Bodenwerder – Heyen – Linse – Bodenwerder:

Vom Parkplatz an der Weser geht es auf dem Weserradweg vorbei am NSG „Weserniederung am Heiligenberg“, dann hinauf zum Hopfenberg und hinüber zum Heiligenberg mit seiner Kapellenruine und dem Burgwall. Dann geht es über den Kruckberg, hinunter nach Linse, wieder hinauf zum Bismarckturm auf dem Eckberg und von dort durch ein ehemaliges Steinbruchgebiet zurück zum Ausgangspunkt…

  • Ende April 2020
  • Ende Mai 2015
  • Ende April 2014

Ungefähr 350 Höhenmeter Aufstiege und ebenso viele Abstiege. Kurz und knackig hinauf zum Hopfenberg, ansonsten eher ein munteres Auf und Ab. Der Weser-Radweg am Anfang ist asphaltiert, bei Linse sind es ebenfalls ein paar hundert Meter, ansonsten geht man weitestgehend auf schmalen Wegen und Pfaden…

NSG „Weserniederung am Heiligenberg“, Heiligenberg mit Kapellenruine und Burgwall, Bismarckturm mit Aussicht ins Wesertal, Landschaft mit botanischen Raritäten… 

Keine Einkehrmöglichkeiten am Wanderweg…

Ziemlich alternativloser Parkplatz am Weserufer an der K10…

Bodenwerder (Parkplatz an der K10) – Weser-Radweg – NSG „Weserniederung am Heiligenberg“ – Hopfenberg – Heiligenberg – Kapellenruine – Burgwall – Kruckberg – Linse – Bismarckturm – Eckberg – Bodenwerder (Parkplatz an der K10)

Die Weseraue am Start

Die Weseraue am Start

Wenn wir überhaupt behaupten können, irgendwelche „Geheimtipps“ parat zu haben, dann ist die Gegend zwischen Heyen und Linse auf jeden Fall einer der heißesten Anwärter. Mittlerweile waren wir jetzt das dritte Mal hier und haben, nachdem wir jedes Mal etwas anders gegangen sind, fast den für uns optimalen Weg gefunden. Für das nächste Mal ist nur eine kleine Veränderung im Bereich des Kruckberges geplant, die ich auf der unten angeklebten Karte als Alternativroute markiert habe. Die Wanderung würde sich damit um ca. einen Kilometer verlängern, dafür aber auch noch einige weitere Erlebnisse bieten. Da wir etwas muckliges Wetter gegen Ende bekamen und es auch genau in dem Moment, als wir ins Auto stiegen, zu regnen anfing, war die Entscheidung nicht die schlechteste, diesen Teil dieses Mal noch wegzulassen. Die Überschrift „Bodenwerder – Heyen…“ ist mal wieder etwas missverständlich, aber wie schon im letzten Beitrag erwähnt, nehme ich als Beginn abseits von Orten in der Regel den nächstgelegenen Ort als Start und Zielort. Heyen erreichen wir auf dieser Tour eigentlich auch überhaupt nicht, wir sehen den Ort nicht einmal, aber ich bin jetzt einfach mal zu faul, das noch zu ändern.

Diese kleinen, etwas abseitig gelegenen Wandergegenden sind uns irgendwie immer die Liebsten. Es gibt zwar überall kleine Rundwege und auch den Weserberglandweg erwandern wir streckenweise, aber die gesamte Route des Tages umfasst mehr, als die einzelnen Wege hergeben. Das ist eine liebliche, abwechslungsreiche Landschaft, eine Strecke an der Weser, schöne und stille Wälder, schmale Pfade, zur rechten Zeit etliche botanische Erlebnisse, ein wenig Kulturhistorie und noch mehr auf einem recht kurzen Weg, der sich unserer Meinung nach kaum noch sinnvoll verlängern ließe. Das Weserbergland hat viele wanderbare Erlebnisse zu bieten und es gibt garantiert viele mehr begangene Wege zwischen Hannoversch Münden und der Porta Westfalica. Etliche dieser „Standardrouten“ kennen und lieben wir auch und werden hoffentlich noch viele von ihnen ein oder mehrmals wiederholen können. Diese Runde bei Bodenwerder gehört für mich wegen der Vielfalt der Erlebnisse trotzdem zu den schönsten Routen im Bergland der Weser.

