Lütgenade – Rühle – Rühler Schweiz – Lütgenade:

Vom Parkplatz an der K33 geht es Richtung Lütgenade, dann über die Grube Breitestein durch die westliche Rühler Schweiz nach Rühle. Von dort aus geht es in den östlichen Teil der Rühler Schweiz, geprägt durch die Landschaften um Sauberg, Großer Schweineberg, Großer Apenberg und Dietrichsberg, dann zurück zum Ausgangspunkt…

  • Ende April 2020
  • Mitte April 2014

Knapp über 450 Höhenmeter Aufstiege und ebenso viele Abstiege. Einige wirklich knackige Anstiege und glücklicherweise nicht ganz so harte Abstiege. Der Weg ist an einigen Stellen, z.B. Grube Breitstein nicht barrierefrei, obwohl wir fast durchgehend auf befestigten Wegen, zu einem nicht unerheblichen Teil sogar asphaltiert unterwegs sind…

Herausragendes Landschaftserlebnis in der Rühler Schweiz mit (fast) allem was der Frühling zu bieten hat, (Ehemalige) Grube Breitestein… 

Nicht direkt am Weg, aber eventuell in Rühle…

Schöner Parkplatz an der K33 oberhalb von Lütgenade, alternativ auf der Passhöhe an der L580 oder an anderen Stellen der L580…

Der auf der Karte eingezeichnete Weg an der Grube Breitestein existiert eigentlich nicht mehr. Wir wissen nicht, ob die Grube noch in Betrieb ist. 2014 waren hier Arbeiter zugange, ließen uns aber passieren. 2020 kamen wir extra sonntags und es war niemand da. Um den eingezeichneten, alternativen Weg zu gehen, muss man das Grubengelände betreten. Man kann aber, falls man sich nicht traut oder man des Platzes verwiesen werden sollte, etwas vorher, z.B. dort wo noch der Weg eingezeichnet ist, auch über die Wiese gehen, wenn man sich ein wenig durchs Gebüsch kämpft…

Lütgenade (Parkplatz K33) – K33 – Äpeltern – Grube Breitestein – Spielberg – Schiffgrund – Rühle – Rühler Bach – In den Wiesen – Sauberg – Großer Schweineberg – Großer Apenberg – Dietrichsberg – Lütgenade (Parkplatz K33)

Blick Richtung Lütgenade

Blick Richtung Lütgenade

Lange, viel zu lange schoben wir die Rühler Schweiz vor uns her, bis es 2014 endlich so weit war. Vorher hatten wir aber schon ziemlich schlechte Erfahrungen mit den viel gepriesenen Höhenzügen von Solling und Vogler gemacht, deren Wälder eben auch durch den Bergbau geprägt sind, was meistens einen hohen Anteil an breiten Wegen und Fichten mit sich bringt. Letztendlich ist es kurz gesagt heute so, das wir den Solling und den Vogler nicht mehr bewandern, sondern nur noch wunderbar wanderbare Ecken im Vorland und am Rand, wie z.B. den Holzberg, die Weper, die Gegend bei Bad Karlshafen und weitere, wie z.B. die Rühler Schweiz und die hoffentlich bald in einem weiteren Beitrag vorgestellten „Dölmer Alpen“. In unserem Tagestouren-Wanderrevier, das Teile von Niedersachsen, Hessen, Thüringen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt umfasst, ist diese Gegend zwischen den kleinen, hübschen Orten Reileifzen, Warbsen, Dölme, Golmbach, Lütgenade und Rühle schon eine einzigartige Landschaft. Die „Hauptstraße“ der kleinen „Schweiz“, die L580, vermittelt einen guten Eindruck davon. Aber es ist trotzdem so, das man einige Gebiete, die wir auf dieser Tour bewandern, aus dem Auto nicht einmal ansatzweise sehen, erreichen oder erfahren, erleben kann.

