Hörsum – Langenholzen – Alfeld – Steinberg – Hörsum:

Vom Parkplatz an der K404 zwischen Hörsum und Everode geht es in die nordwestlichen Ausläufer des Sackwaldes. Am Reißel erreichen wir Hörsum, dann geht es am Wald der Wolfseiche zum Kratzberg und zum Menteberg. Wir wandern zur Eulenblickhütte, kurz an den Rand von Alfeld und hinauf zum Steinberg. Über die einsichtsreichen und aussichtsreichen Pfade und Wege geht es an der Hasenhütte vorbei zum Ausgangspunkt…

  • Mitte Juli 2021
  • Ende April 2014
  • Ende Mai 2010

Auch vorher und zwischendurch immer mal wieder auf wechselnden Wegen…

Ungefähr 450 Höhenmeter Aufstiege und ebenso viele Abstiege. Trotz der relativ vielen Höhenmeter ein immer wieder munteres Auf und Ab ohne große Kraxelei. An Wegen ist alles dabei, wobei es einen sehr geringen Anteil an befestigten Wegen gibt, dafür aber einen, wenn vorhanden und begehbar, hohen Anteil an fantastischen Waldpfaden…

Alfelder Bergland (Sackwald) mit orchideenreichen Wäldern, Hörsum, Steinberg mit Kriegerdenkmal und Höhenweg…

Am Weg selbst gibt es keine Einkehrmöglichkeit, eventuell in Hörsum…

Parkplatz an der K404 zwischen Hörsum und Everode. Weitere Parkplätze auf der anderen Seite von Hörsum am Kirchweg oder in der Nähe des Kriegerdenkmals von Alfeld…

Einige Wegabschnitte der Wanderung sind (momentan?) in schlechtem Zustand bzw. scheinen zu verschwinden. Die Wanderung ist in der Form eher etwas für „abenteuerlustige“ Zeitgenossen, bietet dafür aber auch einiges. Sinnvolle Abkürzungen sind auf der Karte und im Text vermerkt…

Parkplatz an der K404 – Hörsum – Sackwald – Wolfseiche – Kratzberg – Menteberg – Eulenblickhütte – Alfeld – Kriegerdenkmal – Steinberg – Hasenhütte – Parkplatz an der K404

Eingewachsener Schilderbaum

Eingewachsener Schilderbaum

Nach etlichen Jahren des Schweifens in die erreichbare Ferne entdeckten wir 2010 unsere Heimatgegend neu für uns. Gerade der Raum Alfeld, den wir bis dahin ziemlich stiefmütterlich behandelt hatten, tat es uns damals sehr an. Das Leinebergland hat hier viel zu bieten, wie einige wieder eingestellte Beiträge zeigen. Die Wälder links und rechts der sehenswerten Kreisstraße 404, die Alfeld mit Hörsum, Everode, Winzenburg und letztendlich Freden verbindet, hatten es uns auf besondere Weise angetan. 2010 und 2014 war die Welt, war der Wald hier noch halbwegs in Ordnung, mittlerweile hat sich das geändert. Wir haben diese Gegend damals in zwei Rundwanderungen aufgeteilt, von denen ich die erste hier jetzt mit Einschränkungen einstelle. Die zweite „Etappe“ zwischen Everode und Winzenburg sind wir ebenfalls bereits noch einmal gegangen, diese muss ich aber komplett umgestalten, da urigerweise gerade der Europäische Fernwanderweg E11 zwischen Klump und Everode nahezu unbegehbar geworden ist.

Achtung: Auch die heutige Tour hat einiges an Härten und Tücken zu bieten. Die Welt ist im Wandel, der Wald ist im Wandel, die Menschen sind im Wandel begriffen. Die Welt zeigt uns gerade, dass es keine Sicherheiten und Garantien gibt, das wir nichts kontrollieren in einer für uns unbegreiflichen Schöpfung und seltsamerweise oder vielleicht auch gerade deswegen, strebt der Mensch anscheinend nach immer mehr Sicherheit und Kontrolle. Bei Hörsum an der Wolfseiche und am Menteberg ist massiv abgeholzt worden und viele, ehemals wundervolle Wege sind abschnittsweise verkrautet, unschön anzusehen oder verschwunden bzw. abgeschnitten. Auch das Waldstück am Start- und Zielparkplatz ist komplett weg und auf einigen Dutzend Metern damit auch der Weg. Das hört sich verheerend an und wir haben einige Male geflucht und uns durchs Unterholz „gearbeitet“. Aber die noch vorhandenen Pfade, die diesen Weg vor Jahren noch zu einem „Premium-Wanderweg“ machten, sind noch in ausreichendem Maß vorhanden und wem es nichts ausmacht, die ein oder andere Härte zu erfahren, der kann hier zur rechten Zeit was erleben. In der Karte sind Abkürzungen verzeichnet, die schwer begehbare Wege vermeiden, bis auf den eher unvermeidlichen am Parkplatz.

