Hallerburger Holz – Bockerode – Hallermühle – Hallertal – Hallerburger Holz:

Vom Parkplatz an der L422 geht es kurz ins Hallerburger Holz, dann durch das LSG „Gestorfer Lößhügel“ zum Rittergut Bockerode und durch das Bockeroder Holz. Am Schwarzwaldhaus vorbei gelangen wir zur Hallermühle. Wir wandern durch die Feldmark im Hallertal zum NSG „Zigeunerwäldchen“, in die Hallerauen und dann durch das Hallerburger Holz zum Ausgangspunkt…

  • Ende März 2020

Ungefähr 100 Höhenmeter „Aufstiege“ und ebenso viele „Abstiege“. Es geht dreimal ein kurzes Stück an der Straße entlang, viel auf festen Wegen durch die Feldmark, aber auch mehrere Kilometer auf schmalem Pfad durch Wald und Aue…

LSG „Gestorfer Lößhügel“, Rittergut Bockerode, Hallermühle, Pappeln an der Haller, NSG „Zigeunerwäldchen“, Landschaft in den Hallerauen und am Hallerburger Holz… 

Keine Einkehrmöglichkeiten am oder in der Nähe des Weges

Recht alternativloser Parkplatz am Hallerburger Holz an der L422 zwischen Eldagsen und Gestorf…

Hallerburger Holz – NSG „Gestorfer Lößhügel“ – Rittergut Bockerode – Bockeroder Holz – Schwarzwaldhaus – Hallermühle – Hallertal – NSG „Zigeunerwäldchen“ – Hallerauen – Hallerburger Holz

Am Hallerburger Holz

Am Hallerburger Holz

Endlich mal ´ne Woche Urlaub und dazu auch noch sonniges Wetter, das hieß fünf Wanderungen in sieben Tagen. Normalerweise setze ich die geeigneten Touren, in diesem Fall waren das eigentlich alle, in chronologischer Reihenfolge ein. Da mache ich jetzt mal eine Ausnahme, denn die letzte der fünf steht so sehr für „unsere Art des Wanderns“. Vor etlichen Jahren sah ich auf Panoramio (gibt es mittlerweile nicht mehr) ein Foto, das jemand an der Haller geschossen hatte und war verwundert, das es „in dieser Gegend“ ein so tolles Plätzchen geben soll. Denn eigentlich ist die Landschaft zwischen Hildesheimer Wald, Kleiner Deister / Osterwald und dem Deister nicht gerade „Wanderland“, ausgenommen die Gegend an der Marienburg. Nach langjährigem Zögern war es jetzt dieses Jahr endlich so weit … und ich weiß nicht, wie oft ich es schon geschrieben habe … wir wurden mehr als nur positiv überrascht an einem kühlen und windigen, aber auch sehr sonnigen Frühlingstag. Der Teil der Route westlich der L422 ist mehr von Feldern geprägt, bietet mit dem Rittergut Bockerode, dem Bockeroder Holz, der Hallermühle und den schönen Einzelbäumen (Pappeln, Birken) in der Feldmark trotzdem ausreichend „Spannendes“, um den Weg zu rechtfertigen. Wer die Tour verkürzen will, kann sich aber auf den Weg östlich der Landstraße beschränken. Eine kleine Warnung am Rande: Die Hallerbrücke am östlichen Wendepunkt der Tour wurde wohl als baufällig eingestuft und war „theoretisch“ gesperrt, als wir dort waren. Jemand hatte die Bauzäune zur Absperrung der Brücke allerdings mit „roher Gewalt“ beseitigt und so gelangten wir trockenen Fußes über das Flüsschen. Es wäre schade, wenn es dazu käme, das dieser wichtige Übergang dauerhaft gesperrt würde. Hoffen wir, das die Verwaltung da ein Einsehen hat und die eigentlich für Fußgänger noch sehr stabil wirkende Brücke wieder offiziell auf eigene Gefahr freigegeben oder saniert wird. Zur Anreise mit dem ÖPNV: Es gibt einen Bus vom Bahnhof Bennigsen nach Eldagsen, der aber nur in Gestorf und in Eldagsen hält. Man könnte von der Haltestelle „Calenberger Straße“ in Gestorf durch das „Mühlentor“ auf die Route gelangen, müsste dann aber mit einer „Durststrecke“ leben und mit einer Verlängerung der Gesamtstrecke um ca. zwei Kilometer.

