Riddagshausen – NSG Riddagshausen – Buchhorst – Riddagshausen:

Vom Parkplatz am Höseweg geht es in den Auen von Wabe und Mittelriede zuerst nach Riddagshausen zum Kloster. Durch die Fischteiche des Klosters, durch das NSG Riddagshausen wandern wir zur Schäfersruh, zum Schapener und Weddeler Graben und zum Weddeler Bruch. Dann geht es in den Buchhorst, zu den Mönchsteichen bei Klein Schöppenstedt und am Kauleteich vorbei zum Ausgangspunkt…

  • Anfang März 2021
  • Anfang Oktober 2015
  • Ende Oktober 2012

Keine nennenswerten Auf- und Abstiege. Die Wege variieren zwischen Trampelpfad und Asphalt. In der ersten Hälfte meistens gut ausgebaute Wege mit festem Untergrund, in der zweiten eher naturbelassene und naturnahe Wege…

Niederung von Wabe und Mittelriede mit Neuem Land, Kloster Riddagshausen, NSG Riddagshausen mit zahlreichen Fischteichen und Wasservögeln, Schäfersruh und ehemaliger Bahnhof Schapen, Weddeler Grabenniederung, Buchhorst mit Gedenkstätte Buchhorst und mehr…

Am Weg selbst und in direkter Nähe gibt es mehrere Einkehrmöglichkeiten, wie z.B.

Netter, kleiner Parkplatz am Höseweg an der L625. Etliche weitere Möglichkeiten, z.B. in Riddagshausen am Kreuzteich, in der Straße „Am Hasselteich“, an der „Schäfersruh“, auf dem Waldparkplatz „Mönchsteiche“…

Riddagshausen – Wabe – Mittelriede – Neues Land – Kloster Riddagshausen – Fischteiche mit Fischerhaus – Reinertsteich – Schäfersruh – Ehem. Bahnhof Schapen – Schapener Graben – Weddeler Graben – Buchhorst – Mönchsteiche – Gedenkstätte Buchhorst – Kauleteich – Riddagshausen

An der Wabe

An der Wabe

Auf dem Gebiet der kreisfreien Stadt Braunschweig wird es wohl nicht allzu viele Wanderungen geben. Eine kleinere Runde von Leiferde zum Südsee haben wir bisher zweimal absolviert und werden es in den nächsten Jahren vielleicht noch einmal machen. Eine insgesamt sehr spannende und von uns dieses Jahr mittlerweile zum dritten Mal begangene Route ist die bei Riddagshausen. Jedes Mal vergessen wir, eigentlich glücklicherweise, wie schön und abwechslungsreich und spannend es hier wirklich ist. Abseits der Tatsache, das zu bestimmten Zeiten hier viele, viele Erholungssuchende unterwegs sind, ist die Anzahl an Natur- und Kulturerlebnissen gewaltig. In meinem kleinen Beitrag werde ich auf vieles nur kurz oder gar nicht eingehen können. Im Naturschutzgebiet Riddagshausen ist eigentlich immer was los, im Wald des Landschaftsschutzgebietes Buchhorst geht es dann etwas ruhiger zu. Die Fotos zum Beitrag sind weitestgehend neu, wenngleich mir die Bilder meines relativ neuen Poco X3 noch nicht wirklich gefallen wollen. Ich habe jede Menge an den Bildern „herumgedoktert“, bin aber leider noch eher negativ beeindruckt von der Kamera-Software im Standard-Modus. Ansonsten ist das Smartphone aber wohl wirklich das mit dem momentan noch besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Xiaomi wird allerdings nicht lange fackeln damit, den nächsten Schlag gegen die überteuerte Konkurrenz auszuführen.