Wir waren dieses Jahr „zu spät“. Relativ betrachtet, denn viele Wandergebiete haben ihren Reiz natürlich auch noch abseits des „besten“ Zeitpunkts. Die Kirschbäume waren also weitestgehend ausgeblüht, während sie 2014 noch in voller Pracht standen. Das hat uns aber zu keinem Zeitpunkt belastet, denn die Rühler Schweiz hat noch viele andere Qualitäten. Auf der Karte habe ich etliche Aussichtspunkte eingezeichnet, die aber nur stellvertretend für die nahezu durchgehend vorhandenen Aussichten stehen. Ich denke, das wir selten während der letzten zwanzig Jahre, mal abgesehen von der Rhön, einen so aussichtsreichen Weg durch eine so liebliche Landschaft gegangen sind. Botanisch war auch einiges los und nicht wenige andere Obstbäume „ersetzten“ die Kirschen. Wem die Tour übrigens zu kurz ist, der kann sie leicht verlängern, indem er z.B. den Kleinen Pagenrücken, den Äpeltern, die Gegend in Richtung Dölme oder den Weinberg bei Rühle mit einbezieht. Bei der Variante mit dem Weinberg würde ich es allerdings vermeiden, in die Wälder des Solling zu machen, sondern eher einen Abstecher von „unserer“ Route aus. Uns ist die Tour lang genug und durch den westlichsten Teil der Rühler Schweiz werden wir noch einmal eine ebenfalls wanderbare Runde drehen.

Blick in den Schiffgrund

Blick in den Schiffgrund

An einem milden Januartag machten wir eine Tour hierher und legten auf dem Parkplatz an der L580 eine Pause ein. Der war von Silvester so zugemüllt, das ich erst einmal diverse Feuerwerk-Batterien aus dem Weg räumen musste. Ich bin ja selbst ein Befürworter einer der letzten Traditionen, die aus Urzeiten überstanden haben, aber wenn einige Idioten sich immer wieder derart verhalten, wird der „gesellschaftliche Druck“ wohl irgendwann dem Treiben ein Ende bereiten. Na ja, im April war alles wieder sauber und so konnten wir die Wanderung an diesem schönen Aussichtsplatz beginnen. Von hier aus geht es erst einmal ein paar Meter an der L580 bergauf, bereits hier mit schönen Aussichten, z.B. in Richtung Köterberg. Vor der Kurve können wir die Straße dann bereits auf einen freundlichen Grasweg verlassen, der uns hinab bis kurz vor „die Tore“ von Lütgenade führt. Manch einer wird es vielleicht befremdlich finden, das ich im Titel der Beiträge manchmal Orte an den Anfang (bei Runden auch ans Ende) stelle, an denen die Wanderung eigentlich nicht beginnt. Das habe ich mir irgendwann angewöhnt, weil ich es irgendwie suboptimal fände, wenn ich z.B. in diesem Fall „Parkplatz L580“ an den Anfang setzen würde. Das nur mal nebenbei.

Der Grasweg führt uns durch eine freundliche Landschaft ziemlich weit hinab, dann geht es nach rechts gleich wieder hinauf. In dem kleinen Wald zur Rechten kann man zur rechten Zeit schon die ersten Exemplare des Stattlichen Knabenkrauts erwischen. Oben auf der Passhöhe angekommen, eröffnet sich wieder ein Rundblick in die Rühler Schweiz und darüber hinaus. Der nun folgende Weg führt zur (ehemaligen?) Gips-Grube Breitstein. Wie oben in den Info-Tabs erwähnt, kann es am Ende des Weges ein kleines Problem geben, das man aber lösen bzw. im Notfall auch umgehen kann. Da ist die „Kreativität“ des Wanderers eventuell gefragt. Zur Grube hin hat man rechter Hand über Weiden weitere Aussichten in den Schiffgrund, linker Hand findet sich ein Wald wechselnder „Qualität“. Kurz vor der Grube dann eine Wiese, die bei unserem aktuellen Besuch mit Schlüsselblumen und Wiesen-Schaumkräutern übersät war. Nach dem wie auch immer erfolgten Übergang auf den Weg in den schönen Schiffgrund, geht es auf einem angenehmeren Weg wieder etwas hinab. Kurz vor der L580 wenden wir uns dann an einem Hang nach links hinauf. An dem Hang standen einige Stattliche Knabenkräuter und noch mehr Exemplare des Purpur-Knabenkrauts. Diese vielleicht „prächtigste“ Orchidee unserer Breitengrade weist an manchen Standorten eine breite Farbvariation auf und hat sich deshalb in den letzten Jahren zu unserer persönlichen Lieblings-Orchidee entwickelt. Ein Wanderjahr ohne „Purpis“ ist irgendwie gefühlt ein unvollständiges Wanderjahr…

Die Schweiz des Weserberglandes...