Rittergut Bockerode

Rittergut Bockerode

Los geht es an der L422 am Hallerburger Holz. Von hier aus sieht die Gegend gar nicht so karg aus wie von den anderen Straßen der Gegend. Wir befinden uns im LSG „Gestorfer Lößhügel“, das auf irgendeiner Karte fälschlicherweise als NSG ausgezeichnet war. Falls also irgendwo im Beitrag oder in den Fotos die Bezeichnung NSG zu finden ist, so ist das meiner mangelnden Recherche geschuldet. Das LSG schützt unter anderem die Buchen- und Eichen-Hainbuchenwälder der Gegend, die wir noch kennenlernen werden. Zum Beispiel gleich am Anfang der Tour, wenn man nicht direkt an der Landstraße zum Abzweig nach Bockerode geht, sondern dem von uns gewählten Weg folgt, der etwas ausholt, aber dafür ein wenig Mühsal an der Straße erspart. Die Aussicht ist die, die man während der gesamten Wanderung hat. Man sieht am Horizont die Erhebungen vom Osterwald, dem Kleinen Deister, wo wir erst „letztens“ wandern waren und dem (Großen) Deister, der weithin bekannt ist für den Saupark Springe. Jetzt im Frühjahr ist hier im Wald und am Waldrand schon einiges los, wenngleich eine Masse an Frühblühern am Anfang der Tour noch nicht zu erwarten ist. Die Veilchen träumen nicht mehr, sondern sind erwacht, das Scharbockskraut streckt die glänzenden Blüten in die Sonne. Auf schmalem Pfad geht es durch ein kleines Waldgebiet, dann am Waldrand entlang und durch die Feldmark zurück zu Landstraße. Ein paar Meter gehen wir an der Straße, dann rechts wieder in die Feldmark, die uns nach Bockerode führt. Ob man das als langweilig empfindet, kann man selbst entscheiden. Wir finden immer etwas Spannendes, wie z.B. ein Baumtor, schöne Hecken am Wegesrand, einen netten Blick oder die großen Kastanien an der Weggabelung, an der wir Bockerode erreichten. Hier gibt es auch einiges zu sehen, einiges zum Wundern und für den ein oder anderen einiges zum Staunen. Das Rittergut Bockerode, der Name deutet auf eine Rodung der Familie Bock (von Wülfingen) hin, die schon einige Menschen zu Spekulationen hinsichtlich der offiziellen Geschichtsschreibung gebracht hat, existiert nachweislich seit 1500, die heutige Anlage stammt weitestgehend aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Auf dem prächtigen Eingangstor der schönen Anlage steht die Jahreszahl 1722. Da sich das Gut im Privatbesitz befindet, ist das Betreten wohl eher nicht erlaubt. Für Interessierte sei noch erwähnt, das hier schon mehrfach die internationale Landwirtschaftsausstellung „PotatoEurope“, eine Freilandausstellung rund um die Kartoffel, die neben deutschen auch noch holländische, belgische und französische Beteiligte hat, stattgefunden hat und auch 2022 wieder stattfinden wird.

Die Bocks von Wülfingen, die Cherusker, der Armin, die Schlacht und so weiter...

Ich bin ja staatlich anerkannter Fachmann für … gar nichts. Darum sollte man die nachfolgenden „Informationen“ nicht als DIE EINE WAHRHEIT ansehen, der ich anhängen würde. Ich kann das alles nicht wirklich beurteilen, kann es aber im Gegenzug auch nicht als Unsinn abschmettern. Man darf diese Theorien also gerne nach Herzenslust belächeln oder sich selbst auf die Suche nach DER EINEN und unumstößlichen WAHRHEIT machen.