Endlich Frühjahr und endlich der erste Urlaub des Jahres. Etwas zu früh genommen dieses Mal, aber auch der Vorfrühling / Frühlingsbeginn hat seine Reize und Wandern ist mittlerweile ganzjährig zur Heiligen Pflicht geworden. Das Leben ist kurz und die Welt ist fast zu schön, um wahr zu sein. Also los. Wir starteten wieder mal am Parkplatz „Höseweg“, der für uns optimal liegt und recht ruhig ist. Gleich am Parkplatz begrüßten uns die ersten Schneeglöckchen, die momentan noch einzige in zahlreichen Exemplaren blühende Pflanze. Am Wegesrand gab es heute dann auch nicht allzu viel Botanisches. Lediglich ein paar Kornelkirschen, ein paar Blätter später nachfolgender Frühblüher und ein einziges Scharbockskraut verlangsamten unser Vorankommen. Das war aber nicht schlimm, weil es genug zu sehen und zu hören und zu riechen und zu fühlen gab. Nach ein paar Metern auf schmalem Pfad und an der Straße biegen wir links vor den Gleisen ab. Beim ersten Mal gingen wir weiter geradeaus, über beide Bahntrassen bis zum Waldforum mit den „Kämpfenden Hirschen“ und dann durch das Arboretum und den Nehrkornweg. Das ist ebenfalls eine schöne und empfehlenswerte Strecke. Dort gibt es auch ausreichend Parkplätze und eine Möglichkeit zur Einkehr im „Grünen Jäger“. Ebenso kann man von dort aus auch den Weg der „Kleiderseller“ nehmen. Möglichkeiten zum Ändern und Abkürzen gibt es heute ausreichend. Parallel unterhalb des Bahndamms überqueren wir zuerst die Wabe und dann die Mittelriede. Die Mittelriede ist ein künstlicher Nebenarm der Wabe, die im Elm entspringt und in Braunschweig in die Schunter mündet. Ein freundlicher Weg führt uns durch die Niederung zum Neuen Land, einer 8 Hektar großen Ausgleichsfläche für die durch den Bau der A39 zerstörten Sandmagerrasenflächen. Zur rechten Zeit ist die Wiese bunt und es blühen zum Beispiel Grasnelken, Flockenblumen, Heidenelken und vieles mehr. Mehrere hundert Tier- und Pflanzenarten sind für die überschaubare Fläche nachgewiesen. Am Rand der Wiese geht es auf einem Pfad zur Bahnlinie, an der wir das Naturschutzgebiet Riddagshausen erreichen, das wir bis zum wiederholten Überqueren der gleichen Bahntrasse im Buchhorst weitestgehend durchwandern.

Das Naturschutzgebiet Riddagshausen

Das ursprünglich 1936 ausgewiesene und später erweiterte NSG Riddagshausen umfasst 526 Hektar einer abwechslungsreichen Niederungslandschaft am Rande der niedersächsischen Geest. Die 1145 hier angesiedelten Zisterzienser-Mönche schufen 28 Teiche zur Fischzucht, von denen heute noch 11 erhalten sind und große, landwirtschaftliche Flächen durch gezielte Trockenlegung. Die Teiche, Wiesen und Wälder zeigen durch Renaturierung heute wieder den naturnahen Charakter einer einstigen Sumpf- und Bruchlandschaft. Die vielfältig strukturierte Landschaft bietet Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und stellt einen wichtigen Rast- und Überwinterungsplatz für durchziehende Vogelarten dar. Zahlreiche Entenarten, Gänse und Schwäne kann man im Wechsel der Jahreszeiten an und auf den Teichen und im Rest des Naturschutzgebiets ebenso beobachten wie Eisvögel, Rohrdommeln, Kraniche, Störche, Rebhühner, Wachteln, Bekassinen oder den Mittelspecht und den Fischadler. Das Gebiet wird auch durch Magerrasen, Heckenstreifen, Baumreihen, Feuchtwiesen und einen zahlreiche Einzelexemplare aufweisenden, alten Baumbestand geprägt. Hier finden sich neben vielen Libellen, Heuschrecken und Schmetterlingsarten über 600 Pilzarten und über 700 Pflanzenarten. Seit 2002 ist das Naturschutzgebiet als Europäisches Vogelschutzgebiet und seit 2005 als FFH-Gebiet ausgewiesen. Im Naturerlebniszentrum „Haus Entenfang“ am Nehrkornweg kann man sich über die Flora und Fauna weitergehend informieren.

Gebäude der Domäne Riddagshausen

Gebäude der Domäne Riddagshausen

Nach dem kurzen Gang an der Bahntrasse gehen wir in die Niederung der Wabe und Mittelriede, die wir am Kloster Riddagshausen wieder verlassen. Eine schöne Landschaft, am Wegesrand etliche Kopfweiden. Wer möchte, kann einen Abstecher durch die linker Hand angrenzenden Kleingärten zur Bockwindmühle Victoria-Luise machen. Wir wollten es tun, haben es aber leider wieder „vergessen“. Wir erreichen das Gelände des ehemaligen Zisterzienserklosters mit seiner gewaltigen Klosterkirche und dem äußerst sehenswerten Ensemble aus Nebengebäuden und Domäne. Ab Mitte des 12. Jahrhunderts machten die aus dem Kloster Amelungsborn stammenden Mönche die Gegend um das bereits bestehende Dorf urbar. Anfang des 13. Jahrhunderts wurde die erste romanische Kirche abgerissen und es begann der Bau der 1275 fertiggestellten Klosterkirche, die zu den ältesten gotischen Kirchen hierzulande zählt. Neben der Kirche sind nach wechselvoller Geschichte von der ursprünglichen Bebauung die Klostermauer, die beiden Kapellen und das Torhaus erhalten. Auf dem zentralen Weg durchqueren wir das Gelände. Abstecher zu den Kapellen, in die Klosterkirche St. Maria oder in die Gärten empfehlen sich. Bei tiefergehendem Interesse sollte man dem Dorf Riddagshausen selbst, in dem etliche alte, prächtige Häuser und Höfe stehen, die teilweise in den 1970er Jahren hierher versetzt wurden und dem Kloster eher einen extra Besuch abstatten.