Die Rühler Schweiz, wie eine eigenständige Landschaft wirkend, ist eigentlich der westlichste Teil des Voglers und wird als Kulturlandschaft von landesweiter Bedeutung eingestuft. Zwischen den Orten Rühle, Reileifzen, Lütgenade, Warbsen und Golmbach gelegen, hat sich diese Landschaft über die Jahrhunderte einen eigenen, etwas abseitigen Charme erhalten können. Ob bereits die hier ansässigen Germanen der Landschaft ihre Prägung verliehen oder die im 11./12. Jahrhundert durch den Hildesheimer Bischof angesiedelten, flandrischen Einwanderer, kann wohl nicht mehr gänzlich ergründet werden. Wohl durch den hier anliegenden Kalkstein war dieser Teil des Weserberglandes auf jeden Fall für eine Kultivierung als Weide- und Obstbaumwirtschaft besonders geeignet und so ist der Frühling die „beste“ Reisezeit, wenn die zahlreichen Kirschbäume die Landschaft in strahlendes Weiß tauchen. Am vorletzten Wochenende im April findet in mehreren Orten das Kirschblütenfest statt, an dem man sich auch über Streuobstwiesen und Landwirtschaft informieren kann. Mehrere Obsthöfe in der Gegend produzieren Produkte rund um die Kirsche, unter anderem auch Kirschwein.

Blick ins Wesertal

Blick ins Wesertal

Weiter hinauf geht es auf den Spielberg, von dem aus sich wieder etwas andere Ausblicke als zuvor bieten. Verheerend sieht momentan der Voglerrand aus, denn auch hier haben die letzten, viel zu trockenen Jahre richtig aufgeräumt mit den Fichtenbeständen. Darum würde ich den Vogler und auch den Solling, in dem es nicht besser aussehen sollte, noch weniger empfehlen als sonst. Das Wunderbare, das (noch) der sich erneuernde Nationalpark Harz mit sich bringt, wird hier wohl leider fehlen. Der Blick fällt aber auch auf den Weinberg bei Rühle, der unter Naturschutz steht und unbedingt besucht werden sollte. Heute wäre das zu aufwändig, deshalb genießen wir nur den Blick aus der Ferne. Es geht auf freundlichen Wegen durch eine ebensolche Landschaft hinab nach Rühle, das wir nur kurz streifen. Wie alle anderen kleinen Orte der Rühler Schweiz hat auch dieser sich seinen Charme früherer Zeiten erhalten können und ist einen Besuch wert. Wir wenden uns aus dem Ort und gehen jetzt auf einem angenehmen Fuß- und Radweg im Tal des Rühler Bachs, an der zu manchen Zeiten recht stark befahrenen L580. Ich mache mir da vielleicht keine Freunde, aber wenn ich „Könich“ wäre, gäbe es nur noch Elektro-Mopeds.

Nach einigen hundert Metern verlassen wir die Straße und folgen erst einmal einem asphaltierten Weg am Voglerrand. Der ist jetzt nicht besonders schön, aber auf der heutigen Tour sind eigentlich fast alle Wege mehr oder weniger stark befestigt. Das ist der Preis, den man an dieser Stelle (hoffentlich gerne) zahlt für ein hervorragendes Landschaftserlebnis und zahllose Aussichten ins Weserbergland. Irgendwann wenden wir uns dann dem Sauberg zu, den wir bei unseren ersten Tour glücklicherweise umrundeten, statt den kurzen Weg zu nehmen. Der Sauberg ist nämlich eines der „Filetstückchen“ des Tages. Dieses Jahr begann es gleich mit einem prächtigen, neugierigen und zutraulichen Kaltblut auf einer Wiese. Erinnerte ein wenig an einen Haflinger-Mix, ist aber wahrscheinlich eher eine eigene Kaltblutrasse. Hinter der ersten Weide geht es dann recht knackig den Sauberg mit seiner tollen Landschaft hinauf, kurz in den Wald und auf der anderen Seite hinab. Eine sehr sehenswerte Landschaft öffnet sich schon ein wenig in Richtung des Großen Schweinebergs. Der Hang zur Rechten (und auch zur Linken) birgt gegen Ende hin einen große Menge des Purpur-Knabenkrauts in allen Formen und Farben. Hier sind die wunderschönen Orchideen durch den steilen Hang auch sehr gut vor dem Zertrampeln durch unumsichtige Zweibeiner geschützt. Auch aus einigen Metern Entfernung lassen sie sich noch hervorragend bestaunen. Ein Stück weiter unten steigen wir dann in den Aufstieg zum Großen Schweineberg ein. Das ist eine wahrlich „abgelegene“, fast idyllisch anmutende Gegend der Rühler Schweiz und offenbart eine große Schönheit. An einem Eichenhain faulenzte auch sehr fotogen ein Trupp Kühe an und auf einem Heuhaufen, als wir hier waren.

