Badra – Badraer Schweiz – Badra:

Vom Parkplatz an der L1040 geht es zuerst zur Osterklippe, dann hinab zum Stausee Kelbra, an dessen Uferbereich wir zur Taternlinde gehen. Ein Stück geht es zurück und dann am Mittelberg und Eckertsberg entlang in die Badraer Schweiz. Über die Höhe des Eckertsberges, des Kanzelberges und durch die Stöckei geht es zurück zum Ausgangspunkt…

  • Mitte Oktober 2019
  • Anfang Oktober 2011
  • Ende Oktober 2010

Knapp 200 Höhenmeter Aufstiege und ebenso viele Abstiege. Ein munteres Auf und Ab ohne große Knackigkeit. Der Weg ist absolut nicht barrierefrei und bietet viele schmale Pfade und Wege…

NSG „Schlossberg und Solwiesen“, Osterklippe, Stausee Kelbra, Solquelle und Taternlinde, gesamte Landschaft der Badraer Schweiz… 

Keine Einkehrmöglichkeiten an der Strecke…

Parkplatz L1040 zwischen Badra und Kelbra, eventuell Parkmöglichkeit am Kaiserweg nördlich von Badra…

Etliche Wege in der Badraer Schweiz, die auf Karten verzeichnet sind, existieren nicht mehr. Da es sich um ein sensibles Naturrefugium handelt, sollte man sich als Ortsunkundiger vorab im Klaren sein, das man vernünftigerweise eventuell einen Weg wieder zurückgehen muss, um einen anderen zu nehmen…

Parkplatz an der L1040 – Osterklippe – Numburg – Stausee Kelbra – Solquelle/Salzwiesen – Taternlinde – Mittelberg – Eckertsberg – Badraer Schweiz – NSG „Schlossberg und Solquellen“ – Teufelskanzel – Kanzelberg – Stöckei – Parkplatz an der L1040

Nackenschmerzen vorprogrammiert

Nackenschmerzen vorprogrammiert

Boah! Acht Jahre ist das her? Asche auf unser Haupt. Ist aber mit knapp 150 Kilometer Anfahrt, weitestgehend ohne Autobahn und mit der anscheinend zur Dauerbaustelle mutierten B243, schon ein Brett. Aber was erwartete uns dafür zwischen Hainleite und Windleite? Hunderte, vielleicht tausende Kraniche im lautstarken Suchmodus. Trompetend kreisten sie gefühlte Stunden über uns am Himmel. Aus der Ferne kamen immer neue Trupps in mehr oder weniger geordneten Formationen. Was für eine Begrüßung. Wir hatten es gehofft und an so einem Tag mit den Glücksvögeln kann eigentlich nichts mehr schiefgehen … dachten wir. Dazu aber später mehr. Eines aber vorweg: Die Badraer Schweiz muss gewandert werden und der unten in der Karte abrufbare Track ist von uns vom Anfang bis zum Abzweig an der Teufelskanzel begangen worden und ist begehbar. Wir gingen wegen nicht vorhandener Wege an anderer Stelle aber einen anderen Weg, den ich nicht empfehlen kann. Den Einstieg in den restlichen, von uns nicht gewählten Weg und den Ausstieg in den unseren gibt es aber und ich hoffe, das es den Rest dazwischen auch noch gibt. Vielleicht gibt es aus anderen Quellen ortskundigerer Leute noch bessere Routen, die dann aber hoffentlich nicht auf den zufällig oder bewusst entfernten Pfaden verlaufen. Die Badraer Schweiz bei Badra hat so viel zu bieten, das man nicht alles gesehen haben muss. Auch ohne die Begehung des Schlossberges war das ein einmaliges Erlebnis im wanderbaren Grenzgebiet zwischen Thüringen und Sachsen-Anhalt.