Los geht es auf dem Parkplatz in Ufernähe zur Weser. Ein recht optimaler Start, da man erstmal flach die Muskeln aufwärmen kann, das Pflaster laufen am Anfang hat und danach weitestgehend auf naturbelassenen Wegen geht. Allzu spät sollte man nicht hier erscheinen, da es, selbst wenn alle versuchen, möglichst optimal zu parken, nur eine Handvoll Plätze zur Verfügung stehen. Bei unserem Besuch waren schon einige Leute mit Hund oder Kind unterwegs und mit Wasserkanistern, um sich an einer der Quellen am Hang zu bedienen.

An der Weser grünem Strande

An der Weser grünem Strande

Der rechts gelegene Heiligenberg ist, wie eine Infotafel berichtet, ein besonderer Berg, der als Refugium seltener Tiere und Pflanzen dient und geologisch bedingte Besonderheiten aufweist. Nach wenigen hundert Metern erreichen wir auf dem asphaltierten Weg durch einen schönen Wald, bereits das NSG „Weserniederung am Heiligenberg“. Dieses beinhaltet auch die naturnahen Bachläufe, Quellbereiche und Kalktuffquellen des Heiligenberges, von denen wir vom Weg aus einige Eindrücke erhalten. Da spürt man den harten Belag gar nicht wirklich, sondern ist mehr damit beschäftigt, den Blick immer wieder in die schöne Niederung schweifen zu lassen oder zu dem auf der anderen Seite gelegenen Berghang. Hinter den Quellen und Felsformationen treten wir aus dem Wald und gelangen in eine offenere Landschaft. Die Weser zeigt sich hier von einer ihrer besten Seiten, der Blick wird angezogen vom Flussverlauf, dem wir mit den Blicken bis zum spannend erscheinenden Weinberg bei Daspe folgen können. Beschwingt erreichen wir eine kleine Siedlung von verstreuten Ferienhäuschen und eine Pausenbank an Flussweiden, auf der man sich wegen des anstehenden Anstiegs und des Abschieds von der Weser, durchaus eine Rast gönnen kann.

Denn es geht recht knackig bergauf, jetzt auf dem Weserberglandweg, an einem schönen Ferienhäuschen vorbei, auf den Hopfenberg. Unterbrochen wurde unsere Route dann netterweise durch einen Bestand des Stattlichen Knabenkrauts am Wegesrand. Diese zu den frühen Vertretern der heimischen Orchideen zählende Art wächst an solchen Stellen im nicht zu hellen, nicht zu dunklen Wald, sehr gerne und will ausgiebig bestaunt werden. Da vergehen die letzten Meter hinauf wie im Fluge und nach wenigen Metern im Freien treten wir auf einem wanderbar schmalen Pfad wieder in den schönen Wald. Nach wenigen Metern erwarten uns dann am Wegesrand die ersten Exemplare der Schwarzen Teufelskralle. Ich entschuldige mich, falls ich mich aufgrund nur laienhafter botanischer Kenntnisse mal wieder täusche. Meistens, wenn ich mir nicht absolut sicher bin, nenne ich gar nicht mehr die jeweilige Art, sondern nur noch die Gattung. Manchmal vergesse ich diese weise Entscheidung aber auch schon mal. Egal wie der Mensch sie nun nennt, die Teufelskralle entdeckten wir bislang gar nicht mal so häufig in unseren Breiten. Auf den Wiesen von St. Andreasberg im Harz, hier zwischen Heyen und Linse und in der westlichen Rühler Schweiz trafen wir bisher auf die prächtig daherkommende Pflanze. Auf dem freundlichen Waldweg geht es weiter durch den Vollfrühlingswald. Die bekanntesten Frühblüher haben sich weitestgehend verabschiedet, der Bärlauch steht an einigen Stellen in voller Blüte. Am Übergang vom Hopfenberg zum Heiligenberg ging es für uns über eine Rodungsfläche, auf der die im letzten Jahr vertrockneten Fichten entfernt wurden. Dieses Jahr sieht es nicht besser aus für den lange, viel zu lange massenweise angepflanzten Baum. Da hilft kein Jammern und Klagen der Forstindustrie. Die hat es viel zu lange versäumt, diese Baumart nach und nach aus unseren heimischen Wäldern zu entfernen.

