KWW 6: Bad Lauterberg – Barbis – Bartolfelde – Osterhagen – Bad Lauterberg:

Vom Parkplatz am Butterberg geht es hinab nach Bad Lauterberg, wo wir als Erstes das bemerkenswerte, ehemalige Hüttenwerk Königshütte erreichen. Nach Erkundung des Geländes geht es kurz darauf auf den urigen Uferpfad direkt an der Oder, der uns nach Barbis bringt. Ein Stück geht es durch den Ort, die umgebende Feldmark und noch einmal am Ortsrand entlang, dann wandern wir am Röhlberg und den Westersteinen vorbei nach Bartolfelde. Durch eine ausgedehnte Karstlandschaft gelangen wir nach Osterhagen, das wir ebenfalls durchqueren. Am Schachtberg begegnen wir alten Pingen und dem Eulenstein, bevor wir uns auf schmalen Wegen ins Winkeltal begeben. Noch einmal geht es hinauf und schließlich mit schönen Aussichten zurück zum Ausgangspunkt…

  • Anfang Juli 2021
  • Ende August 2014

Ungefähr 350 Höhenmeter Aufstiege und ebenso viele Abstiege. Ein munteres Auf und Ab ohne nennenswerte Lungenprüfer. Die Wege bieten nahezu alles, was man vom (westlichen) Karstwanderweg kennt mit einem recht hohen Anteil an festen und asphaltierten Wegen…

Königshütte, Pfad im Odertal, zahlreiche Karsterscheinungen, wie z.B. das ND Westersteine, das ND Erdfall unter dem Hundeberg, das Grundlos, den Hellengrund und Dreymanns Teich im NSG „Gipskarstgebiete bei Bad Sachsa“, den Eulenstein und zahlreiche weitere…

Am Weg selbst gibt es lediglich eine Einkehrmöglichkeit im Hof-Cafe Müller in Bartolfelde. Etwas abseits eventuell in Bad Lauterberg oder Barbis…

Kleiner, ruhiger Parkplatz am Butterberg. Ansonsten am Röhlberg in Barbis…

Man kann die Tour auch vom Bahnhof „Bad Lauterberg – Barbis“ starten und statt der von uns gegangenen Abkürzung den Europäischen Fernwanderweg 6 als Verbindung zwischen den Zweigen des Karstwanderweges wählen. Das verlängert die Tour um zwei bis drei Kilometer…

Parkplatz Butterberg/Schmandberg – Bad Lauterberg – Königshütte – Oder – Barbis – Fasanenweg – Röhlberg – ND Westersteine – Bachschwinde in der Straut – Bartolfelde – Jacobsberg – Grundlos – NSG Gipskarstgebiete bei Bad Sachsa – Dreymanns Teich – Osterhagen – Schachtberg – Eulenstein – Winkeltal – Parkplatz Butterberg/Schmandberg

Industriedenkmal Königshütte mit dem Hüttenbrunnen

Industriedenkmal Königshütte mit dem Hüttenbrunnen

The times they are a´ changing! Trotz aller Widrigkeiten lockt uns der Karstwanderweg im Südharzer Gipskarst immer wieder an. Gerade im (nieder-)sächsischen Teil des Fernwanderweges, der hier zudem in zwei Zweige aufgeteilt ist, gibt es immer wieder Abschnitte, die man einfach weniger wirklich genießen kann, sondern eher ertragen muss. Durch Dornen wandert man zu Rosen. Dieses Mal, im letzten Jahr haben wir begonnen, wollen wir noch einmal, mit hoher Wahrscheinlichkeit ein letztes Mal (fast) den gesamten Weg gehen, um uns dann aus den schönsten Abschnitten eigene Touren zusammenzubasteln. Diese werde ich dann nach Beendigung des offiziellen Weges, wenn wir sie auch so gegangen sind, wie wir uns das vorstellen, als „Best of Karst“ einstellen. Das soll aber niemanden abschrecken, den ganzen Weg selbst zu gehen und sich selbst ein „Urteil“ oder besser eine Meinung zu bilden. Wer den Weg zum Beispiel als Strecke geht, der wird etliche der Übergangswege, die wir als „Rundwanderer“ gehen müssen, weglassen können. Wobei es beileibe nicht immer nur diese Verbindungswege sind, die nicht ganz so erlebnisreich sind wie der Karstwanderweg, der selbst auch teil- und streckenweise etwas anstrengend sein kann. Nicht gerade begünstigend wirken dann Umstände wie die sogenannte Energiewende mit ihren zumindest für uns landschaftlich nicht gerade reizvollen Windkraftmeilern und Maisfeldern, der Ausbau der Bundesstraße 243 zur „Südharz-Autobahn“ in den letzten Jahren und der immer noch fortschreitende Gipsabbau. Aber trotz alledem ist und bleibt dieser Wanderweg einzigartig und bietet immer wieder einzigartige Landschaften und Naturphänomene, die man ansonsten nirgends in unserer Heimat findet.