Nur wenige Marker dieses Mal auf der Karte. Die Badraer Schweiz und ihr Umfeld punkten nicht mit Großsehenswürdigkeiten, sondern in erster Linie mit Landschaftserlebnissen der besonderen Art, von denen man im Oktober allerdings eher weniger mitbekommt. Aber dieses Mal waren wir noch einmal in erster Linie wegen der Kraniche gekommen und die Landschaft offenbarte trotzdem ihre herbstlichen Reize. Start war für uns der kleine Parkplatz an der L1040, für den es auf dieser Tour kaum eine Alternative gibt. Der etwas verkrautete Weg, an einigen Stellen mit verblassenden Wandermarkierungen versehen, führt uns direkt in das Naturschutzgebiet „Schlossberg-Solwiesen“, das wir heute nur kurz verlassen. Die Hänge links und rechts, soweit durch die aufstrebenden Bäume noch erkennbar, zeigen bereits den Charakter der vor uns liegenden Gipskarstlandschaft. Der wanderbare Karstwanderweg durch das Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz verläuft etliche Kilometer weiter nördlich. Vielleicht wäre es an der Zeit, Gebiete wie z.B. die Badraer Schweiz, als externe Rundwanderungen mit in den Fernwanderweg aufzunehmen. Ein paar hundert Meter geht es durch das urige Tal, bis wir die Freifläche an der Osterklippe erreichen. Der Wald öffnet sich und gibt eine Landschaft preis, die auf den ersten Blick fasziniert. in paar Meter noch durch die unübersehbar karstige Landschaft, die hier von Sträuchern, Birken und Kiefern dominiert wird, dann erreichen wir den Aussichtspunkt an der Osterklippe und damit bereits eines der schönsten Fleckchen des Tages.

Blick zum Stausee Kelbra

Blick zum Stausee Kelbra

Von der Klippe hat man einen fantastischen Blick auf den Stausee Kelbra und die weitere Umgebung zwischen den beiden sagenumwoben schönen Gebirgen Harz und Kyffhäuser. Zur rechten Zeit herrscht reger Flugverkehr und die Laute der Kraniche, Gänse und anderer „Wasservögel“ sind Musik in den Ohren. Gerade die Rufe der Kraniche künden im Herbst von Abschied und im Frühling von Wiedersehen. Rechts von uns liegt der Kyffhäuser, der kleine Bruder des Harzes mit dem Kyffhäuser-Denkmal in der ehemaligen Reichsburg Kyffhausen. Unter uns am südlichen Rand des Sees sind die Überreste der ehemaligen Domäne Numburg zu sehen, die bei Niedrigwasser aus dem Wasser ragen. 1965 wurden diese Teile des Gutes im Rahmen der Anlage des Stausees bis auf die Fundamente abgetragen. Nach dem ausgedehnten Genuss der Aussicht geht es auf schmalem Weg hinab zum Stausee. Bereits hier ist der Pfad teilweise nicht mehr leicht erkennbar und Orientierungssinn und/oder GPS erweisen sich als durchaus nützlich. Aber was für ein wunderbarer Pfad. Rechts die birkenbestandenen Gipsfelsen, rechts der aufragende Schlossberg und vor uns öffnet sich das kleine Tal zum Stausee. Dazu begleiten uns zur rechten Zeit die je nach Jahreszeit von Heimkehr oder Abschied kündende Musik der Kraniche.

