Gehrden – Gehrdener Berg – Gehrden:

Vom Ortsrand Gehrdens geht es auf schmalen Pfaden und Wegen am Suerser und am Köthnerberg zur Anhöhe des Berggasthauses Niedersachsen und zu Struckmeyers Mühle. Wir umrunden den Burgberg und steigen dann zum Burgbergturm auf. Danach geht es wieder hinab und hinüber zur anderen Seite des Köthnerberges. Vorbei an einem Jüdischen Friedhof und dem der Familie von Reden erreichen wir unseren Ausgangspunkt…

  • Mitte März 2021
  • Mitte Dezember 2013

Knapp über 100 Höhenmeter Aufstiege und ebenso viele Abstiege. Kurz und knackig zum Burgbergturm, ansonsten alles easy. An Wegen ist wieder alles dabei, wobei der Anteil an schmalen Pfaden und Wegen eindeutig überwiegt…

Herder-Denkmal, Berggasthaus Niedersachsen mit Trip´scher Anlage, Struckmeyers Mühle mit Wildgehege, Burgbergturm mit ehemaliger Gaststätte und Wallanlage, Jüdischer Friedhof, Friedhof der Familie von Reden…

Am Weg selbst ist eine Einkehrmöglichkeit im Berggasthaus Niedersachsen vorhanden. Ansonsten einige in Gehrden…

Parkmöglichkeit am Ende der „Von-Reden-Straße“, ansonsten sehr gute Parkplätze am Berggasthaus Niedersachsen und an der „Großen Bergstraße“…

Gehrden – Suerser Berg – Herder-Denkmal – Königsholz – Köthnerberg – Hallerstein – Berggasthaus Niedersachsen – Struckmeyers Mühle – Burgberg – Wandervogelheim – Burgbergturm – Köthnerberg – Jüdischer Friedhof – Friedhof von Reden – Gehrden

Waldpfade am Suerser Berg

Waldpfade am Suerser Berg

Der Gehrdener Berg ist ein kleiner Höhenzug, der von mir im Text selten erwähnt werden wird, da er aus einer Zahl einzelner Erhebungen besteht und ja eigentlich Gehrdener Berge heißen müsste. Namentlich erwandern wir uns heute den Suerser Berg, den Köthnerberg, die anscheinend namenlose Erhebung am Berggasthaus und den Burgberg. Der Süllberg, der Benther Berg und der Gehrdener Berg sind drei recht markante Erhebungen zwischen dem Deister und Hannover, die wir bereits mehrere Male besucht haben und die immer wieder einen Reiz ausüben, wenn wir zum Beispiel mal überhaupt keine Böcke haben, elend lang zu fahren und/oder elend lang zu wandern. Das ist keine absolute Abgeschiedenheit, das ist nicht Natur pur, aber das ist Heimat mit spannenden Erlebnissen in Sachen Natur und Kultur.

Gerade in diesen für bodenständige, geerdete, gerne selbstbestimmt lebende Menschen schwierigen, nahezu unerträglichen Zeiten, sind Herders Worte, denen wir heute am Gehrdener Berg begegnen werden, durchaus hilfreich und dazu geeignet, sie sich zu Herzen zu nehmen. Die tödlichste aller Krankheiten ist und bleibt das Leben selbst:

Ein Traum, ein Traum ist unser Leben
auf Erden hier.
Wie Schatten auf den Wogen schweben
und schwinden wir,
und messen unsre trägen Tritte
nach Raum und Zeit;
und sind (und wissen´s nicht) in Mitte
der Ewigkeit…

Start war bis jetzt für uns das Ende der „Von-Reden-Straße“. Einen Parkplatz gibt es dort aber nicht, nur eine ruhige Abstellmöglichkeit an der Straße. Nächstes Mal, wenn es denn noch eines geben wird, werden wir vielleicht auch mal von einem der Parkplätze in der Nähe des Berggasthauses starten, wobei wir dann etwas ungünstig direkt am Schnittpunkt der heutigen „Acht“ stehen. Vielleicht wird der ein oder die andere das aber auch bevorzugen, weil man hier gut entscheiden kann, die Runde zu verkürzen oder gleich in zwei Spaziergänge aufzuteilen. Verlängern kann man diese Runde eigentlich nicht mehr wirklich sinnvoll, da wir den gesamten Höhenzug bis zu seinen Enden ausschöpfen. Gehrden selbst kennen wir so gut wie gar nicht, lediglich von Durchfahrten mit Rad und Auto. Es gibt aber wie überall garantiert nette Flecken in der Stadt. Aufgrund der schönen Lage zwischen der Landeshauptstadt und dem Deister werden (oder sollten) die meisten Menschen, die hier leben, wohl auch recht zufrieden mit ihrem Dasein sein.