Gar nicht so gut, gleich mit Jammern auf hohem Niveau zu beginnen, aber so haben wir das weitestgehend hinter uns. Die sechste Wanderung unserer auf siebzehn Etappen angelegten Erwanderung des Karstwanderweges lässt wieder eine Lücke zur letzten Tour offen. Würden wir nämlich bis zum Europäischen Fernwanderweg E6 gehen, um die Zweige des Karstwanderweges zu verbinden, wäre uns die Runde einfach viel zu lang und wir müssten nahezu ganz Barbis durchqueren. Also kürzten wir auch hier wieder etwas ab. Start ist ein inoffizieller Parkplatz an einem „Gashäuschen“ am Butterberg oder Schmandberg (witzig), hinter dem sich eine Parkmöglichkeit für mehrere Fahrzeuge befindet. Inoffiziell ist das Plätzchen wegen eines Verbotsschildes an der Einfahrt, das von vielen einheimischen Spaziergängern und den hoffentlich gewogenen Ordnungskräften locker gehandhabt wird. Hier hat man von einer hervorragend positionierten Bank gleich am Anfang eine herrliche Aussicht auf Bad Lauterberg und den dahinterliegenden Harz. Zu unserer wiederholten „Schande“ müssen wir gestehen, dass wir diesem Teil des Südharzes bislang wenig Beachtung geschenkt haben. Selbst unsere relativ kleinen Wandergebiete in Bereichen von Niedersachsen, Hessen, Thüringen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt sind einfach viel zu groß, als dass das man überall gewesen sein könnte. Touren zu den Lauterberger „Hausbergen“ und im Bereich Bad Sachsa, Wieda, Zorge etc. sind aber schon für die Zukunft geplant. Bevor es losgeht, kann man noch einmal die wunderbare Aussicht genießen. Von hier oben sind „lauter Berge“ zu sehen, unter anderem der Hausberg und der Kummelberg, die beide durch ihre Bebauung leicht auszumachen sind.

Hausberg, Kummelberg und Großer Knollen

Markant erhebt sich der 130 Höhenmeter über Bad Lauterberg stehende Hausberg (420m). Ebenso markant thronte hier einst die 1183 fertiggestellte Lutterburg, die sich den Namen vom Ort lieh, der noch mindestens bis 1530 diesen Namen trug. Die Grafen von Scharzfeld waren die Erbauer und nannten sich ab 1183 Grafen von Scharzfeld-Lutterberg. Bereits im 15. oder 16. Jahrhundert fiel die Höhenburg wüst und heute sind nur wenige Reste der einstigen Ringmauer erhalten. Den Berg kann man bequem mit der Burgseilbahn erreichen oder ihn zu Fuß erklimmen, um sich dann in der aussichtsreichen Berggaststätte zu erfrischen.

Auf dem Kummelberg (536m) oder Kummel, noch einmal über 100 Meter höher als der Hausberg, steht seit 1904 ein Bismarckturm, der über 71 Stufen erklommen werden kann und der eine schöne Aussicht auf die Umgebung bietet. Die angeschlossene Waldgaststätte bietet nach der Anstrengung des Aufstiegs eine willkommene Erfrischung.

Etwas weiter entfernt erhebt sich der Große Knollen (687m), ein Porphyrvulkan. Er gehört eigentlich nicht mehr zu den „Hausbergen“ Bad Lauterbergs, ist aber von hier auf vermutlich schönen Wanderwegen zu erreichen. Auf den erschöpften Wanderer, der mehrere hundert Höhenmeter von Bad Lauterberg aufgestiegen ist, wartet optional ein weiterer Aufstieg zum 20 Meter hohen Knollenturm und/oder eine Einkehr in der Knollenbaude.