Dieser Parkplatz, einst ein netter Waldparkplatz mit Rastbank, zeigt schon, was auf uns zukommt und wie sehr die Forstwirtschaft am Wandern und Spazieren in ihrer Erwerbsquelle interessiert ist. Dass Menschen in der Natur arbeiten, heißt ja noch lange nicht, dass sie diese auch respektieren. Für viele scheint der Wald nur eine Monetenquelle wie jede andere zu sein. Na ja, wir alle werden wohl bald erleben dürfen oder müssen, was wir damit letztendlich uns selbst antun. Aus dem Parkplatz ist jetzt also ein matschiger Holzabladeplatz geworden, der rundum von Bäumen befreit ist und dessen Zugangswege in westliche Richtung weg gepflügt wurden. Wir gehen aber erst einmal über die Straße und wenden uns dem Sackwald zu.

Am Kratzberg

Am Kratzberg

Horstberg, Reißel, Wolfseiche, Kratzberg und Menteberg – das sind heute die Stationen im nordwestlichen Teil des Sackwaldes, der seinen Namen vom Alfelder Ortsteil Sack hat. Das ist alles nicht so aufregend wie manch andere Gegend oder Lokalität im Umland, wie die Räuber-Lippolds-Höhle bei Brunkensen, die Hohe Schanze, die Ruine Winzenburg und die Apenteichquelle bei Winzenburg oder etliche andere sagenumwobene Orte der Umgebung. Wenn man hier wandert, meint man aber eine gewisse Andersartigkeit dieser Gegend spüren zu können. Im weiten Umfeld von Alfeld mit seinen teils schroffen Höhenzügen, sehe ich heute ohne genaue Kenntnisse, die aber auch niemand anderer besitzt, ein Zentrum der nie genau lokalisierten Cherusker. Diese Gegend atmet an so vielen Stellen Geschichte und alten Geist, das es manchmal regelrecht fühlbar wird. Das kann natürlich auch völliger Blödsinn sein.

Wir wandern also zuerst einmal zum Reißel und an dessen Waldrand in Richtung Hörsum. Den kleinen, beschaulichen Ort, den wir heute komplett weitläufig umrunden, betreten wir nicht, aber hinter der Kirche steht im Wald die erste Bank zum Ausruhen. Am Ortsrand geht es dann zu einem Waldrandweg an einem Waldstück namens Wolfseiche. Hier ist so massiv gerodet worden, dass der Weg momentan etwas beschwerlich begehbar ist. Inwieweit sich noch jemand die Mühe machen wird, diese Wege wiederherzustellen und wie es weitergeht mit dem Waldsterben, mag niemand vorherzusehen. Hier habe ich den ersten Alternativweg eingezeichnet. Nimmt man den Waldrandweg trotzdem, landet man an einem in die Jahre gekommenen Rastplatz mit möglichem Parkplatz am Kirchweg. Am Waldrand der Wolfseiche geht es etwas hinauf, dann am nächsten Rastplatz rechts zum Kratzberg. Viele Fichten gibt es hier glücklicherweise nicht mehr, aber die immer wieder auftauchenden Kahlflächen müssen erst einmal zuwachsen. Am Waldrand stehen diverse Sommerpflanzen, die beliebt bei Insekten sind, wie der Echte Dost und etliche Disteln. So war es eine Freude, den vielen Schmetterlingen zuzusehen, die durch die Gegend „taumelten“. An einer kleinen Freifläche geht es links hinauf und dann auf einem Wald- und Feldrandweg am Hang des Kratzberges entlang. Das ist der erste prächtige Weg des Tages, der von der Urigkeit dieser Gegend zeugt. Solche Wege suchen wir und noch kann man sie auch finden, wenn man lange genug danach sucht.