Das Herder-Denkmal

Das Herder-Denkmal

Vom Ausgangspunkt geht es erst einmal am südlichen Rand des Gehrdener Berges, am Suerser Berg entlang. Der Name Suerser Berg erschien mir so, als müsse er auf einem Ortsnamen Suerse beruhen, der auf den heutigen Karten aber nicht auffindbar war. Im Wiki-Eintrag zum Berg fand ich dann aber die erhellende Information, das es im Mittelalter eine Siedlung und ein Gut Suerse gegeben hat, die aber beide wüst gefallen bzw. abgebrochen wurden. Ich empfinde es als einen schönen Nebenaspekt, dass die lange Zeit als Wanderer durch die heimatlichen Gefilde dazu geführt hat, das „Wissen“, Erfahrungen und Erlebnisse sich irgendwann miteinander vernetzen und man zumindest ansatzweise ein tieferes Gespür für kleinere Zusammenhänge bekommt. Das nebenbei. Ein Stück geht es am ruhigen Ortsrand Gehrdens, dann kommen wir zur südlichen Spitze des Gehrdener Berges mit Aussicht zum Kniggenberg, der etwas außerhalb des Waldes gelegenen, südlichsten Erhebung des Gehrdener Berges. Hier gibt es mehrere Wege und jeder kann und soll sich seinen eigenen suchen. Man kann, wie wir es dieses Mal taten, den schmalen Pfad im Wald nehmen oder einen der anderen. Der Wald des Landschaftsschutzgebietes Gehrdener Berg ist nahezu überall von Buchen dominiert und nahezu überall sehr schön und wanderbar. Am Suerser Berg gibt es ein Hügelgrab und mehrere Gedenksteine, von denen wir aber nur dem Herder-Gedenkstein des Gehrdener Augenarztes P.U. Fechner begegnen. Hier kann man sich das Gelesene während einer ersten Rast mit Ausblick in die Landschaft sozusagen gleich vor Augen führen.

Am Waldrand und durch den Wald umrunden wir die Spitze des Gehrdener Berges und gelangen zur Westseite. Im Frühling kann man noch vielerortens die Aussicht zum nahen Deister genießen, mit dem wir in Hinsicht auf das Wandern in den letzten Jahrzehnten so unsere Problemchen und Probleme hatten. Schöne Wege und herrliche Pfade führen uns immer in der Nähe des Waldrandes zu Aussichtsplätzen mit „Bestuhlung“. Am Köthnerberg treten wir aus dem Wald und gehen über eine kleine Freifläche, die stark an einen ehemaligen Steinbruch erinnert, in Richtung Berggasthaus. Der Haller-Gedenkstein gemahnt, bei Gewitter nicht draußen herumzulaufen, wenn einem das eigene Leben lieb und teuer ist. Schließlich sind wir am Gipfel der namenlosen, zentralen Erhebung des Höhenzuges angekommen, die ich der Einfachheit halber und weil mich niemand daran hindern kann, Gehrdener Berg taufe. Hier ist, je nach eigener Betrachtungsweise, zur richtigen oder falschen Zeit die Hölle los. Wir waren zur für uns richtigen Zeit hier und es war so gut wie nichts los. Der Weg führt uns zum Berggasthaus Niedersachsen, zu dem ich weiter unten eine kleine Betrachtung geschrieben habe. Es gibt aber auch vor Ort eine informative Tafel zu der Ende des 19. Jahrhunderts entstandenen Anlage. Sieht man sich zum Beispiel auf der Site „Gehrdener Ansichten“ alte Postkarten mit gemalten „Luftbildern“ an, ist von der einst gewaltigen Anlage, in der bis zu 2.000 Gäste gleichzeitig bewirtet werden konnten, heute nur noch eine vage Ahnung möglich. Trotzdem ist es schön hier oben und vor allem selbst bei Hochbetrieb wahrscheinlich viel ruhiger als vor 100 Jahren.