Der Uferpfad an der Oder

Der Uferpfad an der Oder

Vom Butter- oder Schmandberg geht es hinab nach Bad Lauterberg bzw. an den Rand des Ortes, von dem wir so gut wie nichts mitbekommen. Durch die schönen Bergwiesen erreichen wir zuerst ein marodes Gelände, das darauf hindeutet, das hier einst ein Mühlenbetrieb bestand. Danach geht es sofort auf das Gelände des Industriedenkmals Königshütte. Bei unserem allerersten Besuch war die Hütte noch in Betrieb und es gab während der Arbeitszeiten Führungen. 2001 wurde sie dann geschlossen. Dass wir so früh in dieser Gegend unterwegs gewesen sind, hätte ich nicht gedacht. Da muss ich bei Gelegenheit mal die alten Foto-Ordner durchsehen. Heute ist in der wirklich sehenswerten kleinen Hütte ein Museum eingerichtet und es werden Führungen angeboten. Am schönsten finden wir, dass die Königshütte keine gewaltige Anlage ist, sondern eine, die klein und heimelig daherkommt. Umso erstaunlicher, dass das 1733 entstandene Hüttenwerk so lange in Betrieb gewesen ist. Ein Rundgang über den Hof ist angeraten und eröffnet immer neue Blickwinkel auf das Ensemble. Vorbei an ehemaligen Wohngebäuden, in einem von ihnen befindet sich ein Südharz-Museum und ebenso an der ehemaligen Getreidemühle vorbei, verlassen wir das Gelände und kommen direkt an der Oder heraus. Der nun folgende Abschnitt entlang des Oderufers gehört zu den Highlights des Tages, ist aber das genaue Gegenteil von barrierefrei. Bei unserem diesmaligen Besuch war zwar die Sperrung des Weges aufgehoben, wenngleich ein Schild versehentlich nicht abgenommen worden war, aber der Weg war in einigen Teilbereichen knifflig. Für einen durchschnittlich „bewanderten“ Menschen sollte er aber keine Schwierigkeit darstellen. Als kleiner Tipp aus eigener Erfahrung: Der Karstwanderweg ist manchmal Veränderungen unterworfen und es gibt Sperrungen. Für eine möglichst aktuelle Wegeführung sollte man die Wegekarte der Website karstwanderweg.de zu Rate ziehen. Auf anderen Karten, wie z.B. OSM, sind die Wege manchmal nach Monaten nicht geändert.

Die Oder entspringt im zentralen Harz, in der wunderbaren Landschaft des Oderbruchs zwischen Oderbrück und der Achtermannshöhe, siehe diese Tour. Die Hälfte ihres ca. 56 Kilometer langen Weges zur Mündung in die Rhume unterhalb der besuchenswerten Katlenburg legt sie im Harz zurück, die andere in dessen Vorland. Wenngleich das Odertal etliche landschaftlich schöne Abschnitte aufweist, ist der jetzt von uns begangene auch ein Knaller. Auf knapp zwei Kilometer Länge hat der Harzfluss sich hier in die Landschaft gesägt und auf einem weitestgehend sehr schmalen Pfad wandern wir zwischen Wasser, Hängen und Felsen. Eine üppige Vegetation, die auch die Felsen bedeckt, begleitet den Fluss. Durch die Trockenheit an den steilen Hängen kam es im Herbst 2020 zu ausgedehnten Sicherungsarbeiten, die jetzt wohl weitestgehend abgeschlossen sind. Ein paar Stellen gibt es noch, an denen man ein wenig aufpassen muss, nicht ins mit Erfrischung lockende Nass zu plumpsen. Diese knapp zwei Kilometer sind ein Genuss, der an der Brücke der Bundesstraße 243 ein Ende findet. Das „blaue Wunder“ markiert auch den Übergang nach Barbis, das die nächsten Kilometer bestimmend ist. Auf dem Förstersteg kommen wir an einem ehemaligen Sägewerk in den Ort, gehen ein paar Meter an der Oderfelder Straße und dann links den Fasanenweg hinauf. Hier verlassen wir auch den nördlichen Zweig des Karstwanderweges und nehmen den Übergang zum südlichen Zweig. Man kann hier auch weiter der Straße bis zum E6 folgen und diesem zum südlichen Zweig des Karstwanderweges folgen. Man lässt dann weniger Karstwanderweg weg, muss dann aber nahezu komplett durch Barbis laufen und verlängert die Strecke auch deutlich. Unser Aufstieg durch den Fasanenweg ist durchaus anstrengend, nicht unbedingt weil es sich bei der umgebenden Siedlung um ein „Neubaugebiet“ handelt, sondern auch weil es spürbar hinaufgeht. Am oberen Ende erwartet uns dann eine heißersehnte Bank zwischen Linden, bevor wir durch den Sperberweg den Ort erst einmal wieder verlassen.