Im Jahr 1911 veröffentlichte z.B. der Hamelner („Nichtfachmann“) Friedrich Timmermann aus Hameln einen siebenseitigen Aufsatz, der eine Verbindung herstellt zwischen Sagen, Legenden und Historie. Danach wäre „Siegfried der Wölfing“, gleichbedeutend mit Armin dem Cherusker, ein Vorfahr derer, die sich nach dem Zusammenschluss der Familien „Bucko“ und „Wölfing“ als Familie „Bock von Wülfingen“ bezeichnete. Wülfingen war z.B. schon lange eine burgähnlich befestigte Siedlung, die erst im Dreißigjährigen Krieg erobert werden konnte und deren Befestigungen danach verschwanden. Der Bogen wird gespannt von der Edda zu den römischen Aufzeichnungen, den örtlichen Sagen, der Nibelungen-Saga und Wagners Interpretation derselben. Gandersheim wird zur Heimstatt Gunthers, Hildesheim zu der Hagens. Hat man kein Fachwissen, sondern geht lediglich nach dem mehr oder weniger gesunden eigenen Menschenverstand und besitzt eine Portion Heimatliebe, erscheinen solche Spekulationen gar nicht einmal so abwegig und haben vielleicht sogar einen gewissen Reiz. Nimmt man in dem Zusammenhang andere Quellen, die sich mit Orten wie Schellerten, Segeste, Irmenseul, Brunkensen / Lippoldshöhle, dem Harzhorn oder dem Ith beschäftigen, ergibt sich eine Möglichkeit, die Begebenheiten, die sich um Arminius, die Cherusker, die Varusschlacht und sogar die Nibelungensage drehen, in unsere Heimat zu „verlegen“. Vielleicht war Armin, Arminius, Hermann oder wie immer er jetzt auch geheißen haben mag, dereinst zur Sommerfrische in Bockerode 😉

Ohne Phantasie muß das Denken kriechen, ohne Denken kann die Phantasie nicht landen – Manfred Hinrich

Pausenplatz am Bockeroder Holz

Pausenplatz am Bockeroder Holz

Weiter geht es ins Bockeroder Holz, das sich als kleiner, aber feiner Wald präsentiert. Ein bisschen Bärlauch ist zu finden und ein toller Waldrandpfad mit altem Baumbestand führt uns zu einer netten Pausenbank und weiter zum „Schwarzwaldhaus“, das sich sehr zugeknöpft präsentiert und über dessen Geschichte keine Infos zu finden waren. Ein paar Schritte noch, dann erreichen wir die Straße zwischen Mittelrode und Eldagsen und an ihr gelegen, die sehenswerte Hallermühle. Die gehörte zum Gut derer von Jeinsen und wurde 1766 erstmals erwähnt. An der ersten Brücke, die wir überqueren, hat man einen schönen Blick auf das Mühlengelände und man sieht den Zusammenfluss mehrerer Gewässer. Hier fließen Pagel, Haller und Mühlenhaller zusammen und tragen fortan den Namen Haller. Die entspringt bei Springe am Deister, das zuerst Hallerspringe hieß. Danach geht es ein paar Meter durch die für Kraftfahrzeuge hergerichtete Lindenallee, dann biegen wir nach links ab in die Feldmark, die in den letzten Jahrhunderten die einstmals wohl existierende Halleraue ersetzt hat. Aber so karg wie viele andere Feldmarken ist diese hier nicht und ich will sie deshalb auch nicht Durststrecke nennen. An einem sonnigen Frühlingstag im Urlaub gibt es aber eigentlich auch keine wirklichen „Durststrecken“. Ein paar Birken, ein paar Weiden, ein paar Sträucher, ein Rudel Rehe, der Blick nach Bockerode und etliche Pappeln versüßten unseren Weg und animierten zum Fotografieren. Die Haller selbst ist leider immer weit entfernt, das ändert sich auch nicht nach dem zweiten Überschreiten der Landstraße. Hier erreichen wir das kleine NSG „Zigeunerwäldchen“, das seinen Namen von den Sinti und Roma hat, die in früheren Zeiten nicht in Eldagsen übernachten durften, sondern hier in der sumpfigen Niederung campieren mussten. Geprägt wird das 1986 ausgewiesene und 15 Hektar große Schutzgebiet, das dem NABU-Ortsverein Springe gehört und das nicht betreten werden kann, durch einen naturnahen Weidenau- und Bruchwald. Zwischen der Halleraue und den angrenzenden Feldern geht es eine ganze Weile und es gibt jede Menge zu sehen. Der Rand des Naturschutzgebietes ist stark mit Sträuchern bewachsen, so das man grundsätzlich einen eher mäßigen „Einblick“ hat, aber durch etliche, wohl regelmäßig freigeschnittene Bereiche gibt es ausreichend viele und spannende „Gucklöcher“. Jetzt im Frühjahr konnte man einen weiten Blick in die tolle Landschaft mit ihren teils überfluteten Wiesen werfen. Wer die Umgebung hier kennt, aber noch nicht die Hallerauen besucht hat, dürfte einigermaßen überrascht sein, wie idyllisch es hier ist.