Durch den Bärlauch stramm hinauf

Durch den Bärlauch stramm hinauf

Der Heiligenberg ist schon ein ziemlich geiler Berg. Entlang alter Steinbrüche zieht sich der schmale Pfad auf den „Gipfel“ mit der Kapellen/Kirchenruine. Durch Ausgrabungen ist bekannt, dass die erste Kapelle hier wohl im 11./12. Jahrhundert erbaut wurde, die dann im 12./13. Jahrhundert und noch einmal im 17. Jahrhundert ausgebaut wurde. Im 19. Jahrhundert nutzten die Heyener sie dann als Steinbruch und es blieben nur die heute noch erhaltenen Fundamente. Wer sie warum gebaut haben mag und welchem Zweck sie gedient haben könnte, erfährt man aber leider nicht. Es gibt Vermutungen, das hier zumindest anfangs ein Einsiedler lebte. Einige Meter hinter der Kapelle befindet sich dann eine ca. im 8. Jahrhundert angelegte, vermutlich sächsische Ringwallanlage. Ob beide Orte in einem Zusammenhang stehen, lässt sich wohl nicht mehr in Erfahrung bringen. Den östlichen Graben der Fliehburg kann man an der Infotafel noch gut erkennen. Es geht hinab vom Heiligenberg zur K10. Der schmale Pfad zur Straße war bei unserem Besuch durch Baumfällarbeiten versperrt bzw. unkenntlich gemacht. Hoffen wir, das er nicht ganz verschwindet. Parallel zur Straße geht es auf einem schnuffligen Pfad fast bis zum Startpunkt, wir biegen kurz vorher zum Kruckberg ab, um in die zweite Hälfte des Weges einzusteigen.

Ein Stück gehen wir am Waldrand, dann geht es in den Wald und nach rechts. Geradeaus geht es zur Burgruine Lauenburg. Von dieser wohl niemals gänzlich fertiggestellten Burg, die vermutlich im 12. Jahrhundert von den Homburgern erbaut wurde und durch einen Angriff zerstört wurde, sind nur wenige Reste im Gelände erhalten. Auf jeden Fall bietet die Gegend um Heyen mit diesen und anderen, weitestgehend nicht gänzlich erforschten Plätzen und Gebäuden eine große Menge an historischen Kulturgütern. Auch die Wälder, wie der am Heiligenberg und auch der jetzt am Kruckberg, versprühen einen besonderen, etwas abseitigen Charme. Teufelskralle und Stattliches Knabenkraut lassen sich ebenso wie der 2020 bereits im April blühende Bärlauch am Wegesrand entdecken. Durch den wanderbaren Wald, dann auch mal über eine mehr oder weniger aussichtsreiche Freifläche, geht es hinauf zum „Gipfel“ des Kruckberges. Oben angekommen, wartet eine Pausenbank, bevor wir die Franzosenhöhle erreichen. Die bleibt ebenso nebulös wie die anderen historischen Orte des Tages. Haben sich hier französische Soldaten auf der Flucht versteckt oder wurde sie von französischen Besatzern entdeckt? Haben Zwerge sie aus dem Boden gehauen oder entstand sie durch Verkarstung? Der Fantasie sind wenige Grenzen gesetzt. Südwestlich hinter der Höhle findet sich dann noch ein besonderes botanisches Schmankerl. Hier stehen am Ackerrand, zur rechten Zeit sogar bis einige Meter auf dem Acker, zahlreiche Exemplare des Purpur-Knabenkrauts. Natürlich gelten auch für diese prächtige Orchidee die üblichen Regeln des Anstandes. Keine Pflanzen pflücken, zertreten, ausbuddeln oder sonstiger Unsinn. Nicht alle Exemplare entwickeln Blütenstände, also bitte auch auf die charakteristischen Blätter achten, damit andere auch noch etwas von der Pracht haben.