Als wir durch das Tor das Kloster verließen, sang ein Trupp „heimkehrender“ Kraniche sein sehnsuchtsvolles Lied über unseren Köpfen. Jetzt geht es zum zentralen und gut besuchten Teichgebiet, vorbei an der Tee- und Cafestube „Teetied“. Auf dem Dr.-Wilke-Weg wandern wir zwischen dem Kreuzteich und dem Neuen Bleeksteich hindurch. Zur rechten Zeit bekommt man an den Teichen das Gefühl, in einem Wasservogelpark zu sein, so viel ist hier los. Höckerschwäne, Grau- und Silber-Reiher, Stockenten, Teich- und Blesshühner, Reiherenten, Grau- und Nilgänse, Haubentaucher – da sind unsere Wasservogelkenntnisse auch schon fast erschöpft. Die Graugänse kennen wenig Scheu hier am Rand der großen Stadt, fauchen aber bei zu starker Annäherung vernehmbar. Alte Eichen säumen den tollen Weg, der uns zu einem Rastplatz am Wiedingsteich bringt. Hier kann man bei Interesse einen kurzen Abstecher nach rechts zum Naturerlebniszentrum „Haus Entenfang“ machen. Vom nächsten Rastplatz aus sieht man bereits das Fischerhaus, das wie in eine nordische Seenlandschaft eingebettet steht. Weiter geht es optisch und akustisch erlebnisreich zur Beobachtungsplattform zwischen dem Mittelteich und dem Schapenbruchteich. Von hier aus kann der ornithologisch Interessierte jede Menge Beobachtungen machen. Der von Eichen, Schwarzerlen und anderen Bäumen und Sträuchern gesäumte Fischerweg führt zum Fischerhaus, in dem der Fischereibetrieb Klaus Lübbe ganzjährig frischen und geräucherten Fisch anbietet. Kurz darauf lohnt sich noch ein kleiner Abstecher nach rechts zum Rast- und Aussichtsplatz am Schapenbruchteich, dem mit ca. 20 Hektar Fläche größten der Riddagshäuser Teiche. Jetzt verlassen wir das Gebiet der drei großen Teiche und gehen am Rand der zumindest hier idyllisch anmutenden Siedlung Messekamp, weitläufig um den Schapenbruchteich herum. Auf dem Dr.-Berndt-Weg wandern wir entlang von kleineren Teichen, die wir nicht zu Gesicht bekommen, Wiesen, Kopfbäumen, Wäldchen und Feuchtgebieten zur Schäfersruh und zum ehemaligen Bahnhof Schapen.

Ehemaliger Bahnhof Schapen

Ehemaliger Bahnhof Schapen

Yo, Brüder und Schwestern, weiter geht es also am ehemaligen Bahnhof Schapen, der an der 1900 eingeweihten Bahnstrecke Braunschweig – Schöningen von 1906 bis 1971 seinem Zweck diente. 1978 war der Bahnhof baufällig, ein damals geplanter Abriss konnte von Bürgerinitiativen abgewehrt werden. Im Jahr 2000 wurde der Bahnhof Kulturdenkmal und schließlich in den Jahren 2001/2002 saniert. Heute befindet sich hier eine Abteilung der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Der vor dem Bahnhof stehende Waggon soll eine kleine Ausstellung zur Bahnlinie enthalten, ein am Grundstück angebrachtes Verbotsschild hielt uns bislang davon ab, das Gelände zu betreten. Auf der anderen Seite des Weges liegt „Schäfers Ruh“, eine Ausflugsgaststätte, die wie viele andere Lokalitäten dieser Art, 1907 im Zusammenhang mit dem Bahnhof entstanden. Ein findiger Gastwirt aus Kneitlingen verlegte seine Gaststätte im Dorf Schapen an diesen Platz. Ein wunderschönes Gebäude, das zu einer Einkehr einlädt. Bisher sind wir hier, einmal wegen akuter Überfüllung, einmal wegen Weiß-nicht-mehr und dieses Mal wegen der „Neuen Normalität“, leider selbst noch nicht eingekehrt. Ein Stück laufen wir noch auf der alten Bahntrasse, dann biegen wir nach links ab in die Schapener und Weddeler Feldmark. Alte Bäume, eine schöne Landschaft und Ausblicke auf die beiden von hier „hinten“ auf jeden Fall idyllisch anmutenden Dörfer Schapen und Weddel, prägen den Weg. Kurz vor der Rückkehr zum Hauptweg gelangen wir über den Rinderpfad zu einem Aussichtsplatz in die Weddeler Grabenniederung. Bei unserem Besuch war die Niederung aufs Feinste überflutet, aber die Schottischen Hochlandrinder und das Angler Rotvieh waren nicht zu Hause bzw. versteckten sich zu gut. Von der Plattform hat man eine gute Aussicht über die ab den 1990er Jahren renaturierte Niederung, in der über 100 Pflanzenarten und zahlreiche Tierarten nachgewiesen sind.

