gerade die einschlägigen Empfehlungen getestet und nutze momentan den aktuellen Mod von Boxer198615, der meiner Ansicht nach, trotz einiger Macken und Abstürze, die ganzheitlich schärfsten Bilder liefert. Die Bilder der Wanderung bei Oderbrück und damit natürlich auch das Titelbild dieses Beitrags, sind erstmals allesamt mit dem Redmi geschossen.

Das ist weit entfernt von Perfektion und vielleicht nicht mal für ambitionierte Amateure ausreichend, aber für unsere Verwendungszwecke halt mehr als nur ausreichend. Beeindruckend z.B., das ich mit der Kamera kaum einen Farbstich habe, was mit Digi-Cams … natürlich in Verbindung mit der oben bereits erwähnten Faulheit und Unwissenheit … immer eines der größten Probleme war. Da ich mit dem Mod nur im HDR-Modus fotografieren … äh knipsen kann, sind die Bilder sehr farbgesättigt und schattenreich. Da muss ich dann doch nochmal etwas tiefer in die gar nicht mal wenigen Einstellungsmöglichkeiten der GCam hineinschnuppern. Gerade für die Makro-Fotografie werde ich mich auch nochmal nach einem günstigen Aufsatz umsehen. Mehr oder weniger taugliche Komplettsets mit Stativ bekommt man ja schon ab 20€ aufwärts. Das Fazit: Die Zeit der großen Kameras ist zumindest für uns wohl vorbei und ich bin gespannt, was in den nächsten Jahren mit Smartphone-Kameras noch alles möglich wird. Auf die in der preislich unteren Mittelklasse, leistungsmäßig weiter oben angesiedelten, kommenden Smarties von Redmi (Xiaomi) bin ich als Preis-Leistungs-Verhältnis-Fanatiker am meisten gespannt…

P.S.: Ich ziehe keinen kommerziellen Nutzen aus dem Beitrag, sondern gebe nur meine persönliche Erfahrung wieder.

P.P.S.: Gerade jetzt (08.06.19) gibt es das „große“ Redmi Note 7 mit 4GB RAM und 128GB ROM in der Global Version für schlappe 178€ bei Banggood. Code: BG6RN74

Tests des Redmi Note 7 auf deutsch z.B. hier:

„Den verschwommenen Rand um das Smartphone nennt man übrigens Leben.“

Verwandte Beiträge