Purpur-Knabenkraut am Feldrand

Purpur-Knabenkraut am Feldrand

Durch den Wald des Kruckberges geht es weiter und manches lässt sich noch am schmalen Wegesrand entdecken. Einige Wanderschilder gibt es auch. Am Ende, kurz vor der Ferienhaussiedlung oberhalb von Halle, geht es erst über eine Freifläche, dann noch einmal durch den Wald auf einem kurzen Serpentinenweg recht spürbar hinab. Eine weitere Freifläche erwartet uns, auf der wieder zahlreiche botanische „Sehenswürdigkeiten“ warten und eine schöne Aussicht über Linse ins Lennetal. An dieser Stelle folgten wir leider aufgrund eines unerklärlichen Gedächtnisverlustes oder des langsam immer dunkler werdenden Himmels, dem im Track eingezeichneten Weg über Linse. Hier rate ich dazu, dem alternativ markierten Weg am Waldrand des Kruckberges zu folgen. Am Waldrand und auf den Wiesen kann man, wenn ich mich nicht völlig täusche, zahlreiche weitere Pflanzen entdecken, wie z.B. Purpur-Knabenkraut, Vogel-Nestwurz, Weißes Waldvöglein, Fliegen-Ragwurz, Graslilien oder die Dichter-Narzisse. Der Weg über Linse ist aber auch nicht wirklich schlecht. Kurz am Ortsrand entlang geschrammt, geht es dann mit netten Aussichten in die Gegend um Linse hinauf auf den Eckberg.

An ehemaligen Sandsteinbrüchen vorbei und teilweise auch hindurch, geht es in Richtung Bismarckturm Bodenwerder. Wenn die Vegetation noch nicht alles überdeckt hat, kann man am Hang zur Linken sogar Gebäudereste ausmachen. Auf einem schmalen Alpenpfad überwinden wir die letzten Meter zum Turm, der 1913 errichtet wurde und bei unserem Besuch gesperrt war. Wir haben gar nicht nachgesehen, weil der Ausblick von unten eigentlich auch reicht und wir unbedingt eine Pause brauchten, aber man kann wohl davon ausgehen, das es wegen dieses Virus ist, das hoffentlich unser Land nicht in dem Maße verändert, wie ich es befürchte. Damit meine ich nicht den Gesundheitsaspekt, sondern die Auswirkungen auf die Wirtschaft, das Zusammenleben der Menschen und vor allen Dingen die zu befürchtenden Maßnahmen zur Schwächung der Bürgerrechte, des Grundgesetzes. Na ja, mal sehen. Von der Pausenbank hat man einen tollen Ausblick ins Wesertal rund um Bodenwerder, das uns zu Füßen liegt. Auf einem breiten Weg, wir sind jetzt bis zur K10 wieder auf dem Hauptwanderweg des Weserberglandes, umgehen wir einen (noch aktiven?) Steinbruch und folgen der Ausschilderung am Waldrand entlang.

Pfad durch Eichen

Pfad durch Eichen

Nach dem Eintritt in den Wald folgt zum Abschluss noch ein weiterer, herrlicher Abschnitt der heutigen Tour. Ein an vielen Stellen aus dem grünen Gras aufragender Märchenwald und mehrere kleine, ehemalige Steinbrüche erwarten uns am steilen Rand des Eckberges. Da kann man kaum meckern, denn derart wunderbar „wechselhafte“ Wege und Landschaften wie hier zwischen Heyen, Kreipke, Linse und Bodenwerder, findet man nicht allerorts. So geht es beschwingten Schrittes durch einen wirklich fantastischen Wald, auf den letzten Metern noch durch ein kleines Bachtal, zur Kreisstraße 10 und dann ein paar Meter an dieser entlang, hinab zu unserem Ausgangspunkt an der Weser.

Das sind die Wege abseits der ausgetretenen Pfade, die wir suchen und ab und zu auch finden. Nach mehreren Anläufen haben wir eine angemessene Route gefunden, die wir nächstes Mal und dann vielleicht, hoffentlich noch ein paar Mal gehen werden können. Na klar kann man manchmal einfach nicht alles haben, muss man aber auch nicht. Hier „verpasst“ man auf dem von uns vorgeschlagenen Weg eigentlich nicht viel. Aber jeder hat seine eigenen Vorstellungen von einer „zufriedenstellenden“ Wanderung und muss sich seinen entsprechenden Weg selbst suchen. Ich wünsche auf jeden Fall allen hoffentlich viel Spaß in dieser wirklich schönen Landschaft des Weserberglandes…

Bildergalerie mit Lightbox

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