In den Hallerauen

In den Hallerauen

Durch die herrliche Aue, die immer wieder Spannendes parat hält und nach dem „meditativen“ Gang durch die Feldmark noch üppiger wirkt, haben wir an der Brücke über die Haller eine der wenigen Begegnungen des Tages mit dem Fluss, der vielen Orten in der Umgebung den Namen verliehen hat. Hier kann man auf dem Brückengeländer noch eine nette Rast machen, bevor man die letzte Etappe der Tour angeht. Die führt uns erst einmal durch eine parkähnliche Offenlandschaft zurück ins Hallerburger Holz. Gut erkennbar im Gelände sind mehrere kleine und größere Steinbrüche, die in früheren Zeiten wohl von den Landwirten der Gegend ausgebeutet wurden und mittlerweile vollständig renaturiert sind. Das Holz selbst wird von mehreren Wegen durchzogen, von denen man sich einen aussuchen kann. An einigen Stellen kann man den Weg auch mal wechseln. Weil wir auf kleine Waldpfade stehen, die in unserer Zeit durch die Wald-Terminatoren immer seltener werden, entschieden wir uns für den „Kammpfad“. Der präsentierte sich dann auch erstaunlich üppig, denn all die Frühblüher, die wir an diesem Tag noch gar nicht oder nur sporadisch zu Gesicht bekamen, wuchsen, blühten und erfreuten uns hier in Hülle und Fülle. Bärlauch, Buschwindröschen, Gelbes Windröschen, Lerchensporn, Märzenbecher, Goldstern, Veilchen – dieser Wald bietet nahezu alles, was die zweite Phase des Frühlings im passenden Wald, auf dem passenden Boden zu bieten hat. Dazu ein fantastischer Pfad durch einen Eichen-Hainbuchen-Mischwald, der mittlerweile zu unserem „Lieblingswald“ geworden ist und das Klopfen des Buntspechts, das Lachen des Grünspechts und allerlei anderes Zwitschern und Trällern und Singen, was will man mehr? Später im Jahr könnte es in diesem Wald eventuell auch noch einmal botanisch interessant werden. Den z.B. auf der OSM-Map eingetragenen, letzten schmalen Abschnitt im Wald sollte man nicht gehen, da er (momentan?) durch Forstarbeiten vollkommen verschwunden ist. Wir gingen ihn und mussten uns mehrere Minuten durchs Unterholz kämpfen. Den Track habe ich deshalb auch dementsprechend auf den Waldrandweg verlegt. Der restliche Weg durch das Hallerburger Holz ist auf jeden Fall ein toller Abschluss für den Tag und wir waren froh, das wir diese Wanderung mal entgegen unserer sonstigen Gewohnheit gegen den Uhrzeigersinn gegangen sind. Wer in den nächsten Wochen noch die Zeit findet, sollte sich diese erstaunlich interessante Gegend und zumindest den östlichen Teil der Tour nicht entgehen lassen. Wir würden den westlichen Teil auch auf jeden Fall empfehlen, da auch er, wie schon erwähnt, entscheidend zum schönen Gesamteindruck beiträgt…

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