Trotzdem Wahnsinn, wie sich die Gegend allein in den letzten sieben Jahren verändert hat, auch bedingt durch das Sterben der Nadelbäume, die meistens nicht zum Guten veränderte Forstwirtschaft und natürlich den eigenen Gedächtnisverlust. Trotzdem immer noch ein sehr schöner Wald- und Waldrandweg. Am nächsten Abzweig geht es rechts den Kratzberg hinauf und weiter zum Menteberg. Dort sind einige Härten zu erwarten und wer sich diese ersparen will, der kann hier einige Kilometer abkürzen, wie in der Karte mit dem Ausrufezeichen markiert. Ansonsten geht es einmal spürbar hinauf in die Feldmark zwischen Kratz- und Menteberg. Bei besserem Wetter als wir es hatten, bekommt man schöne Ausblicke in die Landschaft östlich von Sack, die wir bereits während einer der letzten Touren in der Gegend kennengelernt haben. Wir gehen in der Feldmark nach links auf einen im Sommer etwas verkrauteten Feldweg. Der mögliche Weg in den Wald sieht aber übler aus. Auf dem Weg in Richtung Langenholzen, das wir, obwohl ich es in den Titel integriert habe, eigentlich nicht wirklich erreichen, erstreckt sich vor uns in der Ferne der Rand der Sieben Berge. Auch hier haben wir ja dieses Jahr bereits eine Wanderung eingestellt. Am Waldrand wollten wir eigentlich links abbiegen, aber dieser Weg existiert nicht mehr.

Blick zurück zum Menteberg

Blick zurück zum Menteberg

Also müssen wir ein Stück weiter hinab nach Langenholzen und dann auf einen kleinen Schnuffelpfad, der nach kurzem eine scharfe Kehre macht und nahe einem Schulgelände auf einen breiteren Forstweg führt. Ein kurzer Premium-Pfad nur, der Lust auf mehr macht. Da der Forstweg hier zu einer riesigen Ablade- und Wendeschleife ausgebaut wurde, ist die Einmündung des kleinen Pfades verschwunden und wir müssen uns kurz den Hang hinab arbeiten. Der weitere Weg ist eine Weile noch okay, wenngleich man merkt, das aufgrund der Veränderungen hier nicht mehr allzu viele Leute langgehen, dann ist der weitere Weg wieder einmal nahezu verschwunden. Irgendwer scheint sich hier aber noch zu bemühen, eine Begehung weiter zu ermöglichen und nach ein paar Metern durchs Unterholz kommen wir auf einen tollen Pfad, an dem sogar eine Bank in gutem Zustand steht. Der folgende Weg, der im Frühling und Frühsommer bestimmt auch einige botanische Erlebnisse bereithält, ist die Mühe wieder wert. Ein wanderbarer schmaler Pfad führt am Berghang hinab. Die Einmündung in den darauf folgenden Waldrandweg am unteren Hang des Menteberges ist allerdings wieder verschwunden und es geht wieder einige Meter durch den Wald.

Es ist ein Wechselbad der Gefühle und man muss schon etwas Geduld und „Leidensfähigkeit“ mitbringen. Mal sehen, wie sich das hier in der Gegend weiter entwickelt. Hoffen wollen wir das Beste, rechnen müssen wir mit dem Schlimmsten. Der schöne Waldrandweg bringt uns hinaus in die Feldmark zwischen den Bergen und dann etwas hinab zum nächsten Waldstück. Auf einem schmalen Pfad geht es durch dieses zu einer Freifläche mit Bank, von der aus man einen Ausblick auf einen Teil Alfelds und das dahinterliegende Leinebergland genießen kann. Hier wollten wir einen der beiden schmalen Pfade nehmen, die zum Heitkamp hinabführen. Beide waren völlig verschwunden. Also ging es auf einem etwas breiteren Parallelweg zurück und dann auf dem als Mountainbike-Strecke eingezeichneten Pfad. Da dieser nicht jedem munden wird, habe ich den 2014 begangenen Weg eingezeichnet, der an der schönen Eulenblickhütte entlangführt. Hier kann man eine gepflegte Rast einlegen und dann auf dem folgenden Waldrandweg schöne Aussichten nach Alfeld und Hörsum genießen. Die Landmarke der Perle des Leineberglandes, der Sappi-Turm, ist unverkennbar. 2014 hatten wir ein bislang einmaliges Erlebnis hier, als ein gewaltiges Schwein am Wegesrand in der Sonne lag und schnarchte wie ein Sägewerk. Apropos Schnarchen! Da soll das weltweit einzigartige Schnarchmuseum Alfeld-Langenholzen nicht unerwähnt bleiben.