Durchblick zum Holzberg

Durchblick zum Holzberg

Zum genießen ist der durchaus spürbare Anstieg zum Großen Schweineberg und der punktet ebenfalls mit einem Landschaftsbild, das für Wanderer wie gemacht ist. Nach links öffnet sich der Blick zum Vogler und man kann aufatmen, das man nicht dort unterwegs ist. Einige kahle Hänge und ein riesiger Holzsammelplatz bedeuten nichts Gutes. Der Weg am Großen Schweineberg ist allerdings bestens und so geht es beschwingt weiter an den teils noch bewirtschafteten Weiden und Wiesen. Bald erscheint am Horizont die schöne Silhouette des Holzberges, der allerspätestens nächstes Jahr bewandert werden muss. Heilige Pflicht! Mit Blick auf den ebenfalls interessanten, aber schwer in eine für uns sinnvolle Tour einzubindende Weinberg bei Holenberg, wenden wir uns dem Großen Apenberg zu. Die auf Karten eingezeichnete Aussicht haben wir nicht gefunden bzw. vielleicht an der falschen Stelle gesucht, aber Aussichten gab es ja auch schon reichlich. Wer denkt, es ginge steil hinab in Richtung Golmbach, der warte den recht brutalen Anstieg zur Südseite des Großen Schweineberges ab, an dem man das „Schweiz“ in Rühler Schweiz fühlen kann.

Den Namen Sorgen-Hütte fanden wir erst komisch, dann ergab er Sinn. Er rührt wohl daher, das man sich beim Erreichen Sorgen macht, ob man den Rest des Aufstiegs noch schaffen wird (Spaß). Endlich oben auf der Südseite des Großen Schweineberges angekommen, erwartet uns wieder eine sehenswerte Landschaft und weite Ausblicke. Ein kurzes Stück leider nur, dann geht es auf einen Forstweg, der uns zum Dietrichsberg führt. Ein kurzer finaler Anstieg, dann folgt ein langgezogener Weg über den Berg. Beim Austritt aus dem Wald erwartet uns in der Ferne wieder der Köterberg und weit reicht der Blick über die blühenden Rapsfelder. Das letzte Stück führt uns in langen Serpentinen bergab. Hier erwarten uns zur rechten Zeit blühende Obstbäume, ein paar Schafe, eine schöne letzte Pausenbank und ein freundlicher Weg, auf dem wir zur L580 gelangen und schließlich zu unserem Parkplatz.

Hinab am Dietrichsberg

Hinab am Dietrichsberg

Manchmal ist es ja so, das man eine Tour beim ersten Mal total cool und spannend findet, beim zweiten Mal dann irgendwie nicht mehr so sehr. Diese „Befürchtung“ hatte ich witzigerweise auch dieses Mal an dieser Stelle, aber ganz im Gegenteil. Trotz der (glücklicherweise weit entfernten) kahlen Stellen im Vogler war die Route durch die zentrale und östliche Rühler Schweiz ein echter Hammer. Nichts gegen die ausgewiesenen Routen hier, aber ich denke, dass unsere Tour durchaus ihre Daseinsberechtigung hat. An nicht vielen Stellen in „Norddeutschland“ wird man wohl eine solche Aussichten und Einsichten liefernde Rundtour machen können. Die festen Wege und das mehrfache Auf und Ab, das uns schon an die Rhön erinnerte, fordern ihren Tribut, aber was bekommt man für die Mühsal geboten? Das sind Landschaften die man aus dem Auto, vom Moped oder Rad glücklicherweise nicht erleben kann oder darf. Da ist harte und ehrliche Fußarbeit gefragt und angesagt.

Am Ende etwas Persönliches: Auf den Wanderungen der letzten Wochen haben wir einiges erlebt, das wir in den vorhergehenden zwanzig Jahren nicht erleben mussten. Da wurden wir (auch hier) auf aggressive, besserwisserische Art und Weise angesprochen, weil wir z.B. keinen Platz machen konnten auf einem schmalen Weg, ein paar Meter hinter einem Verbotsschild kurz parkten, um Pause zu machen oder auf einer Wiese vorm Wald rauchten. So etwas sind wir von den ansonsten eher liberalen und gechillten Wanderern eigentlich nicht gewohnt. Darum möchte ich an dieser Stelle meiner Hoffnung Ausdruck verleihen, das diese unsäglichen Beschränkungen des Jahres 2020 sich nicht auf Dauer etablieren und die Menschen endlich wieder ihre Köpfe benutzen, um sie dann später, in wiederhergestellter persönlicher Freiheit, hier draußen wieder freizubekommen…

Bildergalerie mit Lightbox

Wanderkarte mit GPX

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