Aussicht nach Barbis

Aussicht nach Barbis

Es geht mit netten Aussichten durch die Feldmark der Koldung bei Barbis. Noch einmal geht es hinab in den Ort, den wir dann aber auf einem Feldweg zum Röhlberg gleich wieder verlassen. Rechtsherum umrunden wir das kleine Waldstück, wobei es an einer Pausenbank einen schönen Rückblick auf das von hier idyllisch wirkende Barbis gibt. Links vom Ort liegt der Bühberg mit der alten Warte und dem Ferienhausdorf, rechts lugt die Ruine Scharzfels aus dem Harz. Ist der Waldrandweg am Röhlberg zu sehr verkrautet, nimmt man einen anderen. Hauptsache, es geht zu den Westersteinen. Die verstecken sich in drei kleinen Waldstücken, von denen wir heute nur das östlichste erreichen. Auf zahlreichen kleinen Pfaden kann man das Gebiet erkunden oder nimmt den leichten Einstieg, der hinter einer Bank gleich zu dem oder einem der imposantesten Felsgebilde führt. Diese entstanden, wie wir einer Infotafel entnehmen können, vor über 200 Millionen Jahren, als der Südharz sich ungefähr dort befand, wo heute Teneriffa liegt. Die Westersteine sind die erodierten Überreste eines in Europa einzigartigen Riffs aus Algenmatten. Das ist schon faszinierend, was der Karst an manchen Stellen zu bieten hat. Als wir hier unterwegs waren, kam es dann zu einem weiteren, allerdings nur temporär auftauchenden Naturphänomen. Eine ganze Gruppe von Milanen stieß hinter einem Mähdrescher immer wieder in das gemähte Gras, um sich einige Leckerbissen zu Gemüte zu führen und machte dabei einen Heidenlärm.

Hinter den Westersteinen geht es hinab zur Bachschwinde in der Straut, die trockengefallen für den Laien erst einmal nicht als Karsterscheinung erkennbar ist. Bei ausreichenden Regenfällen entsteht dann hier temporär ein kleiner „Teich“. Wohin das Wasser von hier aus unterirdisch fließt, konnte bislang nicht eindeutig festgestellt werden. Wir erreichen Bartolfelde und den kleinen Dorfteich mit einladender Pausenbank. Ob dieser auch durch Verkarstung entstanden ist, ließ sich nicht feststellen. Der Karstweg macht dann hier einen langen Schlenker nach links, um einen Abstecher zum überregional bekannten Bartolfelder Steinbruch anbieten zu können. Dieser schließt ein fossiles Kliff aus der Zechsteinzeit auf. Da man nicht alles im Leben haben kann und muss, die geologischen Aspekte uns nicht immer so sehr interessieren und die Verlängerung weg-technisch nicht so prickelnd aussah, schenkten wir uns das und durchquerten das kleine Bartolfeld direkt. An der Bartolfelder Straße bietet das Hof-Café Müller die einzige Einkehrmöglichkeit direkt am heutigen Weg. Wieder auf dem Karstweg, geht es gleich nach rechts in die Königsberger Straße, wo wir auf einen unübersehbaren Schwinderdfall stoßen, der als Naturdenkmal ausgewiesen ist. Das hier abfließenden Wasser taucht nachweislich an der Rhumequelle wieder auf. In der umfangreichen Dokumentation auf Karstwanderweg.de findet man Bilder, die den Erdfall nach heftigen Regenfällen oder nach der Schneeschmelze zeigen. Als wasserscheuer Nichtschwimmer möchte ich hier lieber nicht wohnen. Es geht weiter hinauf zum Jacobsberg, der ebenfalls mit einigen deutlich sichtbaren Karsterscheinungen aufwartet. Unübersehbar dann das Grundlos, das sich in einem kleinen Waldstück verbirgt. Das ist im „kleinen Maßstab“ das, was den Karstwanderweg immer wieder so faszinierend macht. Ein fast schon gruselig anmutendes Loch im Boden, von kleineren Löchern umgeben. Die Infotafel gibt Auskunft, das hier ein in den 1950er Jahren ermordetes Ehepaar aus der Umgebung gefunden wurde und bei einem Tauchgang von zwei Spezialtauchern, die den Erdfall erkundeten, ein totes Schwein. Das macht die Sache nicht wirklich besser. Wir gehen zwischen den Wasserflächen hindurch und treten wieder hinaus in das Tageslicht.