Wir gehen kurz hinab in einen Randbezirk Alfelds, den wir nach wenigen Metern bereits wieder verlassen, um auf dem Radweg an der K404 zum Regenrückhaltebecken an der Wambeeke zu gelangen. Hier stehen auch einige Bänke, auf denen man pausieren kann, bevor der „Aufstieg“ zum Steinberg beginnt, an dem man sich nach Lust und Laune die Wege aussuchen kann, um letztendlich zum Kriegerdenkmal zu gelangen. Von überall gibt es einige spannende Aussichten auf Alfeld und dessen nähere Umgebung. Schließlich kommen wir zum schönen Platz am Kriegerdenkmal bzw. den Kriegerdenkmälern der Stadt. Hier kann man auch noch einmal verschnaufen, bevor man sich auf den letzten Teil der Tour begibt.

Aussicht ins Leinebergland (2014)

Aussicht ins Leinebergland (2014)

Obwohl wir trotz der Härten einige schöne Abschnitte hatten, ist der Steinberg das Highlight des Tages. Der Wald des Höhenrückens ist an keiner Stelle wirklich breiter als hundert Meter, aber trotzdem gibt es immer zwei bis drei parallel laufende Wege, von denen man sich nach Belieben den schönsten aussuchen kann. Empfehlenswerter sind aber eher die südlicher gelegenen Wege bzw. weitestgehend der Kamm- oder Höhenweg in der Mitte. Hier blüht zur rechten Zeit nicht nur eine große Menge des Stattlichen Knabenkrauts, auch andere botanische Besonderheiten lassen sich entdecken. Außerdem ist der schmale, knorrige Pfad auch so schon höchst wanderbar. Über Stock und Stein schlängelt der Pfad sich durch den urigen Wald, der auch einige aufgelassene, kleine Steinbrüche aufweist. Ein Weg zum Genießen, der zum Schönsten zählt, was das Alfelder Bergland zu bieten hat und der keiner weiteren Beschreibung bedarf. Einfach herkommen und erleben. Empfehlenswert ist es auf jeden Fall, den mittig zwischen Röllinghausen und der Hasenhütte gelegenen Rastplatz zu erreichen. Dieser ist wundervoll für die letzte Rast des Tages geeignet und bietet nebenher noch eine tolle Aussicht über das beschauliche Röllinghausen ins Leinebergland. Die Hasenhütte erreichen wir eigentlich nicht, da muss man sich bei Bedarf ein wenig durch den Wald schlagen oder vorher den nördlichen Waldrandweg nehmen. Vom Waldrand hat man dann noch eine wirklich hervorragende Aussicht auf Hörsum. Am Ende des Tages erwartet uns dann nicht die erste, aber zumindest die letzte wirkliche Durststrecke. Der kleine Pfad, der früher durch einen Fichtenwald zum Parkplatz führte, wird zum Ende hin immer schlechter und wir mussten uns die letzten dutzend Meter durch die Brennnesseln und Brombeeren schlagen. Da erfüllten die Wanderstöcke einen etwas anderen Zweck. Eine Umgehung wäre allerdings sehr schwierig und so bleibt nur zu hoffen, das es hier irgendwann wieder besser wird.

Eine Wanderung, die ich so vor einiger Zeit vielleicht nicht einmal eingestellt hätte. Die Welt, das Klima und der Wald sind im Wandel und niemand weiß, was uns noch erwartet. Viele Wege sind nicht mehr so bequem zu gehen, viele geraten in Vergessenheit, auch weil das moderne Wandern sich vielerorts auf andere Dinge konzentriert als Ruhe und Abgeschiedenheit. Solange die Möglichkeit besteht, diese etwas ins Abseits geratenen Landschaften noch zu erleben, will ich das trotzdem tun und auch darauf hinweisen. Ich laufe lieber einmal hundert Meter quer durch den Wald ohne einen Weg, als kilometerlang auf breiten Wegen durch eintönige Forstwälder. Alfeld ist ein nicht großartig bekanntes Wanderparadies in Südniedersachsen, das leider etwas in Vergessenheit geraten ist. Unter anderem auch, weil der Sinn der Menschen sich gewandelt hat und viele Menschen, ich nehme mich da nicht aus, nicht mehr bereit sind, ihre Freizeit zur Erhaltung regionaler Wege zu investieren. Wie wird sich das Wandern verändern und wie der Wald? Wie wird sich die Welt verändern und wie kann es sein, das Menschen immer wieder glauben, etwas Besonderes zu sein oder etwas zu wissen, wenn sie nicht eine einzige Sekunde in die Zukunft sehen können und immer wieder nichts aus ihrer Vergangenheit lernen wollen?

Bildergalerie mit Lightbox

Wanderkarte mit GPX

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