Zurück auf dem „Hauptweg“ kann man einen kurzen Abstecher zu dem kleinen Libellen-Lehrpfad mit angeschlossenem Rastplatz machen. Dann geht es über den Schapener und Weddeler Graben, vorbei an den zwei Schutzhütten am Waldrand, weiter in den Wald des Buchhorstes, dessen nördlicher Teil noch zum Naturschutzgebiet Riddagshausen gehört. Auf einer langen Geraden geht es durch den freundlichen Wald, der seinem Charakter nach noch nicht vollständig sich selbst überlassen wird. Hinter den Bahngleisen, die wir überqueren, verlassen wir das Naturschutzgebiet und betreten das Landschaftsschutzgebiet Buchhorst. Wo heute ein geschlossener Baumbestand steht, betrieben die Mönche des Klosters einst eine Viehweide. Aus einer um 1740 entstandenen Waldgaststätte wurde der heute noch an anderer Stelle stehende Restaurant „Grüner Jäger“. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kehrte hier auch der Schriftsteller Wilhelm Raabe mit dem Heimatverein der „Kleiderseller“ ein. Das Interesse der Braunschweiger an einem Naherholungsgebiet nahm zu und 1821 gab es die ersten Spazierwege, ab 1838 wurde ein Forstbotanischer Garten angelegt, das heutige Arboretum. Erst ab 1881 erfolgte die planmäßige Aufforstung im Buchhorst. 1934 wurde vom Braunschweiger Ministerpräsidenten Klagges der Reichsjägerhof „Hermann Göring“ im Rahmen der „Stiftung Reichsjägerhof“ erbaut, in dessen neu errichteten Hauptgebäude sich heute eine Einrichtung der Lebenshilfe befindet. Zur Stiftung, die 1955 aufgelöst wurde und deren Besitz in den Besitz Braunschweigs gelangte, gehörten das Kloster Riddagshausen mit den Teichen und der Grüne Jäger mit Wildpark und Fasanerie. Hier fanden Treffen der Gaujägermeister und Staatsjagden statt.

Der Untere Mönchsteich

Der Untere Mönchsteich

Wir bekommen von der Anlage rund um den Grünen Jäger heute nichts mit. Dafür erleben wir den Buchhorst aus nächster Nähe. Zu den beiden noch existierenden Mönchsteichen, die ebenfalls von den Mönchen des Klosters zur Fischzucht angelegt wurden, geleitet uns ein schöner Waldpfad am Waldrand. Hier ist es allgemein hin etwas ruhiger als an den anderen Teichen. Danach geht es durch einen leider noch sehr intensiv genutzten Wald bzw. Forst zur Gedenkstätte Buchhorst. Die teils vor 1900 errichteten Kugelfänge dienten als militärische Schießstände, wurden während des Zweiten Weltkrieges aber auch für die Erschießung von Deserteuren, Widerstandskämpfern und Kriegsgefangenen genutzt. Da die Unterlagen darüber vernichtet wurden, gibt es keine genauen Zahlen. Bis 1962 nutzte die Bundeswehr das Gelände, heute dient es als Gedenkstätte für die hier Hingerichteten. Wir wandern weiter zum Waldrand und wenden uns dort nach rechts, dem Ende der Wanderung entgegen. Ein kleiner, schnuckliger Waldrandpfad führt uns am Kauleteich vorbei zurück zu unserem Ausgangspunkt. Den Wald des Buchhorst habe ich etwas „abgeschmettert“, er bietet aber durchaus seine Reize als ruhiger Ausklang einer ziemlich „aufregenden“ Wanderung im „Speckgürtel“ der zweitgrößten Stadt Niedersachsens. Erstaunlich, wie natürlich, fast ländlich, es hier, kaum zwei Kilometer Luftlinie vom Zentrum der großen Stadt entfernt, zugeht. Die Stadt Braunschweig bietet nirgends größeres Potenzial zum Wandern, kann hier aber auch wirklich mit vielen kulturellen und natürlichen bzw. naturnahen Erlebnissen punkten.

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