Unten angekommen, liegen rechts von uns die letzten Gebäude der ehemaligen Domäne Numburg. In einem befindet sich die Naturschutzstation des NABU Nordhausen. Vor uns erstreckt sich der See mit den bei Niedrigwasser auftauchenden Fundamentresten der anderen Gebäude der Domäne. Links von uns an einem Gipsfelsen befindet sich ein unscheinbarer Deckel, der den Eingang zur Numburg-Höhle sichert, die vor Jahren zur Erkundung trockengelegt wurde, mittlerweile aber wieder geflutet ist. Dahinter verbirgt sich die größte Höhle des Kyffhäusergebiets, deren Dome teilweise größer sind als der Große Dom der Heimkehle. Von den Überresten der im 12. Jahrhundert errichteten Numburg ist von hier unten nichts zu sehen. Auf den Schlossberg selbst sind wir leider nicht gekommen. Dazu später mehr. Am Seerand entlang gehen wir zur relativ neuen Vogelbeobachtungsstation, an der man nicht nur beobachten, sondern auch eine überdachte Rast einlegen kann. Links liegt die hügelige Badraer Schweiz mit ihrer schönen Landschaft, rechts befinden sich die zu den Solwiesen gehörenden Teile des NSG „Schlossberg-Solwiesen“. An der Solquelle, die für den hohen Salzgehalt der Wiesen verantwortlich ist und deren Wasser künstlich um den Stausee herumgeleitet wird, ist ein kleiner Felseinschnitt. Hier befinden sich Rastplätze, jede Menge Infos zu allen Aspekten der Umgebung auf mehreren Informationstafeln und hier steht auch die mächtige Taternlinde, die als Naturdenkmal ausgewiesen ist. Ein hier auf der OSM Map eingezeichneter Weg ist nicht mehr erkennbar, darum ging es für uns von hier ein Stück zurück zu einem aber ebenfalls herrlichen Weg. Der führt uns an der Ostflanke des Schlossberges durch die hügelige und aussichtsreiche Landschaft. Das war für mich der vielleicht schönste Wegabschnitt des Tages. Ein schöne, von Sträuchern, Bäumen und dem anstehenden Gipsgestein geprägte Landschaft, die immer wieder beim Rückblick eine prächtige Aussicht zum Stausee offenbart.

Gipskarstlandschaft Badraer Schweiz...

Auch wenn sich der Karstwanderweg ungefähr zehn Kilometer weiter nördlich befindet, ist auch die Badraer Schweiz eindeutig als eine Gipskarstlandschaft erkennbar. Das NSG „Schlossberg-Solwiesen“ erfasst einen guten Teil dieser Landschaft und schützt im südlichen Teil verschiedene Trockenstandorte und naturnahe Wälder, im nördlichen Teil große Feucht- und Auwiesenbereiche sowie den Uferbereich und einen Teil der Wasserfläche des Stausees Kelbra. Durch extensive Nutzung hat sich eine Vielzahl von Biotopen erhalten, wie z.B. Halbtrockenrasen und Felsfluren. Durch die Auswaschung des Untergrundes entstanden z.B. Dolinen und Erdfälle, die ebenfalls prägend sind für die Landschaft. Die Salzwiesen, die mittlerweile durch Heckrinder freigehalten werden, sollen wieder als potenzielle Heimat für Wiesenbrüter etabliert werden. Die Trockenrasengebiete der Badraer Schweiz sind Heimat für viele auch seltene Tier- und Pflanzenarten. Zu den Besonderheiten der Flora zählen z.B. Orchideen, Enziane und das Frühlings-Adonisröschen.

Fantastische Landschaft

Fantastische Landschaft

Der Weg, der uns jetzt wieder mitten in die Badraer Schweiz führt, ist auf der OSM Map als Naturlehrpfad betitelt, er ist aber weder ausgeschildert noch mit Infos versehen. Dafür ist er absolut spitzenmäßig wanderbar und eröffnet alles, was diese Landschaft zu bieten hat. Zwischen Feld und Sträucherhecken fängt es an und geht dann über ebenfalls strauchgesäumte Wiesen weiter. Der Rückblick geht über diese Landschaft hinunter zum Stausee Kelbra. Wir sind uns nicht hundertprozentig sicher, aber wahrscheinlich hatten wir hier auch unser erstes Erlebnis mit einem Seeadler. Ich schaute nach oben und dachte zuerst, dass sich eine Krähe und ein Milan einen Luftkampf lieferten. Bei näherer Betrachtung war aber der kleinere Vogel eindeutig ein Milan und der andere fast doppelt so groß. Vielleicht auch ein Fischadler, aber auf jeden Fall ein tolles Erlebnis aus nächster Nähe. Über eine Freifläche, auch der Weg, der an der Schutzhütte entlang führen soll, ist verschwunden, geht es weiter hinauf. Das ist einfach ein nicht alltägliches Landschaftserlebnis. Kurz vorm Ort Badra geht es nach links. Ein grüner Grasweg führt uns zu einem Aussichtsplatz in parkähnlicher Umgebung am Eckertsberg. Dann geht es ein Stück zurück zum oberen Ende des Kleinen Heutals.