Im Winkeltal

Im Winkeltal

Es geht weiter mit Karsterscheinungen. Wir befinden uns im Hellengrund, der zum Naturschutzgebiet „Steingrabental – Mackenröder Wald“ zählte, das im Februar 2021 mit zahlreichen Schutzgebieten und Naturdenkmälern im Naturschutzgebiet „Gipskarstgebiet bei Bad Sachsa“ aufging. Deutlich in der Landschaft erkennbar liegt Dreymanns Teich, der eigentlich aus zwei Teichen besteht. Ein schmaler Pfad führt ans Ufer eines der schönen Teiche, die wir ansonsten am besten in Ruhe lassen. An der nächsten Kreuzung verlassen wir den Karstwanderweg erst einmal wieder und es geht asphaltiert nach Osterhagen, das uns mit einer dringend nötigen Bank am netten Feuerlöschteich begrüßt. Hier durften wir Hund und Katz beim munteren Treiben beobachten und eine Flugschule Schwalben beim Wasser fassen im Teich. Kurz geht es durch den Ort, dann verlassen wir diesen und überwinden die kurze Durststrecke zum Schachtberg. Wir überqueren zum zweiten und letzten Mal die B243 und steigen dann bergan. Am Schachtberg gibt es für uns heute nicht sichtbare Pingen eines historischen Eisenerzbergbaus. Hier wurde mit Unterbrechungen vom 16. bis ins 19. Jahrhundert Eisenerz abgebaut, das von der Königshütte in Bad Lauterberg verhüttet. Oben am Schachtberg angekommen, erwartet uns etwas unerwartet der Eulenstein, der den Rest eines ehemaligen Meeresriffs markiert.

Hier kann ich gleich noch, weil es mir gerade einfällt, auf ein tolles „Feature“ für Wanderer im Harz und am Karstwanderweg hinweisen. Zum einen finden wir hier am Eulenstein ein altes, braunes Metallschild der früheren Beschilderung des Karstwanderweges. Der Karstwanderweg war bis in die 1990er Jahre geteilt und es gab mehrere Wegbetreiber, die alle ihre eigenen Schilder hatten. Diese wurden irgendwann vereinheitlicht, die alten Schilder aber glücklicherweise an vielen Stellen nicht abgenommen. Die gelben Holztannen kennt auch jeder, der mal im Harz unterwegs war. Es sind die sogenannten Dennert-Tannen, benannt nach dem Oberbergrat Herbert Dennert, der sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sehr stark für den Erhalt von Bergbaudenkmälern einsetzte. Wie viele dieser gelben Holztafeln es im Harz gibt, weiß wohl niemand genau. Auf ihnen findet man auf jeden Fall mannigfaltige Informationen über viele Örtlichkeiten des Harzer Bergbaus. Hinterm Eulenstein geht es entspannt gen Ausgangspunkt. Zuerst auf einem freundlichen Waldweg, dann auf einem Stichpfad ins Winkeltal. Ein paar Meter gehen wir im Tal hinab, dann über die Wolfswiese in das nächste Waldstück. Zum Ende gelangen wir wieder in eine Offenlandschaft, durch die wir die letzten paar hundert Meter zurück zum Schmandberg gehen, an dem wir geparkt haben.

Das war eine Wanderung im westlichen Karstgebiet, die wieder alles bot, was diese Landschaft ausmacht. Der Karstwanderweg steht für uns nach mehrfacher Begehung in etlichen Abschnitten nicht mehr als unantastbar da und wir verlängern, verkürzen und verändern, wo es uns in den Sinn kommt. Das ist manchmal nicht so einfach, wie man meint, weil zum Beispiel die B243, Eisenbahnstrecken, aktive und inaktive Bergbaugebiete, Naturschutzgebiete und endende Wege diesem Bestreben manchmal einen Riegel vorschieben. Die achte Etappe ist so eine, die sich kaum verkürzen lässt, weil es kaum Verbindungsmöglichkeiten gibt. Auf dem Karstwanderweg ist es selbst im etwas „ereignislosen Krautesommer“ schade, wenn man unter Zeitdruck steht oder so weit laufen muss, das es schmerzhaft wird. Trotzdem hat diese Landschaft uns über einen Zeitraum von mittlerweile 20 Jahren immer wieder angelockt, manchmal verärgert, aber sehr viel öfter fasziniert. Ich kann jedem nur empfehlen, den Karstwanderweg nur als grobe Richtschnur zu sehen und sich seine eigenen Wege zu suchen…

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