Gehrdener Berg - Das Berggasthaus Niedersachen

Eine etwas ungewöhnliche Geschichte steckt hinter der Entstehung des Berggasthauses Niedersachsen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Gehrdener Berg immer mehr zum Naherholungsgebiet vor den Toren Hannovers. 1898 wurde Gehrden an die Linie 10 der 1892 gegründeten Straßenbahn Hannover AG angeschlossen, die bereits 1893 vom Pferdebahnbetrieb auf elektrisch betriebene Bahnen umgestellt hatte. Um das Naherholungsgebiet Gehrdener Berg und die damals noch nicht allseits beliebte Straßenbahn attraktiver und schmackhafter zu machen, ließ die Straßenbahn AG auf dem Gehrdener Berg von Emil-Werner Baule das Berggasthaus Niedersachsen entwerfen und errichten. Der Hannoversche Gartenbaudirektor Julius Trip wurde mit der Schaffung einer 14 Hektar großen Parkanlage im Stil englischer Gärten beauftragt. Von der Linie 10 der Straßenbahn wurde eine Stichstrecke bis direkt vor das Berggasthaus gelegt, die 1917 eingestellt wurde, da die kupfernen Oberleitungen für Kriegszwecke benötigt wurden. Die Schienen wurden dann in den 1930er Jahren entfernt und 1961 wurde die Linie 10 verkürzt, so das Gehrden keinen Anschluss mehr hatte. Von 1898 bis 1939 wurde das Gasthaus durchgehend bewirtschaftet, im Zweiten Weltkrieg dienten die Gebäude als Lazarett, Krankenhaus und Kinderheim. 1949 wurde die Gaststätte wiedereröffnet, das prächtige Hauptgebäude wurde bereits 1959 wegen eines Wasserschadens abgerissen. Heute befindet sich das Gasthaus in der ehemaligen Stuhlremise, die neben dem Gärtnerhaus das einzig erhaltene Gebäude des einstigen Komplexes darstellt.

Am Burgberg (2013)

Am Burgberg (2013)

Nach Erkundung der Anlage und des Parks gehen wir weiter und kommen zur Struckmeyerschen Mühle, die 1878 anstelle einer 1729 erbauten Bockwindmühle als Erdholländer errichtet wurde. Im frühen 20. Jahrhundert wurde nach kurzer Nutzung mit Motorbetrieb der Betrieb eingestellt und die Mühle als Jugendzentrum genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg verfiel die Mühle, die nutzlos gewordenen Flügel wurden abmontiert. Lange Jahre wurde die „Kindermühle“ als außerschulischer Lernort von Pächtern geführt, momentan (März 2021) ist ihre Zukunft ungewiss. Jetzt geht es auf der Zufahrtsstraße oder alternativ am Feldrand, wo einst die Straßenbahn fuhr, hinab zum kleinen Parkplatz an der Großen Bergstraße, dann hinüber zur vierten Erhebung des Tages, dem Burgberg. Den Deister und den Benther Berg im Blick, geht es erst am Waldrand entlang, dann auf schönen Wegen und Pfaden zum Wandervogelheim Gehrden, das in einem aufgelassenen Steinbruchgelände steht. Etwas kurios, das es an einem so prächtigen Wanderheim in einem solchen Gelände keine einzige Bank für umherziehende und zufällig hier vorbeikommende Zug-Wandervögel gibt. Aber irgendwo gibt es immer eine Wiese, einen Felsen oder wie in diesem Fall, einen umgefallenen Baum.