Unser Plan war es, das Kleine Heutal hinabzugehen und dann auf den eingezeichneten Wegen zum Schlossberg mit den Resten der Numburg aufzusteigen. Diese Wege waren komplett verschwunden. Also zurück zu einem weiter oben gelegenen Weg, der uns zumindest zum Mitternachtsweg bringen sollte. Diesen am Anfang noch erkennbaren Weg gingen wir dann, er verschwand dann allerdings auch. Wir bissen in den sauren Apfel und schlugen uns die letzten Meter zum Mitternachtsweg durch, der dann hier ebenfalls ziemlich verkrautet daherkam. Die Wege, von denen ich mit Sicherheit sagen kann, dass sie auch aufgrund des Naturschutzstatus nicht mehr begehbar sind bzw. begangen werden sollten, habe ich bei OSM entfernt. Langer Rede, kurzer Sinn: Der Weg von der Bank oberhalb des Kleinen Heutals bis zu dem Weg südlich der Osterklippe ist von uns nicht begangen worden. Hier haben wir aber den Ein- und Ausstieg zu dem von uns gegangenen Weg gesehen und die Beschaffenheit des Ein- und Ausstiegs lässt hoffen, das man hier problemlos durchkommt. Darauf deutet auch hin, das hier auf den Karten zwei Schutzhütten eingezeichnet sind. Es ist wirklich schade, das doch etliche Wege nicht mehr wirklich vorhanden sind, aber das landschaftliche Erlebnis der Badraer Schweiz ist dermaßen hoch, das es unumgänglich ist, diese erlebt zu haben. Sollte das Unterfangen also gelingen, geht es auf ebenfalls freundlichen Wegen zurück zur Osterklippe und dann auf demselben Weg zurück zum Ausgangspunkt.

In der Badraer Schweiz

In der Badraer Schweiz

Ein recht kurzer Beitrag, auch weil es jetzt doch wieder einige Tage her ist, das wir hier laufen waren. Die Schönheit der Landschaft hallt aber immer noch nach und auch beim Schreiben des Beitrags wurde ich von schönen Erinnerungen durchflutet. Die Gipskarstlandschaft hat unglaublich viel zu bieten. Der Karstwanderweg deckt schon wesentliche Teile der Landschaft ab, aber gerade im östlichen Teil gibt es durch den „einspurigen“ Verlauf des Weges auch abseits noch viel mehr zu entdecken, wie eben die Badraer Schweiz. Kulturell ist hier sowieso die Hölle los. Für den nächsten längeren Wanderurlaub haben wir schon ein Häuschen am Kyffhäuser ins Auge gefasst, um von hier aus die nähere und auch die weitere Umgebung „abzugrasen“. Teilweise kennen wir sie schon, teilweise aber auch noch nicht. Höhenzüge wie der Kyffhäuser, die Hainleite, die Windleite oder die Hohe Schrecke bieten viel Spielraum zum Wandern. Orte wie Bendeleben, Bad Frankenhausen, Tilleda oder Sondershausen laden zum Erkunden ein. Das südliche Harzvorland hat insgesamt gesehen ebenso viel zu bieten wie das nördliche Harzvorland und der Harz selbst. Die unglaubliche Vielschichtigkeit macht den Harz für mich immer wieder zum vielleicht abwechslungsreichsten Gebirge unserer Heimat…

Bildergalerie mit Lightbox

Wanderkarte mit GPX

Verwandte Beiträge