Von dort aus geht es noch einmal fast nach Gehrden hinein, aber wir biegen kurz vorher in den Pfad auf den Gipfel des Burgberges ab. Eine Treppe führt an einem Schulgelände vorbei, dann kommt die „brutalste“ Steigung des Tages hinauf zum Burgbergturm. Über den Gipfel des Burgberges, auf dem nie eine „richtige“ Burg stand, könnte man ebenfalls einen Bericht schreiben. Eine vorhandene Ringwallanlage konnte mindestens seit Christi Geburt nachgewiesen werden, eine Nutzung bereits durch die Cherusker bislang nicht. Vermutlich ist die Anlage bereits seit der Jungsteinzeit verschiedenen Gruppen von verschiedenem Nutzen gewesen. Unter anderem, um von den steigenden Besucherzahlen am Naherholungsgebiet Gehrdener Berg zu profitieren, errichtete der Gehrdener Maurermeister Krull 1897/98 auf dem Burgberg zuerst einen ca. 20 Meter hohen Aussichtsturm und eröffnete 1899 eine Gaststätte mit Terrassengarten. Von 1924 bis 1961 dienten die Gebäude als Landschulheim mit einer Episode als Lazarett. Ein Kaufmann aus Hannover erwarb das Gelände 1964 und sanierte den Turm, bis in die 1980er Jahre verfielen die anderen Gebäude zusehends. Seit 1985 befindet sich das Gelände im Besitz der Stadt Gehrden und wird von der „Gehrdener Turmgarde“ genutzt. Der Aussichtsturm kann zu bestimmten Zeiten am Wochenende bestiegen werden, um die schöne Aussicht ins Calenberger Land zu genießen. Ein prädestiniertes Fleckchen für eine Rast, bevor wir wieder vom Burgberg hinabsteigen, wiederum die Große Bergstraße überqueren und den letzten Abschnitt des Tages begehen.

Friedhof der Familie von Reden

Friedhof der Familie von Reden

Es geht noch einmal ein paar Meter hinauf, dann sind wir auf der „Rückseite“, der Gehrden zugewandten Seite des Gehrdener Berges. Auf wieder freundlichen Wegen gelangen wir zu einem kleinen Durchblick nach Hannover und gleich darauf zum Jüdischen Friedhof von Gehrden, auf dem sich 73 Grabsteine aus dem Zeitraum 1752 bis 1935 befinden. Obwohl die „Aufnahme“ von Juden immer mit Vorbehalten seitens der Bevölkerung verbunden war, zählte die Gemeinde 110 Mitglieder im Jahr 1861, von denen bis 1939 die meisten nach Hannover abgewandert waren. Während oder nach der Herrschaft der Nationalsozialisten scheint die restliche, jüdische Gemeinde in Gehrden erloschen zu sein, das Gebäude der Synagoge wurde 1979 abgebrochen. Hinter der Begräbnisstätte muss man ein wenig aufpassen, denn der Zugang zum getrackten Weg kann leicht verpasst werden. Auf diesem schmalen Pfad erreichen wir durch den schönen Wald schließlich noch einen Friedhof, den eines Zweiges der Familie von Reden. Eine Grotte, die nicht fotografiert werden wollte bzw. nicht anständig fotografiert werden konnte, markiert den Platz. Von Moos überwachsen, von Eiben bestanden, präsentiert sich der Begräbnisplatz etwas mythisch, vor allem, wenn auch noch das Licht auf besondere Art durch die Bäume schimmert. Eine Linie der Familie war auf dem Rittergut Franzburg in Gehrden ansässig, bis 1959 der letzte ihrer Vertreter starb. Er vermachte dem Landkreis Hannover die Gehrdener Besitzungen, die acht Jahre später bereits wegen Baufälligkeit abgerissen wurden. Der Ottomar-von-Reden-Park und einige Fundamentreste erinnern an den Stifter und die Familie. Gleich am Friedhof haben wir geparkt und erreichen nach wenigen Schritten unseren Ausgangspunkt.

Durch die kulturhistorisch äußerst interessanten Fleckchen Erde, denen wir heute am Wegesrand begegnet sind und von denen ich als Ortsunkundiger und Wahrer gefährlichen Halbwissens garantiert nicht alle genannt habe, aber auch durch sehr nette Wege durch einen sehr freundlichen Laubmischwald, zeichnet sich diese auf dem Papier vielleicht erst einmal nicht so reizvoll wirkende Wanderung aus. Wenn uns noch ein paar gute Wanderjahre vergönnt sein sollten, werden wir bestimmt noch mindestens einmal hierher zurückkehren. Von Nordstemmen an der Leine ausgehend, haben wir bis jetzt fünf spannende Wanderungen im Calenberger Land für uns ausgepuzzelt. Die Tour am Gehrdener Berg muss sich dabei neben denen am Benther Berg, am Süllberg, am Hallerburger Holz und an der Marienburg keineswegs verstecken. Viel Spaß und immer einen Fußbreit festen Boden unter den Wanderlatschen…

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